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Andres Lehmann in seinem Lego-Zimmer.

"Lego ist eine wunderbare kleine Ablenkung vom Leben."

Sein ganzes Leben ist aus Lego: Andres Lehmann holt die bunten Bauklötze nach Borken

Andres Lehmann war Stadtplaner und Journalist, dann machte er sein Hobby zum Beruf: Der 37-Jährige betreibt einen der wichtigsten Internet-Blogs über Lego. Nun organisiert er in Borken eine Messe.

Andres Lehmann verdankt es einem Zufall, dass er einen Job hat, von dem alle Jungen und Kind gebliebenen Männer träumen. Er war Mitte 20 und studierte in Kassel Stadtplanung, als er Lego wieder für sich entdeckte. "Gott sei Dank hatten meine Eltern die Steine, mit denen ich als Kind spielte, nicht verkauft", sagt Lehmann, der damals die alten Kisten vom Boden seines Fritzlarer Elternhauses holte. Heute betreibt der 37 Jahre alte Wahl-Hamburger die Internetseite www.zusammengebaut.com, auf der er über Lego in all seinen Facetten bloggt: "Mein Beruf ist Lego."

Von so einer Karriere träumen Millionen Kinder, obwohl es sicher wahrscheinlicher ist, Astronaut oder Schiffskapitän zu werden. In seinem Büro in der Hansestadt, wo Lehmann mit seiner Partnerin und zwei Töchtern (5 und 1) lebt, ist alles voller Legosteine. Angeblich hat er dort 75.000 Steine verbaut. Mit einigen wird er nun in seine nordhessische Heimat zurückkehren: Zum dritten Mal veranstaltet Lehmann am 25. und 26. November im Borkener Parkhotel die Ausstellung Zusammengebaut. 

35 Baumeister aus dem gesamten Bundesgebiet werden dann auf 600 Quadratmetern ihre Modelle vorstellen. Der gelernte Bankkaufmann, der einst freier Mitarbeiter der HNA war und später einen Hamburg-Blog ins Leben rief, baut gerade noch an einem Schokoladen-Hochhaus aus Kunststoffteilen. Zudem zeigt er seine Ukonio-City, eine Mischung aus Hamburg und Kassel. Durchs Stadtzentrum führt die nordhessische Einkaufsmeile Königsstraße.

Lehmanns Ukonio-City aus dem Vorjahr.

Aus den Plastiksteinen, die die dänische Tischlerfamilie Christiansen 1958 im Dorf Billund erfand, kann man fast alles bauen. "Ob Hüpfburg, Mario-Kart-Autorennbahn oder Hochhäuser - es ist mir noch nie passiert, dass ich etwas nicht bauen konnte. Man kann alles schaffen", sagt Lehmann. Lego ist für ihn "ein unglaublicher Hort an Kreativität". Um die auszuleben, braucht man Geduld und Visionen. Mit denen, sagt Lehmann, müsse man nicht zum Arzt gehen, wie der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt empfahl, sondern einfach Lego spielen. "Lego verkauft nicht nur Steine", hat der US-Wirtschaftsprofessor David Robertson festgestellt, "es verkauft Geschichten, die man aus diesen Steinen bauen kann."

Das Spielzeug hat bislang alle anderen Trends überlebt - ob Pokémon-Karten, den Gameboy oder die Playstation. Auch 85 Jahre nach der Gründung und trotz einiger Krisen ist das familiengeführte Unternehmen immer noch die profitabelste Spielzeugfirma der Welt. Um darüber zu berichten, reist Lehmann um die halbe Welt. Er interviewt etwa den Vorsitzenden des spektakulären Lego-Hauses, das der Konzern dieses Jahr in Billund eröffnete. Und er stellt neue Trends vor.

Gar kein neuer Trend ist, dass Lego vor allem Jungen fasziniert. Lange machte die Firma 90 Prozent ihres Umsatzes mit männlichen Kunden. Viel besser ist es trotz geschlechtsspezifischer Angebote bis heute nicht geworden. Auf dem Gruppenfoto der letztjährigen Borkener Zusammengebaut-Messe sieht man nur Männer. Die einzige Frau unter den Ausstellern wollte nicht mit aufs Bild. Selbst die AfD hat einen höheren Frauenanteil. Unter den 1200 Besuchern, die 2016 kamen, seien es jedoch viel mehr gewesen, beteuert Lehmann.

Er selbst arbeitet daran, dass bald nicht nur Jungs mit Lego ihre Visionen ausleben. Die beiden Töchter spielen schon begeistert mit Duplo-Steinen und der "Lego Friends"-Kollektion. Lego braucht dringend weiblichen Nachwuchs unter den Kunden. In der ersten Hälfte des Jahres machte das Unternehmen fünf Prozent weniger Umsatz - unter anderem weil das Lego-Sortiment zu groß ist, wie Analysten feststellen. Bis Dezember sollen 1400 der 11.000 Jobs gestrichen werden. Journalisten schreiben nun wieder, dass die Geschäftsführung - Achtung - kein Stein auf dem anderen lassen dürfe. 

Minifigur der Zusammengebaut-Messe.

Lehmann ist längst nicht mehr nur Fan, sondern auch gefragter Experte. Gerade hat er dem Politmagazin "Cicero" in einem Interview die Krise erklärt. Trotzdem schaut er optimistisch nach vorn: "Es gibt keinen Grund zur Panik." Nur bei der Frage, wie viel Geld er in seinem Leben für die Steine ausgegeben hat, wird er nervös: "Tausende Euro sind nett formuliert, aber es wäre nicht gut, wenn meine Freundin das liest."

Zusammengebaut 2017. 25 November (11 bis 18 Uhr), sowie 26. November (11 bis 17 Uhr), Parkhotel Borken, Bahnhofstraße 33. Eintritt: drei Euro (Kinder: ein Euro).

Fachbegriffe:

AFOL: Adult Fan of Lego (erwachsener Lego-Fan)

MOD: Modified (Lego-Sets werden durch eigene Kreationen ergänzt)

MOC: My own creation (Hobby-Architekten bauen eigene Entwürfe)

Dark Ages: jahrelange Enthaltung (das Zeitalter, in dem man kein Lego spielt)

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