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Logo der Facebook-Seite „Das Oenning'sche Fußballprinzip“.

Fußballverrückte Studenten aus Waldeck-Frankenberg haben mehr als 10.000 Fans

Macher von Satire-Fußball-Seite: "Ein Grottenkick ist uns lieber als RB Leipzig"

Die Facebook-Seite „Das Oenning'sche Fußballprinzip“ zeigt, wie großartig der Bundesliga-Fußball der 90er und 2000er war. Ausgedacht haben sich das drei Studenten aus dem Kreis Waldeck-Frankenberg.

Mit ihrer satirischen und manchmal auch einfach nur herrlich albernen Fußballseite “Das Oenning`sche Fußballprinzip” sorgen drei Studenten aus Waldeck-Frankenberg auf Facebook für beste Unterhaltung. Die Seite ragt positiv heraus aus dem vielen Unsinn, den man ansonsten von Facebook jeden Tag angezeigt bekommt. Das zeigen auch die mehr als 10.000 Gefällt-mir-Klicks. Wer sie sind, wollen die drei Studenten nicht öffentlich sagen. Ihnen geht es nicht um sich, sondern um die Inhalte der Seite. Und auf der dreht sich ganz viel um den Bundesliga-Fußball der 90er und 2000er. Warum der oft interessanter ist als der heutige und wieso sie auf ein Angebot von Red Bull warten, haben uns die drei im Interview verraten.

Was steckt hinter dem Oenning'schen Fußballprinzip?

Die Idee hinter unserer Seite ist, Erinnerungen an Spieler zu wecken, die längst vergessen sind. Natürlich kann sich jeder an Jens Lehmann, Michael Ballack oder Bernd Schneider erinnern. Namen wie Rade Prica, Godfried Adoube oder Tomislav Piplica sind hingegen nicht mehr so präsent, was daran liegt, dass sie einfach nicht diesen Erfolg hatten. Dennoch verbindet man irgendwelche Geschichten mit ihnen, sei es, dass man ihr Panini-Bildchen gefühlt 50 Mal doppelt hatte, dass sie nahezu immer ins Toraus gedribbelt sind oder sagenhafte Eigentore produziert haben.

Und wie seid ihr darauf gekommen, aus dem Thema eine Facebook-Seite zu machen? Und vor allem: Wie kam es zu diesem Namen?

Die Entscheidung, eine Facebook-Seite zu erstellen, kam uns vor zwei Jahren spontan beim Fußballschauen. Die Bezeichnung „Das Oenning’sche Fußballprinzip“ entstand hingegen schon Jahre zuvor – auch vor dem Fernseher – als der HSV unter seinem damaligen Trainer Michael Oenning mal wieder Gurkenfußball vom Feinsten ablieferte. Danach wurde dieser Begriff zum geflügelten Wort – ist aber keineswegs als Affront gegen Herrn Oenning zu werten: Wir schätzen ihn ob seiner sympathischen Art.

In euren Beiträgen geht es vor allem um den Bundesliga-Fußball der 90er und 2000er. War der interessanter als heute?

Fußballerisch war der damalige Fußball mit Sicherheit nicht auf dem heutigen Niveau. Allerdings gab es damals einfach noch andere Spielertypen. Ein Effenberg, Basler oder Kahn wären für das heutige Fußballgeschäft schlichtweg untauglich, weil sie offen ihre Meinung rausposaunt haben und eben nicht das wiederholt haben, was der Pressesprecher eingetrichtert hat. Der Marketingaspekt ist heutzutage einfach wichtiger für die Vereine als ein authentisches Auftreten der Spieler. Auch wenn es damals vielleicht schon nicht mehr so romantisch war, wie wir es retrospektiv wahrnehmen: Ein Grottenkick um 15.30 Uhr am Samstag zwischen Kaiserslautern und 1860 ist uns lieber als ein Topspiel zwischen RB Leipzig und Hoffenheim mit 100 Auswärtsfans.

In einem eurer jüngsten Beiträge zählt ihr „die 100 besten Filme aller Zeiten“ auf – gespickt mit Fußballernamen, darunter „Fack ju Götze“, „Chandlers Liste“ und „Kevin Kuranyi allein zu Haus“. Wie kommt ihr auf sowas?

Wir würden es als hoch explosive Mischung aus einem riesigen Fußballinteresse, nostalgischer Veranlagung und einem Hauch Kreativität bezeichnen. Natürlich hat dieser Beitrag mehr Zeit gekostet als manch anderer. Aber wer würde nicht gerne mal Quentin Tarantinos Meisterwerk ,,Inglourious Bastürks’’ im Kino sehen oder bei Netflix die neuen Folgen von ,,How I Metzelder Your Mother’’ anschauen?

Ihr spielt gern mit Spielernamen. Wer sind in dieser Hinsicht eure Lieblingsspieler aus der Bundesliga-Geschichte und warum?

Die ehemaligen Frankfurter Jean-Clotaire Tsoumou-Madza und Rolf-Christel Guié-Mien stehen wegen ihrer Namen hoch im Kurs. Allerdings darf man auch die Torwartlegenden Jan Koller und Michael Tarnat sowie den Schalker Edelstürmer Edi Glieder nicht vergessen.

Namensgeber: Der ehemalige HSV-Trainer Michael Oenning betreut heute den ungarischen Erstligisten Vasas Budapest.

Trotz aller Nostalgie haben eure Beiträge oft auch aktuellen Bezug. An Silvester habt ihr nachmittags gepostet: „An die, die schon böllern: Es ist noch koan Neuer!“ Welche aktuellen Bundesligaspieler haben derzeit das größte Potential, auf eurer Seite zu landen?

Derzeit sind Geringverdiener Sandro Wagner, Schwalbenkönig Timo Werner und Skandalnudel Max Kruse immer einen schlechten Witz wert.

Eure Facebook-Seite hat mehr als 10.000 Abonnenten. Die Leute erwarten natürlich etwas. Wie schafft ihr es, die Seite aktuell zu halten und immer neue gute Beiträge zu posten?

Unser ursprüngliches Ziel war es, elf Abonnenten zu erreichen. Das haben wir nach ein paar Tagen dann vorsichtig ein wenig hochkorrigiert. Mittlerweile haben wir eine sehr aktive Leserschaft, die uns durch ihre Kommentare, Nachrichten und Bilderzusendungen immer wieder auf neue Ideen bringt. Danke dafür!

Satire ist derzeit gefragt – siehe „Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs“, „Der Postillon“ oder die „heute-show“. Habt ihr schon mal daran gedacht, mehr aus euren Ideen zu machen als nur eine Facebook-Seite?

Bislang machen wir das Ganze komplett werbefrei. Wir haben viel Spaß daran und das ist die Hauptsache. Was sich daraus entwickelt, bleibt abzuwarten, aber einen Plan haben wir nicht. Käme jetzt natürlich ein österreichischer Energydrink-Hersteller um die Ecke und würde uns ein paar Mark auf die Kralle geben, dann würden wir selbstverständlich nicht lange zögern.

Am 20. Januar geht die Bundesliga weiter mit Bayern gegen Freiburg. Gewinnen die Freiburger wieder 5:1 wie 1994 mit Rodolfo Cardoso? Das wäre doch im Sinne des Oenning`schen Fußballprinzips, oder?

Ganz besonders im Sinne des Oenning'schen Fußballprinzips wäre es, wenn Rodolfo Esteban Cardoso selbst auf dem Platz stehen würde. Ansonsten haben wir bei dem Spiel auf Grund des Kicker-Managerspiels ganz unterschiedliche Interessen. Leider hat niemand von uns Alexander Iashvili, Levan Kobiashvili, Levan Tskitishvili oder Tobias Willi vom Sportclub in seinem virtuellen Kader.

Zur Person

Die drei Macher der Facebook-Seite „Das Oenning'sche Fußballprinzip“ wollen anonym bleiben. Uns haben die Jungs, die alle um die 20 Jahre alt sind und aus Waldeck-Frankenberg kommen, immerhin so viel über sich verraten: „Wir studieren allesamt unnötige Fächer, mit denen man voraussichtlich sowieso keinen Job bekommt. Vielleicht sollten wir lieber Sportjournalismus studieren. Und eines kann man noch preisgeben: Wir haben genauso viele Länderspiele wie Fußballgott Alex Meier, Kugelblitz Ailton und der weiße Brasilianer Ansgar Brinkmann.“

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