Seit einem Jahr nervt Böllerlärm die Anwohner in Baunatal-Großenritte. Dabei dürfen Feuerwerkskörper nur an Silvester und Neujahr abgebrannt werden. Unser Symbolbild zeigt einen Mann beim Entzünden eines sogenannten D-Böllers der Klasse 2. Private Kleinfeuerwerke mit Knaller und Raketen dieser Klasse müssen grundsätzlich genehmigt werden. Foto: Müller/dpa

Hobby-Pyrotechniker unterwegs

Böllerei nervt die Nachbarschaft: In Baunatal knallt's fast jedes Wochenende

Silvester ist längst vorbei. Aber geböllert wird immer noch im Baunataler Stadtteil Großenritte. Fast jedes Wochenende in den Abend- und Nachtstunden geht es los, laute Knaller und Raketen, mitunter sind sie auch mitten in der Woche zu hören.

Doch nicht nur das: „Das geht schon das ganze vergangene Jahr so“, sagt Sebastian Stüssel. Vor allem im Sommer 2016 sei es schlimm gewesen. „Irgendwann geht das einfach auf die Nerven“. Geböllert werde nahezu in ganz Großenritte, vor allem aber im Norden im Bereich Rostocker Straße. „Überall liegt dann dieser Böllerschnipsel-Müll herum – beim Edeka genauso wie am Bahnhalt Hünsteinplatz“.

Stüssel, der an der Glatzer Straße wohnt, sagt das als Privatmann wie auch als CDU-Fraktionschef. Eine Anfrage an die Stadt Baunatal hat er bereits gestellt (siehe Info-Kasten).

„Ich wollte mal sehen, ob dem Ordnungsamt schon Fälle von Ruhestörung durch Böller bekannt geworden sind“, sagt Stüssel. Doch tatsächlich hat sich bislang niemand weder bei der Polizei noch beim Ordnungsamt beschwert. „Dabei ist diese Knallerei hier sofort jedem ein Begriff, wenn ich danach frage“, sagt Stüssel. „Alle bekommen das hier mit“.

Wer jedoch mit solcher Hartnäckigkeit Lunte um Lunte anzündet, darüber kann Stüssel nur spekulieren. „Das sind wohl junge Leute“, sagt der CDU-Politiker. Doch sei das nur eine Vermutung. Bislang habe er keinen der Hobby-Pyromanen gesehen – „ich habe sie nur gehört“.

Seinen Nachbarn sowie zwei seiner Fraktionskollegen, die ebenfalls in Großenritte wohnen – einer an der Lübecker Straße, der andere im Süden an der Kulturhalle –, geht es genauso. „Sie alle kennen das Problem“, sagt Stüssel. Doch bislang hat noch niemand in dieser Sache Kontakt mit der Polizei oder dem Ordnungsamt aufgenommen.

„Die Frustrationstoleranz ist wohl recht hoch“, vermutet Stüssel. Aber eben auch die Hemmschwelle, einfach mal bei der Polizei anzurufen. „Man will die Beamten mit so etwas ja auch nicht gleich nerven“. Doch will Stüssel nun seine Nachbarn dazu ermuntern, sich zu wehren. Auch er selbst will nun das Heft in die Hand nehmen. „Ich schreibe mir jetzt einfach auf, wann und wo das Geknalle wieder losgeht, um dann konkrete Angaben machen zu können“. Seit dem Jahreswechsel sind schon einige Einträge zusammengekommen. Seine letzte Notiz ist vom Samstag, 18. Februar, 22.30 Uhr.

Beim Karneval sei es jedoch erstaunlich ruhig gewesen. „Da waren die Pyromanen wohl anderweitig beschäftigt“, sagt Stüssel.

Hintergrund: Kleinfeuerwerk muss genehmigt werden

CDU-Fraktionschef Sebastian Stüssel hat in Sachen Böllerei in Großenritte bereits eine Anfrage an die Stadtverwaltung gerichtet. Die Antworten waren eher ernüchternd. Weder der Polizei noch der Ordnungsbehörde seien bislang nächtliche Ruhestörungen durch das Abbrennen von Knallkörpern und Feuerwerksraketen bekannt geworden. Dementsprechend seien auch noch keine Verwarnungen oder Ordnungsgelder erteilt worden. 

Grundsätzlich sei der Besitz von Feuerwerkskörpern ganzjährig erlaubt. Ein Verwarnungsgeld könne nur ausgesprochen werden, wenn Knaller und Raketen tatsächlich gezündet würden. Vom Ordnungsamt seien 2016 nur drei Feuerwerke außerhalb von Silvester und Neujahr in Baunatal genehmigt worden. 2017 sei erst ein Feuerwerk im Januar in Großenritte zugelassen worden. Grundsätzlich müssten private Kleinfeuerwerke von der Stadt genehmigt werden. „Über das Abbrennen von Knallern und Raketen, von dem vermutet wird, dass dies nicht genehmigt war, soll die Polizei oder die Ordnungsbehörde in Kenntnis gesetzt werden“, erklärt die Verwaltung.

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