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Auto soll 9000 Kilometer fahren: Für 900 Euro haben Rebecca Noder und ihr Mann Sebastian Büntger den VW Passat erstanden. Mit ihm wollen die beiden Körler vom Allgäu nach Jordanien fahren. 

Teilnahme an Allgäu-Orient-Rallye

9000 Kilometer mit altem Passat: Körler fahren vom Allgäu nach Jordanien

9000 Kilometer – vom Allgäu bis nach Jordanien – stehen Rebecca Noder und ihrem Mann Sebastian Büntge aus Körle im Schwalm-Eder-Kreis bevor. In einem 30 Jahre alten Passat.

Gemeinsam mit Rebecca Noders Bruder und drei Freunden nehmen die beiden Körler im Mai an der Allgäu-Orient-Rallye teil. Mit Autos, die mindestens 20 Jahre alt sein müssen oder nicht mehr wert sind als je 1111,11 Euro, geht es durch zehn Länder von Oberstaufen nach Amman. Drei Wochen dauert die Reise der Teams. Für das beste Team – etwa 80 nehmen teil – wartet ein außergewöhnlicher Preis.

Zweckmäßig: Um im Auto schlafen zu können, hat das Körler Team den Innenraum im Passat ausgebaut. Auf die Holzplatte kommt noch eine Matratze. Etwas eng, aber zweckmäßig.

„Ich habe schon vor fünf Jahren von dieser Rallye gehört und fand das total cool“, erzählt Rebecca Noder (31). „Jetzt klappt es endlich, dass wir daran teilnehmen können.“ Sie und ihr Mann Sebastian Büntge (33) sind echte Autofreaks. Für 900 Euro haben sie den VW Passat in Rostock gekauft, auf den Namen „Schorsch“ getauft und für die lange Reise flott gemacht. „Mein Mann ist Flugzeugmechaniker, das ist ja so ähnlich“, sagt die 31-Jährige, die im Volkswagenwerk in Baunatal arbeitet, und lacht. Die Reparatur der Benzinleitung stehe allerdings noch an.

Sebastian Büntge

Am 7. Mai startet die Rallye in Oberstaufen. Das Team „Oogklep“ um Rebecca Noder macht sich mit drei Autos auf den Weg nach Jordanien. Jeder Wagen ist mit zwei Leuten besetzt und mit Funk ausgestattet, damit die Team-Mitglieder kommunizieren können. Navigationsgeräte und die GPS-Funktion des Smartphones dürfen nicht benutzt werden, um die richtige Route zu finden. Nur eine Straßenkarte steht zur Verfügung.

Zum Start bekommen die Teilnehmer ein Roadbook mit Aufgaben, die während der Reise erledigt werden müssen. „Bei den vergangenen Rallyes mussten sich die Teams zum Beispiel immer an den Grenzen fotografieren“, sagt die Körlerin.

Die meisten Aufgaben zielten darauf ab, mit Menschen der anderen Länder in Kontakt zu kommen.

Die Teams übernachten die meisten Nächte in ihren Autos. Laut den Regeln dürfen die Teams zwar pro Person und Nacht 11,11 Euro für eine Übernachtung ausgeben, „aber dafür bekommt man ja nichts Vernünftiges“, sagt Rebecca Noder. „Dann schlafen wir ein paar Nächte im Auto, sparen die Pauschale ein und können dann aber mal an einem Ort mit Dusche übernachten.“

Sich tagelang nicht duschen zu können, sei eine große Herausforderung. Eine Klimaanlage im Auto gibt es nicht. „Eigentlich bin ich auch gar kein Camping-Typ, aber es reizt mich.“ Hinzu käme die Ungewissheit, ob die alten Autos die lange Strecke – Autobahnen dürfen nicht benutzt werden – tatsächlich durchhalten. „Die Straßen sind teilweise sehr schlecht.“

Zweieinhalb Wochen dauert es noch bis zum Start, derzeit schwanke das Gefühl zwischen „Panik und totaler Vorfreude“, sagt Rebecca Noder. „Aber ich glaube, das wird ein Abenteuer.“ Der „tierische“ Preis ist übrigens ein Kamel. Das Team, das die Aufgaben auf der Strecke am besten löst, bekommt ein echtes Wüstentier. Das bleibt allerdings in Jordanien und wird einem Bauern gespendet.

Viele Regeln für die Teilnehmer

Veranstalter der Rallye ist der Verein Allgäu-Orient-Rallye International. Rund 80 Teams nehmen an dem Abenteuer teil. Für sie gelten zahlreiche Regeln, zum Beispiel:
• Die Autos müssen mindestens 20 Jahre alt sein oder dürfen nicht mehr als 1111,11 Euro kosten.
• Ein Team besteht aus sechs Personen und drei Autos. Nicht alle Autos müssen am Zielort ankommen, aber alle Teammitglieder.
• Navigationsgeräte dürfen nicht benutzt werden.
• Übernachtet werden darf im Auto, im Freien, im Zelt oder in Hotels. Dafür stehen pro Tag/Person 11,11 Euro zur Verfügung.
• Die Streckenwahl ist frei, nur Autobahnen dürfen nicht benutzt werden.
• Die Fahrzeuge bleiben für einen guten Zweck in Jordanien. 

Fahrt durch zehn Länder

Welche Strecke die Teams von Oberstaufen nach Amman fahren, können sie selbst entscheiden. Die geplante Route des Körler Teams führt durch Österreich, Slowenien, Serbien, die Türkei und Israel. Zehn Länder durchqueren sie. Wegen der politischen Lage dürfen sich die Teilnehmer ausschließlich im westlichen Teil der Türkei aufhalten. Eine Fähre bringt die Autos von der türkischen Küste nach Israel. Die Teilnehmer fliegen diesen Abschnitt. Die Teilnehmerzahl sei diesmal etwas geringer als sonst, sagt Rebecca Noder. „Das liegt wohl an den Unruhen.“ Angst habe sie vor der Reise nicht. „Es kann ja überall etwas passieren.“

Konzert für Kinder in Serbien

Mit den Erträgen aus der Rallye werden zahlreiche soziale Projekte gefördert. Jedes Team hat außerdem ein persönliches Projekt, das es unterstützt. Die Körler sammeln Spenden für ein SOS-Kinderdorf in Kraljevo, Serbien. Während der Rallye halten sie im Dorf und bringen die Spenden, die sie vorher gesammelt haben, persönlich vorbei. Um möglichst viel Geld und Sachspenden für die Kinder in Serbien im Gepäck zu haben, veranstaltet das Körler Team am Freitag, 28. April, ein Benefizkonzert in Körle. Los geht’s um 20 Uhr. Auf der Bühne stehen wird Niklas Vaupel. 

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