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Angesagte Blumenampeln und Wandteppiche: In den 70er-Jahren war Makramee schon einmal sehr beliebt - und jetzt erfährt die Knüpftechnik ein Revival und wird neu inszeniert.

DIY-Reihe: Interview mit Jimena Real de Azúa de Kuhn

Knüpfen und Knoten: Makramee liegt wieder voll im Trend

Jimena Real de Azúa de Kuhn zaubert aus Baumwollschnüren mit einer Knüpftechnik, die Makramee genannt wird, tolle Wandbehänge und Blumenampeln. Ihr Label Porã Ité ist Teil zwei unserer DIY-Reihe.

Do it yourself – oder kurz: DIY - ein Trend unter vielen Einrichtungsfans. Deko kaufen kann schließlich jeder – aber die eigene Deko zu basteln, macht doch viel mehr Spaß! Stricken, Makramee, Basteln mit Papier, Arbeiten mit Beton, Häkeln – es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sein Zuhause individuell zu gestalten. Wir stellen in den nächsten Monaten einige DIY-Techniken vor. Und nicht nur das: Wir stellen auch die Menschen vor, die aus einer DIY-Idee heraus ihr eigenes Label auf die Beine gestellt haben. Beim zweiten Teil unserer DIY-Reihe geht’s um Jimena Real de Azúa de Kuhn – den kreativen Kopf hinter Porã Ité (hier findet ihr den ersten Teil "Lumikello: So werden aus alten T-Shirts Kissen und Teppiche"). Bei der gebürtigen Argentinierin, die mittlerweile in München lebt, dreht sich alles ums Thema Makramee – mehr über die Arbeit der 31-Jährigen lest ihr im Interview.

Was ist Makramee?

Eins vorweg: Makramee ist eine Knüpftechnik aus dem Orient, die von den Mauren nach Europa gebracht wurde. Im Arabischen Raum steht Makramee für Weben. Vor allem in den 70er-Jahren war Makramee sehr beliebt.

Jimena, wie bist du auf die Idee gekommen, dich mit Blumenampeln und Wandbehängen selbstständig zu machen?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: 2015 habe ich den Beschluss gefasst, mich auf das zu konzentrieren, was mich wirklich inspiriert und glücklich macht. Ich wollte meine Kreativität ausleben können und schöne Dinge mit meinen eigenen Händen kreieren und gestalten. Mit Makramee kann ich genau das tun und neben meinem Bürojob meine kreative Seite verwirklichen.

Wie bist du auf überhaupt auf die Knüpftechnik aufmerksam geworden?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Als ich mit Makramee angefangen habe, war es in Deutschland noch nirgends zu sehen. Ich habe auf Pinterest zufällig einen tollen Makramee-Wandteppich gesehen, der mich inspiriert hat. Ich dachte, so etwas möchte ich auch für meinen Balkon. Da ich ein bisschen ungeduldig bin, muss ich meine Ideen sofort umsetzen. Deshalb bin ich noch am selben Tag in den Supermarkt gegangen und habe mir ein paar Schnürsenkel gekauft, um meine ersten Knoten auszuprobieren. Seitdem habe mir einiges selber beibringen können und mit ganz viel Übung viele tausend Meter Kordeln verknüpft. Klar, dass ich die ersten Makramees nicht verkauft habe und es für mich zuerst ein Hobby war. Aber nachdem meine Wohnung langsam zu klein für so viel Makramee wurde, habe ich entschieden, meinen Onlineshop zu gründen. Auch wenn ich meine Makramees jetzt verkaufe ist es doch immer noch ein Hobby, das mir super viel Spaß macht.

Was hast du ursprünglich gelernt?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Ich habe BWL studiert, was mir jetzt auch hilft, meine eigene kleine Firma zu führen. Rückblickend hätte ich aber wohl doch lieber einen kreativen Beruf erlernen sollen.

Deko für jedes Zimmer: Makramee-Wandbehänge kann man auch selbst machen.

Kann jeder einfach so eine Blumenampel oder einen Wandbehang knüpfen?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Naja, es braucht schon sehr viel Übung, Fingerfertigkeit und ein bisschen Talent, um schöne und kreative Makramees zu knüpfen. Aber ich denke in jedem schlummert ein kreativer Teil, der geweckt werden kann. Um anderen dabei zu helfen und um meine Leidenschaft zu teilen, gebe ich Makramee-Workshops, bei denen ich meinen Teilnehmern die ersten Schritte, Einsteigerknoten und Knüpftechniken beibringe. Mein Ziel dabei ist, dass die zumeist weiblichen Knüpferinnen nicht einfach nur mein Werk kopieren, sondern ihre eigenen Ideen sprießen lassen und ein ganz eigenes Makramee erschaffen.

Was bedeutet dir deine Arbeit?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Mir gefällt es besonders, mit natürlichen Materialien wie Baumwolle oder Holz zu arbeiten und etwas Besonderes zu gestalten, um das Zuhause anderer gemütlicher und einzigartiger zu machen. Ich stecke ganz viel Sorgfalt und Liebe in ein Stück, weil ich Menschen mit meinen Makramees glücklich machen möchte.

Wie gehst du bei deiner Arbeit vor?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Ich habe verschiedene Methoden. Manchmal lasse ich meiner Kreativität und Spontaneität freien Lauf und knüpfe einfach drauf los. Dann entscheide ich während der Entstehung, wie der nächste Schritt, also die nächsten Knoten aussehen sollen. Wenn ich allerdings ein bestimmtes Makramee im Kopf habe, oder einen Kundenauftrag ausführe, dann überlege ich mir vorab ganz genau, wie ich vorgehe und zeichne mir einen Plan. Teil davon ist auch die Berechnung, wie viele Meter Seil ich für mein neues Makramee benötige.

Diese Materialien nutzt Jimena Real de Azúa de Kuhn für ihre Makramees.

Und wie bist du auf den Namen Porã Ité gekommen?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Ich bin in der argentinischen Provinz Corrientes geboren und aufgewachsen, in einer kleinen Stadt in Nordost Argentinien. Der Name ist es eigentlich eine Hommage an meine Wurzeln. Es ist in der Sprache der Guaranies geschrieben, der nordöstlichen Ureinwohner. Porã bedeutet schön, während Ité für Authentizität steht. Ich möchte, dass die Menschen genau das in meinen Designs sehen.

Welche Teile zauberst du am liebsten - Wandbehang, Blumenampel, ...?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Beim Wandbehang ist es einfacher, neue Muster zu knüpfen und ich kann meiner Kreativität freien Lauf lassen. Es macht mir unglaublich viel Spaß aus so vielen Metern Seil ein neues Kunstwerk zu kreieren. Bei Blumenampeln finde ich besonders toll mit handgemachter Keramik zu arbeiten und um diese wunderschönen Einzelstücke herum eine tolle Form zu knüpfen.

Bist du stolz, wenn du deine Arbeiten auf Fotos siehst?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Ja, aber natürlich! Ich finde es besonders schön, wenn mir meine Kunden ein Foto schicken, oder mich auf Instagram verlinken, um mir zu zeigen, wie meine Kreationen ihr Zuhause verschönern. Das zaubert mir jedes Mal ein Lächeln ins Gesicht.

Was war dein bisher verrücktestes oder spannendstes Projekt?

Jimena Real de Azúa de Kuhn: Derzeit habe ich einen riesigen Auftrag für ein Brautshooting. Neben einem riesigen Wandbehang mache ich Blumenampeln, Stuhlbehänge, eine Wimpelkette und eine Schaukel und noch vieles mehr. Ein bisschen nervös macht mich der Auftrag schon, weil ich möchte, dass alles perfekt wird. Und ich muss ganz schön viele Stücke in kurzer Zeit knüpfen. Manchmal brauchen meine Schultern und Hände auch eine Pause, um zu verschnaufen und neue Kraft zu tanken. Es macht mich aber unglaublich stolz, für dieses Projekt ausgewählt worden zu sein und es fordert gleichzeitig meine Kreativität und bereitet mir viel Freude.

Workshop für Makramee:

Wer aus München oder dem Münchener Umland kommt, der kann am 13. Mai in der Silberfabrik an einem Makramee-Workshop teilnehmen. Dauer: von 15 bis 18 Uhr. Kosten: 75 Euro inklusive aller Materialien. Weitere Infos gibt es hier.

Alles zu Porã Ité im Netz:

Der Wohntrend Makramee

Makramee, DIY, Anleitung
 © Porã Ité/nh
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 © Porã Ité/nh

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