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Stieg als erster Künstler mit zwei Songs auf die Spitzenplätze der Single-Charts ein: Der Brite Ed Sheeran.

Sommerhit „Despacito“ stellte Rekord von Boney M. ein

Rückblick auf das Pop-Jahr: Die Rückkehr des Zorns nach zu viel Seichtigkeit

2017 war das Jahr, in dem Jan Böhmermann mit einem Song die Charts stürmte, den der TV-Satiriker von Affen schreiben ließ. Trotzdem waren die letzten zwölf Monate tierisch stark. Unser Pop-Rückblick.

Die beiden Hits des Jahres locken auf eine falsche Fährte. Der Sommersong „Despacito“ von Luis Fonsi und „Shape Of You“ von Ed Sheeran – die beide von der Annäherung an das weibliche Geschlecht handeln – bestimmten zwar die Single-Charts, drücken aber nicht die Entwicklung des Musikjahres aus: 2017 hatte nach gefühlt endlosen Monaten des seichten Befindlichkeitspops der Bouranis, Forsters, Giesingers und Co. erstaunlich viele politische Texte zu bieten – von Kettcar, Joy Denalane, Moses Pelham, den Broilers und Casper zum Beispiel. Sie sangen an gegen das Abdriften nach rechts, mal zornig und mal voller zarter Wortgewalt. Doch niemand tat das deutlicher als Rapper Kendrick Lamar mit seinem Album „DAMN“. Überhaupt hielt das Jahr einige Überraschungen parat.

Rekord des Jahres

Ihm gelang etwas, was keinem Sänger zuvor gelang: Als erster Künstler stieg Ed Sheeran mit zwei Songs („Shape Of You“ und „Castle On The Hill“) auf die Spitzenplätze der Single-Charts ein. In über 30 Ländern war „Shape Of You“ Nummer eins, in Deutschland stand das Lied des Iren 15 Wochen an der Spitze.

Song des Jahres

„Despacito“ von Luis Fonsi war der Sommerhit des Jahres. 17 Wochen stand der Song in Deutschland an der Spitze der Single-Charts – damit stellt er den bis dahin gültigen Rekord von „Rivers Of Babylon“ von Boney M. ein. In Spanien war „Despacito“ sogar 26 Wochen auf Platz eins der Charts.

Sängerin des Jahres

Vor einigen Jahren fiel die Wahl noch schwer, weil sie die Musikwelt dominierten, die Gagas, Adeles, Mileys, Pinks, Perrys. 2017 war anders und gar nicht so Gaga. Okay, Pink ist mit „What About US“ ein Achtungserfolg gelungen, aber keine Überraschung. Und auch die Erfolge der anderen Chartheldinnen blieben überschaubar. Lediglich auf eine ist Verlass: Schlager-Königin Helene Fischer. Helene hier, Helene da. Ihr Album „Helene Fischer“ ist auf Platz eins der Albumcharts und auch 2018 scheint ihr Jahr zu werden – sie plant 69 Hallen-Shows.

Newcomer des Jahres

Die Neuentdeckungen in Deutschland sind weiblich: Die Sängerinnen heißen Lotte, Lea (stammt aus Kassel), Lina und Alina. Auf Nachnamen verzichten sie. Ihre zuckrigen Popsongs handeln von Liebe der Art „Beziehungsstatus: Es ist kompliziert“. Ihre Songs sind süß wie ihre Vornamen – damit kommen sie an. Taffer ist Antje Schomaker, die nicht nur einen Nachnamen hat, sondern auch Wortwitz.

Prozess des Jahres

Der 24. Juli 2010 in Duisburg verändert das Leben vieler Menschen für immer. Eltern verlieren ihre Kinder, Überlebende werden bis heute von ihren Albträumen verfolgt: Nach sieben Jahren Stille beginnt vor Gericht die Aufarbeitung der Loveparade-Katastrophe von Duisburg. Das Gericht soll klären, wer die Schuld für 21 Tote und 650 Verletzte bei der Techno-Party trägt. Und es steht enorm unter Zeitdruck – denn die Vorwürfe drohen nun zu verjähren.

Schrecken des Jahres

Davon gab es auch in der Popmusik einige: Ein Terrorist bombte sich im Mai in Manchester nach einem Konzert von Ariana Grande in Stücke – 22 Menschen starben mit ihm. In Las Vegas verloren im Oktober 58 Besucher eines Country-Festivals ihre Leben, weil ein Attentäter auf sie schoss. In Deutschland wurde „Rock am Ring“ nach einer Terrorwarnung unterbrochen.

Sorgenkinder des Jahres

Sie hießen Selena Gomez (25, „Fetish“) und Salvador Sobral (27). Gomez ist nach geglückter Nierentransplantation wieder zurück auf der Bühne. Noch erholen muss sich der ESC-Gewinner aus Portugal („Amar Pelos Dois“). Er hat ein neues Herz bekommen und hofft nun auf ein normales Leben.

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