Altes Haus wird rekonstruiert

Bald soll es aussehen wie vor dem Zweiten Weltkrieg

Kassel. In Kassels Mitte wird ein Haus weitgehend so rekonstruiert, dass es wieder so aussieht wie vor dem Zweiten Weltkrieg.

Die Bomben des Zweiten Weltkrieges haben vom ursprünglichen Aussehen des Gebäudes Marställer Platz 1 nicht viel übrig gelassen. Doch nun will die Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Kassel (GWG) das Haus aus ihrem Bestand so weit wie möglich rekonstruieren lassen. Die Bauarbeiten sollen im Sommer beginnen. Wir werfen einen Blick auf die bewegte Geschichte des Gebäudes, in dem sich seit 2004 die CDU-Geschäftsstelle befindet.

Marställer Platz im Jahr 1891: Die Fachwerkhäuser rechts wurden abgerissen. 1929 entstand auf dem Grundstück der Neubau.

Das Haus Marställer Platz 1 ist bei seiner Erbauung im Jahr 1929 eine Kopie des benachbarten Gebäudes gewesen. Das als Vorlage benutzte barocke Eckhaus am Schlossplatz 17 war bereits um 1770 entstanden. So erklärt sich die barocke Anmutung des zwischen den beiden Weltkriegen erbauten Hauses. Mit einem Zwischenbau, der bis heute erhalten ist, wurden beide Häuser verbunden.

Marställer Platz 1: Die ursprüngliche Dachkonstruktion mit Giebel wurde im Krieg zerstört. Der Zwischenbau ist noch erhalten. Foto: Ludwig

Die Stadt Kassel hatte mit dem Neubau vor knapp 90 Jahren eine jahrzehntelang bestehende Baulücke beseitigt. Diese war entstanden, als kurz nach der Jahrhundertwende alte Fachwerkbauten abgerissen wurden. Nach der Fertigstellung des Gebäudes 1929 zogen Arbeits- und Landesarbeitsgericht sowie städtische Ämter ein.

Blick zurück: Auf diesem Foto aus dem Jahr 1937 ist das 1929 erbaute Haus Marställer Platz 1 (Mitte) zu sehen. Es ist eine Kopie des benachbarten Barockgebäudes, das im Krieg zerstört wurde. Heute läuft der Steinweg über dessen Grundstück. Rechts (außerhalb des Bildes) liegt der Marstall, der heute als Markthalle genutzt wird.

Während das barocke Original den Flammen der Bombennacht am 22. Oktober 1943 zum Opfer fiel, blieb der Nachbau – wenn auch stark verstümmelt und ohne Dachstuhl – stehen. Stadthistoriker Christian Presche bezeichnet das Gebäude dennoch als baugeschichtlich wertvoll. Von solchen Häusern der 20er- und 30er-Jahre seien in Kassel nur wenige erhalten. In der Nachkriegszeit wurde es als Polizeirevier, für Büros der Bundesgartenschau und später als Sitz des Jugendbildungswerks genutzt.

Überblick: Auf dem Luftbild haben wir Marställer Platz 1 markiert. Rechts im Bild sind Marstall und Alte Lutherische Kirche zu sehen. Vorne das preußische Regierungs- und Justizgebäude.

Nun war es einem Zufall zu verdanken, dass das Gebäude nach historischer Vorlage saniert wird. Bei der Vorbereitung der laufenden Sanierung der benachbarten GWG-Häuserzeile an Steinweg und Brüderstraße fiel den GWG-Verantwortlichen ein altes Foto in die Hände, das das Gebäude im Originalzustand zeigte. Die prachtvolle Anmutung hatte GWG-Chef Peter Ley veranlasst, für die ohnehin anstehende Sanierung des Haues eine Rekonstruktion von Dach und Fassade nach historischem Vorbild zu prüfen.

Dachstuhl wird hergestellt

Nach dem Zweiten Weltkrieg war der Dachstuhl des Hauses nicht wieder originalgetreu aufgebaut worden. Die Planungen sehen vor, unter anderem den historischen Zwerchgiebel und die Gauben zu rekonstruieren. Aktuell laufen dazu Planungen. Für die Sanierung wird mit einer halben Million Euro kalkuliert.

Wenn im Sommer die Arbeiten starten, ist mit Blick auf die documenta vorgesehen, das Gebäude mit einer großen Plane zu verhängen. Auf dieser soll ein historisches Bild des Gebäudes zu sehen sein. „Man kann sich auf ein weiteres Gebäude in Kassels Innenstadt freuen, das historisch interpretiert saniert wird“, sagt GWG-Chef Ley.

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