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Niedlich aber nicht ungefährlich: Waschbären breiten sich in der Region aus.

Mindestens 40 Tiere tummeln sich in leeren Häusern in Kehrenbach

Bevor es sich Waschbären gemütlich machen: So sichert ihr euer Haus

Die Waschbären machen es sich gemütlich in der Region – ob in Kehrenbach, Spangenberg, Guxhagen, sie haben sich überall breitgemacht. Wir geben Tipps, wie ihr euer Haus gegen die Tierchen sichern könnt.

Vor allem Dachböden leer stehender Häuser nutzen die nachtaktiven Tiere tagsüber als Rückzugsorte, nachts gehen sie auf Beutezug. Und bald wird es noch mehr Waschbären im Schwalm-Eder-Kreis geben. Denn aktuell ist Paarungszeit – und es bleiben nur noch wenige Wochen Zeit, um sich vor den Tieren zu schützen.

„Dabei sind die Waschbären schon jetzt massenhaft im Kreis vertreten“, sagt Landrat Winfried Becker. Und wenn im Mai die Jungen zur Welt kommen, „dann wird man die Waschbären auf dem Dachboden erstmal nicht mehr los“, sagt Dr. Wolfgang Fröhlich, Leiter des Wildparks Knüll. 

Deshalb rät er allen Hauseigentümern, die Zeit zu nutzen, um vor allem die Dächer abzudichten, um den Tieren den Zugang zu verwehren. Das weiß auch Kreisveterinär Dr. Hans-Gerhard Heil. Er wurde im vergangenen Jahr „Opfer“ von Waschbären und musste sein Dach komplett erneuern: Die Tiere hatten die Isolierung ruiniert. Waschbären auf dem Dachboden – das bedeutet Lärm und Dreck. 

Laut Heil übertragen die Tiere zwar keine Krankheiten auf den Menschen, aber er rät dennoch zu Vorsichtsmaßnahmen: Eingetrockneter Kot sollte nicht eingeatmet und nur mit Handschuhen und Mundschutz beseitigt werden. Des weiteren sollten die Hände anschließend gründlich gewaschen werden. Denn der Kot der Tiere kann von Parasiten, Bakterien oder Spulwürmern befallen sein. 

Die Virusinfektion Staupe hat den Waschbären in den vergangenen zwei Jahren zwar zugesetzt. Allein 2016 hat das Kreisveterinäramt 15 an Staupe verendete Waschbären im Landkreis gefunden, berichtet Kreisveterinär Heil. Dennoch ist die Population der Waschbären im Schwalm-Eder-Kreis weiter hoch. Und sie wird nach der Paarungszeit noch weiter ansteigen. Pro Wurf kommen zwei bis fünf Tiere zur Welt. Erst im Alter von zehn Wochen verlässt der Nachwuchs erstmals die Wurfplätze – so lange leben die Waschbärfamilien an geschützten Orten, etwa auf ruhigen Dachböden.

Beispiel Kehrenbach: Dort stehen sechs Häuser leer, in denen sich mindestens 40 Waschbären tummeln, schätzt Ortsvorsteher Günther Schmoll. Und es werden noch mehr werden, schließlich ist aktuell die Paarungszeit der Waschbären. 

Dass die Tiere nicht gezielt gefüttert werden sollten, ist eigentlich selbstverständlich. Und trotzdem finden die Tiere Nahrung: „Im Winter waren alle Vogelfutterhäuser in Kehrenbach wie leer gefegt“, berichtete Ortsvorsteher Günther Schmoll. Manche Kehrenbacher haben die Meisenknödel abends vor den Waschbären in Sicherheit gebracht – sonst wären sie am Morgen leergefressen gewesen. 

Eigene Hütte: Im Vogelhäuschen der Familie Schreiber in Kehrenbach hat es sich ein Waschbär gemütlich gemacht.

Manchmal werden die Waschbären beobachtet, wenn sie im Tross im Dorf unterwegs sind, „Ein Dicker ist da immer der Boss“, berichtet Ortsvorsteher Schmoll. Die Tiere scheinen fast schon zum Ort zu gehören, trotzdem sind sie eine Plage. Der Ortsbeirat hat schon oft darüber beraten – Vorsorge kann nur jeder Hauseigentümer selbst treffen. Dr. Wolfgang Fröhlich vom Wildpark Knüll, in dem auch fünf Waschbären, wenn auch in einer Voliere, leben, rät dazu, den Waschbären den Zutritt zum Haus zu verwehren. Blechmanschetten an den Fallrohren können dabei helfen. 

Waschbären sind zwar geschickte Kletterer, Manschetten können sie jedoch nicht überwinden. Sein Tipp: Hundehaare auf dem Dachboden auszulegen und regelmäßig erneuern, damit der Hundegeruch die Waschbären fernhält. 

Einen anderen Weg geht mittlerweile Herbert Schäfer aus Spangenberg: Er hat sich mit den Waschbären auf seinem Dachboden arrangiert. Der 82-Jährige lebt in seinem Haus am Stadtrand, an das ein kleiner Privatwald grenzt. Viel Geld habe er bereits über die Jahre in Schutzmaßnahmen wie Zeitlichtschalter und Infrarotstrahler auf dem Dachboden investiert – die Tiere haben sich jedoch an alles gewöhnt.

Nabu gibt Tipps für Hausbesitzer

Laut Naturschutzbund gibt es Möglichkeiten, sein Haus unattraktiv für Waschbären zu gestalten: 

• Bäume und Sträucher, die nah an das Haus heranreichen, stark zurückschneiden

• Rank- und Kletterpflanzen am Haus als Einstiegsmöglichkeit vermeiden

• nachts die Katzenklappe sicher verschließen

• alle möglichen Einstiegslöcher am Haus verschließen

• glatte Blechmanschetten an den Fallrohren der Dachrinne anbringen • starkes Metallgitter am Schornstein anbringen

• Mülltonnen mit starken Spanngummis sichern

• Fleisch, Fisch, Milchprodukte, Brot und Obst nicht auf den Kompost werfen

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