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Das Atomkraftwerk Grohnde in der Gemeinde Emmerthal im Landkreis Hameln-Pyrmont (Niedersachsen). Der Atommeiler ist seit 1984 am Netz.

Jodtabletten für Kinder

Landkreise in der Sicherheitszone: Was tun beim Horror-Szenario Atom-Unfall? 

Viele Städte und Gemeinden in Nordhessen und Südniedersachsen liegen in der äußeren Sicherheitszone des Kernkraftwerks (KKW) Grohnde in Niedersachsen. Es wurde erst Mitte März wegen Terrorgefahr evakuiert.

Um das KKW gibt es eine innere Zone, die einen Durchmesser von 25 Kilometern hat. Einwohner würden bei einem radiologischen Zwischenfall (Störfall, Unglück, Anschlag) sofort zum Verlassen der Zone aufgefordert. Aber auch für die Menschen in der äußeren Zone (bis zu 100 Kilometer Entfernung) hätte ein Zwischenfall Auswirkungen.

Grundsätzlich wird unterschieden zwischen Zentral-, Mittel- und Außenzonen. Die Informationen lieferte das Regierungspräsidium und Uwe Wunsch, zuständig für den Katastrophenschutz beim Schwalm-Eder-Kreis.

Ein Zwischenfall gilt als sehr unwahrscheinlich. Wann gab es zuletzt ein besonderes Vorkommnis?

Mitte März wurde in einigen Kernkraftwerken Alarm ausgelöst. Zu einer Boeing 787 der Air India war der Funkkontakt abgebrochen. Insgesamt sind in Deutschland sieben der acht laufenden Meiler vom Alarm betroffen gewesen. Auch das AKW Grohnde wurde evakuiert.

Wurde auch der Schwalm-Eder-Kreis informiert?

Nein. Bei einem radiologischen Zwischenfall im KKW Grohnde informiert das zuständige Radiologische Lagezentrum des Landes Niedersachsen das Hessische Radiologische Lagezentrum beim Umweltministerium, welches dann über die Regierungspräsidien die betroffenen Landkreise und kreisfreien Städte bezüglich der radiologischen Lage berät. Von dort gibt es auch Handlungsempfehlungen für die zuständige Katastrophenschutzleitung. Diese ist bei den Landkreisen organisiert.

Was für Empfehlungen könnten das sein?

Eine Evakuierung von Städten und Gemeinden ist wegen der großen Entfernung nicht notwendig. In der Außenzone von Kraftwerken sollen aber nach Empfehlungen die Verteilung von Jodtabletten an unter 45-Jährige, die Warnung vor dem Verzehr bestimmter Lebensmittel und ein Messprogramm zur Ermittlung der Strahlenbelastung vorbereitet werden. Insbesondere Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sowie Schwangeren sollen mit Jodtabletten versorgt werden.

Betroffene Region: Rund um das Kernkraftwerk Grohnde in Niedersachsen gibt es Sicherheitszonen.

Woher bekommt die Bevölkerung die Jodtabletten?

Aktuell werden die Jodtabletten in acht Bundeszentrallagern vorgehalten. Von dort aus werden sie im Bedarfsfall an die Ausgabestellen transportiert und von dort ausgegeben. Beispielsweise sind das im Schwalm-Eder-Kreis die Räume, die sonst auch als Wahllokale genutzt werden. Der Bund möchte die Bundeszentrallager jedoch auflösen und die Tabletten den unteren Katastrophenschutzbehörden direkt zur Verfügung stellen. Informiert wird die Bevölkerung unter anderem durch Radiodurchsagen.

Wer verfügt im Landkreis über die notwendigen Geräte zur Strahlenmessung und was wird überprüft?

Das Umweltministerium macht die Vorgaben. Gemessen wird die Strahlenbelastung zum Beispiel in Sandkästen in Kindertagesstätten und auf Spielplätzen. Viele Wehren sind mit Mess- und Schutzausrüstung ausgestattet.

Welche Gefahren drohen der hiesigen Bevölkerung?

Die Menschen sind nicht betroffen von der sehr gefährlichen Gammastrahlung, die Gebäude und Körper durchdringt. Betroffen sind die Menschen aber von der Alpha- und Betastrahlung. Das ist eine Teilchenstrahlung, die über den Wind getragen werden kann. Gefährlich wird diese, wenn Kontaminiertes verschluckt wird. Das kann Obst und Gemüse sein, aber auch Sand in einem Sandkasten, der von Kindern in den Mund genommen wird.

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