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Innenansicht der Rotunde der Stadtbibliothek Stockholm.

Neue, ungewöhnliche und empfehlenswerte Bücher

Jede Menge Lesestoff: Geschenktipps zu Weihnachten aus der Redaktion

Bücher zählen zu den beliebtesten Weihnachtsgeschenken. Auch in diesem Jahr stellen Redakteure der HNA wieder vor dem Fest ihre Favoriten vor. Darunter fantastische Geschichten, tröstliche Comics und spannende Thriller.

Vielleicht finden Sie, liebe Leser, die eine oder andere Anregung – entweder zum Verschenken oder zum Selberlesen. Die Tipps sind in drei Kategorien eingeteilt.

  1. Das Buch des Jahres 2017: Welche Neuerscheinung hat am meisten beeindruckt, war am spannendsten, hat den größten Spaß bereitet?
  2. Das Buch, dem man viele Leser wünscht: Welches Buch ist so faszinierend, dass es unbedingt gelesen werden sollte?
  3. Der besondere Buchtipp: Seltene, ungewöhnliche, skurrile oder zeitlose Bücher.

Übrigens: Wer von diesen Buchtipps nicht genug bekommt, kann hier unsere Tipps aus dem letzten Jahr nachlesen: Teil I | Teil II

Frank Ziemke (54), Sportredaktion

1. James Lee Burke: Vater und Sohn. Heyne, 640 S., 17,99 Euro

Vierter Teil der großartigen Reihe um den Texas Ranger Hackberry Holland, endlich auch in Deutschland erhältlich. Im Zeitraum zwischen Jahrhundertwende und Erstem Weltkrieg folgt Holland den Spuren seines Sohnes, mit dem er sich versöhnen will. Er gerät zwischen die Fronten des mexikanischen Bürgerkrieges, kämpft gegen skrupellose Waffenhändler. Es geht um den Irrsinn dieser Welt, die Sinnlosigkeit des Krieges, die Brutalität des Verbrechens, aber auch um Schuld und Versöhnung, um Liebe und den Wert der Familie. Wortgewaltig, spannend – einfach überwältigend.

2. Simone Buchholz: Beton Rouge. Suhrkamp, 227 S., 14,95 Euro

Chastity Riley ist Staatsanwältin in Hamburg, hat nicht nur einen seltsamen Namen, sondern auch Probleme mit den Männern, dem Alkohol und ihrer Dienststelle, die sie auf das Abstellgleis geschoben hat. Aber wehe, wenn sie losgelassen wird. Ganz ehrlich: Riley ist die coolste Antiheldin, die je in deutschen Krimis losgelassen wurde. Legt man nicht mehr aus der Hand.

3. Gregor Schnittker: Revierderby - Geschichte einer Rivalität. WerkstattVerlag, 268 S., 28 Euro

Wenn die Luft brennt im Revier, entstehen jede Menge interessante Geschichten. Hier sind sie zusammengefasst. Müsste seit dem letzten Fußball-Wochenende aber aktualisiert werden!

Revier-Derby | Schalke 04 – Borussia Dortmund: Die Geschichte einer Rivalität

Ulrike Lange-Michael (63), Redaktion Fritzlar-Homberg

1. T. C. Boyle: Die Terranauten. Hanser, 608 S., 26 Euro

Seit mir eine Cousine vor vielen Jahren „Wassermusik“ von T. C. Boyle schenkte, bin ich ein Fan dieses Autors. Er schafft es auch in seinem neuesten Buch, ebenso scharfsinnig wie witzig, bösartig wie entlarvend eine Geschichte zu erzählen, die menschliche Schwächen aufdeckt. Übrigens: Das Experiment unter der Glaskuppel gab es tatsächlich.

2. Christine Westermann: Da geht noch was. KiWi, 192 S., 8,99 Euro

Älterwerden ist ein Schicksal, das jeden ereilt. Wie man damit umgehen kann, ja muss, beschreibt die 68-jährige Christine Westermann in ihrem Büchlein. Westermann schildert ganz unprätentiös ihre Sicht der Dinge, berichtet von Ausflügen ins Kloster und fordert auf zum Leben im Jetzt. Ein Buch, das man nicht erst lesen sollte, wenn man 65 ist.

3. Peter Wohlleben: Das geheime Leben der Bäume. Ludwig, 224 S., 19,99 Euro

Für manchen ist es hanebüchener Unsinn, den der Forstwirt über miteinander kommunizierende Bäume und Pilze schreibt. Aber sein Blick auf ein vielgestaltiges Leben außerhalb unserer üblichen Vorstellungen lässt erahnen, was alles möglich sein kann.

"Das geheime Leben der Bäume" gibt es auch als Hörbuch in der Verlagsgruppe Random House

Kathrin Meyer (31), Redaktion Stadt Kassel

1. Mariana Leky: Was man von hier aus sehen kann. DuMont-Verlag, 320 S., 20 Euro

Selma kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt jemand im Dorf. Die Autorin verbindet Schmerz, Tod und Liebe und schafft es so, zum Nachdenken anzuregen, über die kleinen Skurrilitäten des Lebens.

2. Michel Bussi: Die Frau mit dem roten Schal. Aufbau-Verlag, 368 S., 9,99 Euro

Eine Frau stürzt von den Klippen, der Mann, der sie eigentlich retten wollte, wird zum Verdächtigen. Niemand glaubt ihm, und er selbst weiß bald auch nicht mehr, wem er eigentlich noch vertrauen kann. Kein klassischer Krimi, aber dank falscher Fährten und psychologischer Tricks mindestens genauso spannend.

3. Karin Kalisa: Sungs Laden. Droemer TB, 256 S., 9,99 Euro

Kleine Wunder und traumhafte Verwandlungen im Berlin der heutigen Tage – eine Völkerverständigung der anderen Art. Kalisas utopische Beschreibung ist ein ganz besonderes Sommermärchen mit aktueller Thematik. Ein kleines Buch, das nicht nur bei den Bewohnern für gute Laune sorgt.

Christina Schröder (26), Volontärin Kulturredaktion

1. Sasha Marianna Salzmann: Außer sich. Suhrkamp, 366 S., 22 Euro

Die Zwillinge Alissa und Anton haben so einiges gemeinsam durchstanden – bis Anton eines Tages verschwindet. Eine Postkarte ohne Absender aus Istanbul deutet darauf hin, dass er sich dort aufhält. Alissa macht sich auf die Suche, und erinnert sich dabei an die Geschichte ihrer Familie.

2. Celeste Ng: Was ich euch nicht erzählte. dtv, 288 S., 10,90 Euro

Der Tod der 16-jährigen Lydia Lee bestürzt ihre Familie und macht sie ratlos. Lydia war fleißig, klug und beliebt. Was zunächst wie ein Krimi klingt, entpuppt sich als Spurensuche in einer Familie, die sich in Schweigen hüllt, in der Gedanken und Gefühle unausgesprochen bleiben – was eine Tragödie auslöst.

"Was ich euch nicht erzählte" ist ein Drama der amerikanischen Schriftstellerin Celeste Ng. 

3. Matt Haig: Ziemlich gute Gründe, am Leben zu bleiben. dtv, 304 S., 18,90 Euro

Mit nur 24 Jahren erkrankt Matt Haig an einer schweren Depression. Doch er nimmt den Kampf mit der Krankheit auf. Seinen Weg zurück ins Leben hält er in einem Roman fest. Herausgekommen ist ein berührendes, witziges und unterhaltsames Buch, das Mut macht und Verständnis schafft.

Lasse Deppe (33), Redaktion Hofgeismar

1. Ken Follett: Das Fundament der Ewigkeit. Bastei Lübbe, 1162 S., 36 Euro

England 1558: Der Streit zwischen Protestanten und Katholiken spitzt sich zu. Die junge Königin Elisabeth Tudor muss sich mithilfe weniger Freunde an der Macht halten. Zum dritten Mal entführt Follett nach Kingsbridge und erzählt eine Liebesgeschichte verpackt in einem gut recherchierten Geschichtsbuch.

2. Kristian Gidlund: Nach mir das Leben. Bastei Lübbe, 352 S., 26,89 Euro

Kristian Gidlund ist tot. Gestorben an Magenkrebs mit 29. In seinem Buch beschreibt der junge Schwede sein Leben mit der Diagnose. Das Besondere: Gidlund steht mit seiner Krankheit in der Öffentlichkeit, er ist Schlagzeuger der Band Sugarplum Fairy. Ein knallhartes Buch, schonungslos und voller Pointen. Hier weint und lacht man gleichzeitig.

3. André Gatzke: Das skurrile Erfinderbuch. Beltz & Gelberg, 160 S., 16,95 Euro

Für Kinder ist Kika-Moderator André Gatzke ein Fernsehstar. Seine Anleitungen für T-Shirt-Faltmaschine und Handyladegerät aus Zitronen machen schon beim Lesen Spaß, beim Ausprobieren umso mehr. Hier wird spielerisch mit viel Humor gelernt.

Maja Yüce (44), Kulturredaktion

1. Anja Rützel: Saturday Night Biber. Fischer, 240 S., 9,99 Euro

Wenn Anja Rützel (Spiegel online) über die tiefsten Abgründe des TV-Geschäfts schreibt, ist das klug und sehr lustig. Das ist ihre Reportagen-Sammlung auch: Sie beschreibt, wie sie Hirsche beobachtet und Schaben sammelt. Und sie macht sich Gedanken über das Leben und Sterben – dabei ist sie tiefsinnig.

2. Catherine Meurisse: Die Leichtigkeit. Carlsen, 144 S., 19,99 Euro

Funktioniert das? Humor nach einem Terroranschlag? Catherine Meurisse arbeitete für „Charlie Hebdo“ und verschlief an dem Morgen, als der Anschlag auf das Satiremagazin stattfand. Sie überlebt, zwölf Menschen, Kollegen, töten die Attentäter. Ihr Comicroman handelt von der Suche nach der „Leichtigkeit“ in einer schweren Zeit. Beißend komischer Humor, der aus der Finsternis führt – funktioniert.

Mehrere Redakteure beeindruckte der Comicroman von Catherine Meurisse.

3. Cameron Bloom: Penguin Bloom. Knaus, 208 S., 19,99 Euro

Eine Elster rettet eine Familie. Klingt kitschig, ist es aber nicht. Und das liegt an der ungeschönt erzählten Geschichte über einen kleinen Vogel, der von Familie Bloom aufgepäppelt wird und doch eigentlich der ist, der aufpäppelt. Bevor Penguin aufgenommen wird, verunglückt Mutter Sam – Querschnittslähmung. Ein Buch mit einer Botschaft, die Mut macht. Toll fotografiert.

Niko Mönkemeyer (54), Redaktion Northeim

1. Jonas Jonasson: Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind. Penguin, 346 S., 10 Euro

Ein Mörder, der zum Prediger wird, eine Pfarrerin, die über Leichen geht und ein erfolgloser Hotelangestellter machen sich gemeinsam auf den Weg, um die Menschen glücklicher und den eigenen Geldbeutel voller zu machen. Liebhaber des schwarzen Humors kommen auf ihre Kosten.

2. Nick Lane: Der Funke des Lebens. Theiss, 344 S., 29,95 Euro

Der britische Biochemiker bietet einen völlig neuen Blick auf die Entstehung und die Geschichte des Lebens, und er liefert verblüffende Antworten auf Fragen, die die Evolutionswissenschaft seit Jahrzehnten beschäftigen. Im Mittelpunkt seiner Überlegungen steht die elektrische Spannung, die die Entwicklung der höheren Lebewesen aus einfachen Zellen vorangetrieben hat.

3. Franz Buggle: Denn sie wissen nicht, was sie glauben. Alibri, 428 S., 24 Euro

Der 2011 verstorbene Psychologe und Religionskritiker vertritt die Auffassung, dass die Bibel nicht als Basis aller christlichen Religiösität gelten kann. Anhand zahlreicher Bibelzitate macht er deutlich, dass die Heilige Schrift viele ethisch-humanitäre und psychologische Defizite aufweist.

Barbara Will (56), Nachrichtenredaktion

1. Norman Ohler: Die Gleichung des Lebens. Kiepenheuer & Witsch, 416 S., 22 Euro

Für den Kartoffelanbau will Friedrich der Große das Oderbruch trockenlegen. Die Fischer, die dort leben, wehren sich. Der Mathematiker Leonhard Euler soll das Projekt berechnen – und einen Mord aufklären. Eine Geschichte über Zukunftsglauben und die Angst vor Neuem: Hochaktuelles aus dem Jahr 1747.

Norman Ohlers historischer Roman spielt im Jahr 1747.

2. Juli Zeh: Leere Herzen. Luchterhand, 352 S., 20 Euro

Britta und ihr Partner Babak heilen in ihrer Praxis „die Brücke“ Selbstmordkandidaten oder vermitteln sie an ganz spezielle Kunden – bis ein Attentat ihre durchrationalisierte Idylle stört. Der im Jahr 2025 angesiedelte Thriller zeichnet das Bild einer desillusionierten Gesellschaft. Juli Zeh trägt manchmal zu dick auf, fesselt aber mit überraschenden Wendungen.

3. Gabriel García Márquez: Hundert Jahre Einsamkeit. S. Fischer, 656 S., 10 Euro

Weil ihn der Geist eines von ihm Getöteten verfolgt, verlässt José Arcadio Buendía seine Heimat und gründet das Urwalddorf Macondo. In seinem berühmtesten Buch erzählt der kolumbianische Nobelpreisträger Márquez eine Geschichte über 100 Jahre und sechs Generationen – voller Grenzgänge zwischen Realismus und Magie.

Marie Klement (33), Online-Redaktion

1. Steve Hamilton: Das zweite Leben des Nick Mason. Droemer TB, 336 S., 14,99 Euro

Eigentlich muss Nick Mason 25 Jahre absitzen. Doch dann macht ihm der Pate von Chicago ein verlockendes Angebot: Mason soll für ihn arbeiten – dafür haut er ihn raus. So ist Mason plötzlich wieder frei, steht aber fortan im Dienste der Mafia und wartet auf den ersten Auftrag, den der Pate für ihn hat. Der hat es in sich. Ein cooler Gangsterthriller mit hohem Tempo bis zum Schluss.

2. Anthony Doerr: Alles Licht, das wir nicht sehen. btb, 528 S., 11 Euro

Anthony Doerr erzählt in wunderschöner Sprache die Geschichte zweier Jugendlicher im Zweiten Weltkrieg. Unaufhaltsam führen die Wege der blinden Marie-Laure, die mit ihrem Vater vor den Deutschen aus Paris fliehen muss, und die des Waisenjungen Werner, der in der Wehrmacht dient, aufeinander zu. Dieser Roman zieht einen von der ersten Seite in seinen Bann. Weglegen unmöglich.

3. National Geographic: Remembering Diana: A Life in Photographs (Texte auf Englisch). National Geographic, 200 S., 18,99 Euro

Über keine andere Frau wurde so viel behauptet, spekuliert und erfunden wie über Diana, die Princess of Wales. Auch 20 Jahre nach ihrem Tod in Paris fasziniert die Königin der Herzen die Menschen. Dieser Bildband zeigt ihr Leben in mehr als 100 Bildern – von der Kindheit bis zu ihrer Zeit als Frau von Prinz Charles in der prunkvollen Welt der britischen Royals. Zeitlos schön.

Ein Leben in Fotografien: Der National-Geographic-Bildband zu Prinzessin Diana.

Mark-Christian von Busse (49), Kulturredaktion

1. T. C. Boyle: Die Terranauten. Hanser, 608 S., 26 Euro

Vier Männer und vier Frauen leben zwei Jahre in einem geschlossenen Ökosystem – ohne irgendeinen Güter-Austausch mit der Außenwelt. Der fabelhafte kalifornische Schriftsteller, der heute 69 wird, erzählt abwechselnd aus der Ich-Perspektive zweier Bewohner dieser „Biosphäre 2“ und eines Teammitglieds draußen. Eine wunderbare Ironie liegt darin, dass der Versuch, eine vollständig kontrollierbare künstliche Welt zu bauen, am elementarsten Vorgang des Lebens zu scheitern droht: an einer ungeplanten Schwangerschaft.

2. Sven Regener: Wiener Straße. Kiepenheuer & Witsch, 304 S., 18,99 Euro

Das permanente Tür auf, Tür zu im Café Einfall in Kreuzberg, in dessen Dunstkreis der Element-of-Crime-Frontmann seinen jüngsten 80er-Jahre-Berlin-Roman ansiedelt, erinnert ein bisschen an Boulevard-Bühnenstücke. Bei aller Situationskomik sind Figuren der Künstler-, Hausbesetzer- und Punkerszene wie Kacki, P. Immel, H.R. Ledigt, Karl Schmidt, Erwin Kächele, dessen Nichte Chrissie und der bestens bekannte Frank Lehmann, die der Kasseler Grimm-Professor 2016 liebevoll skizziert und kunstvoll verknüpft, ausgesprochen hintersinnig angelegt. Der Tonfall ist genial – am besten zum Hörbuch greifen!

3. Harald Kimpel, Helmut Plate (Hg.): documenta. Eine Bildgeschichte. Oktogon, 288 S., 40 Euro

Der opulente Bildband mit 20 repräsentativen Fotos für jede der 14 Ausstellungen macht nicht nur anschaulich, wie unterschiedlich seit 1955 Kunst inszeniert wurde, wie viele prägende, einflussreiche Künstler in Kassel zu Gast waren. Er zeigt auch, dass Idee und Geschichte der documenta größer sind, als es in den Querelen um das Defizit der d14 zum Ausdruck kommt.

Amira El Ahl (41), Redaktion Kreis Kassel

1. José Eduardo Agualusa: Eine allgemeine Theorie des Vergessens. C.H. Beck, 197 S., 19,95 Euro

Es ist eine unglaubliche und doch wahre Geschichte, die Agualusa in seinem neuesten Roman erzählt. Es ist die eines verpassten Lebens, für die der angolanische Autor in diesem Jahr den mit 100 000 Euro dotierten Literaturpreis International Dublin Literary Award gewonnen hat. Eine fantastische Geschichte, die bis zur letzen Seite fesselt.

2. Michaela Karl: Noch ein Martini und ich lieg unterm Gastgeber. Residenz, 281 S., 24,90 Euro

Michaela Karl beschreibt in dieser ersten deutschsprachigen Biografie über Dorothy Parker mit viel Humor das turbulente und unkonventionelle Leben dieser außergewöhnlichen Autorin, die in den 1920er-Jahren New York unsicher machte. Sie stritt mit Hemingway, soff mit Capote, und ihr scharfzüngiger Witz wurde Legende. Ein wunderbares Buch.

3. Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm. Reclam, 184 S., 4,20 Euro

Markante Kuppeln: Kurt Tucholsky hat Schloss Gripsholm im schwedischen Marienfred ein literarisches Denkmal gesetzt.

Ein trüber Herbsttag. Der Griff in den Bücherschrank und da steht dieses kleine Heftchen, und schon bei den ersten Zeilen geht die Sonne auf. So leicht, so direkt, so einfach und bestechend gut, dass man es nicht mehr aus der Hand legen mag. 1929 verbrachte Tucholsky mit seiner Freundin den Sommerurlaub nahe Schloss Gripsholm in Schweden. Der Aufenthalt inspirierte ihn zu dieser wundervollen Sommergeschichte über Gelingen und Scheitern der Liebe.

Claudia Brandau (53), Redaktion Fritzlar-Homberg

1. Maja Lunde: Die Geschichte der Bienen. btb, 509 S., 20 Euro

Dieses Buch lässt nicht nur Imker jubeln. Die Norwegerin Maja Lunde erzählt auf drei Zeitebenen packende Geschichten. Sie beschäftigen sich mit der Frage, warum die Bienen sterben – und was dann mit der Welt passiert. Könnte ein dröger belehrender Umweltreport sein. Ist aber ein großartiger Roman, dessen Szenen einem noch sehr lange durch den Kopf summen.

2. Thommie Bayer: Heimweh nach dem Ort, an dem ich bin. Piper, 158 S., 10 Euro

Wer keine Katzen mag, sollte die Finger von diesem Roman lassen. Vor allem dann, wenn er keine sprechenden Katzen mag. Ein solches Exemplar sorgt nämlich in Bayers Buch dafür, dass der Schriftsteller in der Krise zu Frieden und neuen Freunden findet. Liest sich leicht und schön. Klingt für Sie nach Kitsch? Vorsicht: Katzen sollte man nicht unterschätzen.

3. Ijoma Mangold: Das deutsche Krokodil. Rowohlt, 352 S., 19.95 Euro

Es gibt kaum ein aktuelleres Thema: Heimat. Mangold sucht als Kind in den 70ern händeringend eine. Die Mutter ist weiß, der Vater schwarz und noch dazu weit weg in Afrika: Der dunkelhäutige Junge braucht so sehr Struktur und Boden unter den Füßen, dass er ein Faible fürs Beamtentum entwickelt und Stempel sammelt. Eine anrührende Autobiografie des „Zeit“-Redakteurs ohne jedes Selbstmitleid.

Wolfgang Blieffert (64), Nachrichtenredaktion

1. John le Carré: Das Vermächtnis der Spione. Ullstein, 320 Seiten; 24 Euro

Der Großmeister des Spionageromans hat es mit 85 Jahren noch einmal getan: Im „Vermächtnis der Spione“ kehrt John le Carré zu seinen Anfangstagen als Schriftsteller zurück. Es geht wie immer bei ihm um Verrat und die ewig junge Frage, welche Mittel der Westen bei der Verteidigung seiner Werte einsetzen darf, ohne diese Werte preiszugeben. 50 Jahre danach geht es noch einmal um den „Spion, der aus der Kälte kam“ und die Hintergründe seines Tods an der Berliner Mauer. Das ist meisterhaft geschrieben.

2. John le Carré: Der Spion, der aus der Kälte kam. Ullstein, 288 S., 9,99 Euro

Deshalb schnell noch mal zu Le Carrés Klassiker gegriffen: Das Agentennetz von Alec Leamas in Ostdeutschland ist zerschlagen worden, nun wird der soziale Abstieg des britischen Spionagechefs inszeniert, um ihn in die DDR einschleusen zu können. Das ist spannend zu lesen wie beim ersten Mal vor einem halben Jahrhundert.

Wusstet ihr es? Der britische Schriftsteller John le Carré heißt mit bürgerlichem Namen David Cornwell.

3. Ernst Engelberg: Bismarck – Sturm über Europa. Siedler, 752 S., 39,99 Euro

Ein schwieriger Charakter, eine einzigartige Persönlichkeit, ein herausragendes Werk – und dennoch wurde er am Ende vom Hof gejagt: Otto von Bismarck. Seine größte Leistung war die Schaffung des Deutschen Reiches. Als der junge Kaiser ihn ablöste, ging es bergab mit Deutschland. Das ist bis in die Gegenwart ein höchst lehrreicher Stoff, meisterhaft erzählt vom 2010 gestorbenen Historiker Ernst Engelberg.

Daniel Göbel (30), Redaktion Schwalmstadt

1. Joachim Meyerhoff: Die Zweisamkeit der Einzelgänger. Kiepenheuer & Witsch, 352 S., 24 Euro

Mit diesem Teil schließt Meyerhoff seinen autobiografischen Romanzyklus. In gewohnt humorvoller und literarisch geschliffener Weise spricht Meyerhoff wieder Dinge an, die wir alle nur allzugut kennen. Geschichten, die das Leben erheitern, aber immer auch mit Schmerz.

2. Fatma Aydemir: Ellbogen. Carl Hanser, 272 S., 20 Euro

Schonungslos, authentisch und zu keiner Zeit anbiedernd, schildert die Autorin ein Leben zwischen den Kulturen. Die Protagonistin ist Hazal Akgündüz. Sie ist 17, in Berlin geboren. Ihre Eltern sind aus der Türkei eingewandert. Auf ihrer Suche nach Heimat begeht Hazal fatale Fehler. Erst ist es nur ein geklauter Lippenstift, dann stumpfe Gewalt. Als die Polizei hinter ihr her ist, flieht Hazal nach Istanbul, wo sie noch nie zuvor war.

3. Simon Strauß: Sieben Nächte. Blumenbar, 144 S., 16 Euro

Es ist Nacht, ein junger Mann sitzt am Tisch und schreibt. Er hat Angst. Davor, sich entscheiden zu müssen. Für eine Frau, einen Freundeskreis, einen Urlaubsort. Doch ein Bekannter hat ihm ein Angebot gemacht: Sieben Mal um sieben Uhr soll er einer der sieben Todsünden begegnen.

Tatjana Coerschulte (52), Nachrichtenredaktion

1. Julie von Kessel: Altenstein. Rowohlt, 428 S., 19,95 Euro

Seit längerer Zeit der erste Roman, den ich morgens schon vor dem Frühstück aufgeschlagen habe, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es mit Konrad von Kolberg weitergeht. Die Autorin, Schwester der Schauspielerin Sophie von Kessel, erzählt die Geschichte der Kolbergs wohl mit Anleihen an ihre eigene Familie. Mutter Agnes, tatkräftig und kaltblütig, flieht 1945 auf den letzten Drücker aus Ostpreußen -– mit zehn Kindern. Das Werden und auch Scheitern der Sprösslinge zeichnet die Autorin in klarer Sprache und einer geschickten Konstruktion nach. Unterhaltung, wie sie sein soll: kitschfrei, flüssig, spannend.

2. Jochen Arntz, Holger Schmale: Die Kanzler und ihre Familien. Wie das Privatleben die deutsche Politik prägt. Dumont, 272 S., 22 Euro

Ist Angela Merkel zu Hause ganz anders? Ist Gerhard Schröder mit vier Ehen ein Kind seiner Zeit, die er als Kanzler wiederum prägte? Die Autoren verknüpfen Zeitgeschichte und Biografien, ohne auf den Boulevard abzugleiten.

3. Ruth Hobday, Geoff Blackwell (Hrsg.): 200 Frauen – Was uns bewegt. Sandmann, 279 S., 35 Euro

Hier stimmen Optik und Inhalt: Schön gestalteter (schwerer) Bildband, in dem 200 Frauen aus der ganzen Welt je fünf persönliche Fragen beantworten wie „Was ist Ihnen wirklich wichtig?“. Enthält Überraschungen wie June Steenkamp, deren Tochter Reeva Steenkamp 2013 von Paralympics-Star Oscar Pistorius erschossen wurde.

Über 200 Frauen aus Lebensumständen, wie sie nicht unterschiedlicher sein könnten, beantworten Fragen - und liefern tiefe Einblicke.

Christina Hein (56), Redaktion Stadt Kassel

1. Robert Menasse: Die Hauptstadt. Suhrkamp, 459 S., 24 Euro

Allein die Tatsache, dass der österreichische Autor und diesjährige Träger des Deutschen Buchpreises, Robert Menasse, für sein Buch über die Europäische Kommission – diesen unbekannten Ort – vier Jahre lang in Brüssel recherchiert hat, macht sein kluges, mit leichter Hand geschriebenes Buch wertvoll und interessant.

2. Sy Montgomery: Rendezvous mit einem Oktopus. Mare, 336 S., 28 Euro

Haben Kraken, diese nur wenig ansprechend aussehenden Wassertiere, ein Seelenleben? Ja, sagt die Naturforscherin Sy Montgomery und schreibt über ihre bewegenden Begegnungen mit einem Oktopus. Mit ihrem Buch könnte sich (hoffentlich) die Sicht der Menschen auf Tiere grundsätzlich verändern.

3. Catherine Meurisse: Die Leichtigkeit. Carlsen, 144 S., 19,90 Euro

Beim islamistischen Anschlag auf die Redaktion der Satirezeitung „Charlie Hebdo“ am 7. Januar 2015 in Paris wurden zwölf Menschen ermordet. Die Zeichnerin Catherine Meurisse überlebte aufgrund eines Zufalls: Sie verschlief, weil sie Liebeskummer hatte. Wie nur kann ein kreativer Mensch dieses Trauma verarbeiten? Meurisse machte es mit einem anrührenden, in letzter Konsequenz sogar tröstlichen Comic.

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