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Gemüse für Mitglieder: Wie zwei junge Familien eine solidarische Landwirtschaft gründen

Frisches Gemüse vom Acker direkt in die Küche, ökologisch angebaut in einer gemeinschaftlich getragenen Landwirtschaft: In Strothe gründen zwei junge Familien auf dem Falkenhof eine solidarische Landwirtschaft.

Die solidarische Landwirtschaft (SoLawi) ist die erste ihrer Art in Waldeck-Frankenberg. Das Ziel der Falkenhofer Landwirte: Den Menschen, die sich mit ihnen zusammenschließen, das volle Gemüsesortiment mit 45 Gemüsekulturen saisonal übers Jahr zu bieten – von der Frühlingszwiebel bis zum Wintersalat. Auch Gewächshausfrüchte wie verschiedene Tomatensorten gehören dazu. 

Dazu haben sie eine Kooperation mit dem Biogarten Flechtdorf und dem Naturschutzbund Korbach vereinbart. Wenn alle hofeigenen Flächen ausgepachtet sind, wollen sie auch Getreide anbauen. Gemeinsam mit anderen ökologisch wirtschaftenden Betrieben sei später eine Vollversorgung denkbar. 

Arbeiten solidarisch: (von links) Moritz Wintzer-Brandt mit Marisol und seiner Frau Jenny Wintzer, Carolin Müller und Jens Weidemann mit Matteo vor dem Falkenhof.

Aber so weit es ist noch nicht: „Im Frühling starten wir mit dem Anbau von Gemüse auf drei Hektar, insgesamt werden uns später 24 Hektar zur Verfügung stehen. Angebaut wird alles nach ökologischen Kriterien, wir sind gerade in der Umstellungsphase. Mit 25 Gemüsekulturen beginnen wir“, erklärt Jens Weidemann.

Seine Großeltern betrieben auf dem Hof einst Milchviehwirtschaft und Ackerbau, seine Eltern gaben die Landwirtschaft später auf. Weidemann hatte eigentlich einen ganz anderen Weg eingeschlagen – bis er die Landwirtschaft neu entdeckte „und mir bewusst wurde, welch großes Glück es ist, gerade in der heutigen Zeit Haus und Hof bewirtschaften zu können auf eine Art, die meinen Vorstellungen gerecht wird“, erklärt er. 

Der 33-Jährige sattelte um, absolvierte eine landwirtschaftliche Lehre und fand Mitstreiter: Carolin Müller (27), die noch Ökologische Landwirtschaft studiert, sowie Moritz Wintzer-Brandt (34) und seine Frau Jenny Wintzer (31), die beide das Studium der Ökologischen Landwirtschaft absolviert haben. Gemeinsam wollen sie in Strothe auf dem Falkenhof ihren Traum verwirklichen von einem nachhaltigen, respektvollen Umgang mit Erde, Pflanzen und Tieren und einem naturverbundenen Zusammenleben. 

„45 Mitglieder können im ersten Jahr aufgenommen werden“, erklärt Jenny Wintzer. Ab Juni beginnt die Ernte und damit auch die Ausgabe an die Mitglieder. „Im Sommer kann das taufrisch geerntete Gemüse zwei Mal die Woche abgeholt werden, im Winter einmal die Woche“, erklärt Carolin Müller. Gesetzt wird auf samenfeste und standortgerechte Sorten mit Geschmack. Die Falkenhofer erhoffen sich auch neue Bekanntschaften und freuen sich auf „die Möglichkeit, Landwirtschaft erfahrbar zu machen“, sagt Jenny Wintzer: „Alle zwei Wochen laden wir zu Arbeitstagen ein und die Ernten sollen mit Festen verbunden werden – etwa einem Kartoffelfest.“

Solidarische Landwirtschaft: Regional, saisonal und gemeinsam

SoLawi ist eine Art kleinbäuerliche Landwirtschaft, in der eine Vereinbarung zwischen einer Gruppe von Verbrauchern und den Landwirten getroffen wird: Der Hof ernährt sie alle, und sie teilen sich dafür die damit verbundene Verantwortung, die Kosten, das Erleben und die Arbeit sowie das Risiko. Die Mitglieder zahlen einen bestimmten Betrag monatlich und erhalten dafür eine bestimmte Menge an Gemüse. Es soll unterschiedlich große Anteile für Singles und für Familien geben, erklärt Moritz Wintzer-Brandt. 

Darüber hinaus bieten Solidargemeinschaften die Möglichkeit, auf dem Hof mitzuarbeiten – freiwillig oder verpflichtend, je nach individueller Absprache. In der Regel treffen die Landwirtinnen und Landwirte die Entscheidungen rund um den Anbau und berechnen den Etat, alle anderen Entscheidungen werden gemeinsam besprochen; der Wirtschaftskreislauf wird den Mitgliedern transparent dargestellt. 

Mitglieder erhalten frische, saisonale Lebensmittel von hoher Qualität, wissen, wie und wo sie produziert werden, sichern Ackerland und kleinbäuerliche Strukturen, lernen viel über Anbau. Landwirte erhalten Planungssicherheit und ein gesichertes Einkommen.

Falkenhofer-Konzept

Ihr SoLawi-Konzept stellen die Falkenhofer am Samstag, 18. März, um 10 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus in Strothe vor, und am Donnerstag, 23. März, um 19.30 Uhr im Korbacher Bürgerhaus.

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