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Besitzt den türkischen Pass: Emrah Kalkan von der FSG Gudensberg.

Clip der FSG Gudensberg wurde bereits 18.000 Mal angeklickt

Das Anti-Hass-Video dieses Fußball-Kreisligisten ist ein Volltreffer

Seit Jahren setzen sich Stars wie Mesut Özil in einem Video gegen Rassismus im Fußball ein. Nun haben Kicker der FSG Gudensberg den Clip nachgedreht - und damit einen kleinen Internet-Hit gelandet.

Was haben Barcelona-Legende Lionel Messi, Weltstar Christian Bale und der Gudensberger Lukas Fröhlich gemeinsam? Antwort: Alle eint ihr Engagement gegen Rassismus. Der Fußball-Kreisligist FSG Gudensberg hat ein viel beachtetes Video produziert, was seitdem in den Sozialen Medien für Gesprächsstoff sorgt.

Das Anti-Rassismus-Video der Gudensberger wurde originalgetreu umgesetzt. In den politischen Spots der Uefa sagen Spieler verschiedener Nationalitäten Nein zu Rassismus in ihren jeweiligen Landessprachen. Das können wir auch, dachte sich Fröhlich. Denn: „Ich habe einige Male mitbekommen, wie auf Sportplätzen rassistisch beleidigt wird. Da war Spaghettifresser noch die harmloseste Bezeichnung“, sagt Fröhlich. Der 21-jährige Spieler der zweiten Mannschaft machte das zum Thema einer Mannschaftssitzung, stellte seine Idee vor. Der Verein war begeistert.

Allerdings bediente sich Fröhlich eines Kunstgriffes. Denn einen ausländischen Pass hat tatsächlich nur ein Spieler der ersten und zweiten Mannschaft. Fröhlich selbst taucht als Erster im Video auf – als Ire. „Meine Urgroßeltern kommen von da“, sagt der angehende Industriekaufmann. Es folgt Pascal Hillebrand für die deutsche Seite. Dann rückt Robin Colella ins Bild, dessen italienische Abstammung vom Großvater herrührt. Carlos Rohmann steht für die spanische Seite. Seine Großeltern stammen aus dem südeuropäischen Land. 

Richard Wanner spricht Russisch, seine Eltern sind Russen, die in den 90er-Jahren nach Deutschland kamen. Arian Haijat steht für Afghanistan, aber nur seine Eltern sind dort geboren. Emrah Kalkan ist der einzige Spieler, der tatsächlich einen fremden Pass besitzt - einen türkischen. Zum Schluss überbringt Fabian Otto seine Botschaft auf Schwedisch. Seine Großeltern stammen aus Skandinavien.

„Es ging uns vor allem um die Idee, mit dem Thema auch die heimischen Sportplätze zu sensibilisieren. Wir sind eine junge Mannschaft und sehr weltoffen. Wir sehen, wie gespalten die Gesellschaft derzeit ist. Aber Mensch bleibt Mensch“, sagt Fröhlich, der sich extra einen sogenannten Greenscreen für das Video besorgte, mit dem der Hintergrund herausgefiltert wird. 

Der Clip, der auf Facebook und Instagram veröffentlicht wurde, schlug ein wie eine Bombe. Gut 18 000 Mal wurden die 76 Sekunden schon angeguckt. Vor allem andere Fußballvereine teilten das Video. Die Reaktionen waren ausschließlich positiv. „Mit so einer Resonanz hätte ich nie gerechnet“, sagt Fröhlich. Videoproduktionen sind für das vierköpfige Medienteam der Gudensberger keine Neuheit, aber der erste virale Hit gelang erst jetzt.

Hat irische Urgroßeltern: Initiator Lukas Fröhlich.

Was zugleich den Ansporn für das Saisonabschlussvideo darstellt. „Wir wollen mit unseren beiden Mannschaften aufsteigen. Dafür müssen wir uns videotechnisch auch noch was überlegen“, erklärt Fröhlich.

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