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Feinarbeit auf dem Green: Beim Golfclub Hardenberg sind die Head-Greenkeeper Claas Balssen (vorn) und Vitali Iskam (rechts) verantwortlich. Platzwart Ferdinand Graf von Hardenberg ist fast immer vor Ort. Für die Pflege der drei Anlagen mit 42 Bahnen sind 17 Mitarbeiter zuständig, die über einen Fuhrpark mit 70 selbstfahrenden Maschinen verfügen.

Golfclub Hardenberg

Grüne Kunst für Golfer: So klappt die Rasenpflege ohne Handicap

Die Pflege des Greens auf dem Golfplatz, also des Teils, auf dem der Ball am Ende einer Bahn ins Loch geschlagen werden muss, ist eine Wissenschaft für sich. Der Golfclub Hardenberg beschäftigt allein 17 Mitarbeiter dafür. Aus gutem Grund. 

Die Pflege des Golfplatzes und speziell der Greens ist eine komplizierte Sache, die ausschließlich Fachleuten vorbehalten ist. Damit dürfte auch geklärt sein, warum Präsident Uli Hoeneß vom FC Bayern München Rekordnationalspieler Lothar Matthäus in seiner legendären Aussage selbst dieses Amt verweigerte.

Der Golfclub Hardenberg, der permanent unter den zehn besten Anlagen Deutschlands zu finden ist, beschäftigt für die Pflege insgesamt 17 Mitarbeiter, darunter zwei Head-Greenkeeper.

Das sind Claas Balssen (36) aus Northeim und Vitali Iskam (44) aus Göttingen. Beide haben eine jahrelange und intensive Ausbildung absolviert. Sie kennen quasi jeden Grashalm auf den beiden 18-Loch-Plätzen (Göttingen Course und Niedersachsen Course) und dem Public-Course mit sechs Bahnen bei Levershausen persönlich. Beide verstehen nicht nur ihr Handwerk, sie können auch mit dem Schläger umgehen – Claas Balssen so gut, dass er seit 2004 mit 67 Schlägen (fünf unter Par) auf dem Göttinger Course den Platzrekord innehat.

Präzision: Hier ermitteln Balssen (hinten) und Iskam die Ballrollgeschwindigkeit.

Staunen und Schwärmen

Wer erstmals ein Green betritt, verfällt zwangsläufig ins Staunen und Schwärmen und bezweifelt, dass es sich bei dieser glatten und dichten Fläche wirklich um Rasen handelt. Sie erinnert eher an einen Teppich oder Kunstrasen, ist aber Natur pur.

Die drei Plätze des Golfclubs Hardenberg haben eine Fläche von 180 Hektar, alle Greens zusammen drei Hektar. Die Greens sind zwischen 500 und 1000 Quadratmeter groß und ganz speziell aufgebaut. Unter dem Spezialrasen wie Agrostic stolonifera oder Festuca rubra bildet sich ein Filz aus dem Wurzelwerk, darunter befinden sich eine Rasentragschicht und eine Drainageschicht aus Kies. Der ganze Aufbau ist 50 bis 60 Zentimeter hoch.

Das Green wird übrigens gesät und nicht als Fertigrasen ausgerollt. Die genannten Sorten haben laut Vitali Iskam 17 000 Samen pro Gramm, das Kilo kostet 27 Euro.

Die Rasenpflege kommt einer Kunst gleich, die spezielle Mäher erfordert. Die kosten in den teuersten Ausführungen bis zu 100 000 Euro und schneiden auf den Millimeter genau. Das Green ist meist drei, 3,5 oder vier Millimeter hoch, während das Gras auf der übrigen Bahn drei bis vier Zentimeter misst.

Ob die Golfspieler ein gutes Ergebnis erzielen, entscheidet sich selten beim Abschlag, sondern fast immer beim Einlochen. Die Greenkeeper, die jeden Morgen ab 6 Uhr, vor Turnieren auch schon mit Flutlicht ausgestattet ab 3 Uhr im Einsatz sind, sorgen dort durch ihre Spezialpflege für ideale Voraussetzungen. Die Greens werden täglich gemäht oder gerollt, regelmäßig gedüngt und mit Nährstoffen versehen oder mit einer weiteren Spezialmaschine gelüftet. Die gesamte chemisch-biologische Zusammensetzung wird elektronisch gespeichert.

Da muss der Ball rein: Hier ist die äußerst feine Struktur des Spezialrasens gut zu erkennen. Das Green fühlt sich an wie ein Teppich.

Jeden Tag wird auf den Greens ein neues Loch gestochen, damit die Spieler keine ausgefransten Ränder vorfinden. Mit Hilfe einer Spezialschiene, einem Stintmeter, aus der sich bei einem bestimmten Neigungswinkel ein Golfball löst, wird sogar die Rollgeschwindigkeit des Balls auf dem Rasen ermittelt.

Für die Spieler ist die von großer Bedeutung. „Die wirklich guten Golfer können das Green lesen“, sagt Claas Balssen. „Die sehen genau, ob sie das Loch gerade oder im Bogen anspielen müssen.“

Platzwart Ferdinand Graf von Hardenberg weiß, dass er sich zu 100 Prozent auf sein Team verlassen kann. Das muss er auch, denn im September richtet der Club zum wiederholten Mal die Deutsche Meisterschaft der Golfer aus. „Da muss alles stimmen!“

Das bietet der Golfclub Hardenberg

Der Golfclub Hardenberg verfügt über drei Golfplätze mit 42 Löchern. Es handelt sich um eine Fünf-Sterne-Anlage, auf der regelmäßig die Deutschen Meisterschaften ausgetragen werden.

Der Club hat aktuell um die 1300 Mitglieder. Die Zahl hat sich nach dem Bau des zweiten 18-Loch-Platzes, dem Niedersachsen Course, schlagartig erhöht. Beheimatet ist dort die Golfschule von Stefan Quirmbach, der sowohl Anfänger als auch Profis unterrichtet.

Neumitglieder zahlen im ersten Jahr monatlich 75 Euro, eine Aufnahmegebühr wie in früheren Jahren gibt es nicht mehr. Die Monatsgebühr danach bewegt sich um die 100 Euro.

Golfer, die eine Runde auf den großen Plätzen spielen wollen, zahlen je nach Wochentag und Tageszeit ein so genanntes Greenfee zwischen 40 und 78 Euro. Auf dem Public Course kann man schon ab zehn Euro spielen. 

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