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Instrument für die Jüngsten: Viele Kinder müssen das Spielen auf der Blockflöte lernen. Genauso viele geben es aber auch wieder auf.

Das Gefühl für die richtige Luftmenge ist wichtig

Zum Tag der Blockflöte: Warum das Instrument besser ist als sein Ruf

Sie bedeutet Kindheit und hat einen schlechten Ruf: die Blockflöte. Zum Tag der Blockflöte erklärt Musiklehrerin Christine Sturm-Kunert, dass das Instrument mehr sein kann als Pusten und Prusten.

Der Weg zu einem Leben mit Musik beginnt meist mit einem Stück Holz. Es kostet nur wenige Euro und gilt als Einstiegshilfe in die Welt der Instrumente. In den meisten Fällen landet sie aber schon nach kurzer Zeit wieder in der Schublade. Blockflöten sollen zwar einen pädagogischen Mehrwert besitzen. Wirklich gern denkt aber wohl niemand an seine Blockflöten-Zeit zurück. Denn so richtig schön klingt sie erst, wenn man lange genug übt. Gefeiert wird die Blockflöte dennoch seit bereits zehn Jahren. Ins Leben gerufen wurde der Ehrentag von einem Online-Portal. Warum dafür ausgerechnet der 10. Januar ausgewählt wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Bis Schüler das Instrument richtig spielen könnten, dauere es etwa zwei Jahre, sagt Christine Sturm-Kunert von der Musikschule Tastenhüpfer in Schenklengsfeld. "Viele vergessen, dass die Blockflöte ein Blasinstrument ist. Die richtigen Griffe allein reichen nicht, man muss auch ein Gefühl für die richtige Luftmenge entwickeln." Schüler müssten lernen, wo die Luft zum Spielen herkomme, dass auch Zwerchfell und Zunge eine wichtige Rolle spielen, sagt Sturm-Kunert. Diese Phase erreichen aber viele überhaupt nicht und glauben, die Blockflöte könne nicht besser klingen. 

Christine Sturm-Kunert

Für viele ist und war die Blockflöte das erste Instrument. Denn mit der Blockflöte könne man relativ schnell einen Ton erzeugen, erzählt die Musiklehrerin. Die Griffe seien einfach zu erlernen und das Spielen sei körperlich nicht so anstrengend wie bei anderen Blasinstrumenten. "Das Spielen führt recht schnell zu einem Erfolgserlebnis, das ist für Kinder hilfreich." Diese Einfachheit sei Segen und Fluch zugleich: Zwar würden viele mit diesem Instrument beginnen. Deshalb sei sie aber oft unterschätzt. 

Dabei kann auf der unscheinbaren Blockflöte fast alles gespielt werden - von mittelalterlicher Musik über Jazz bis hin zu Popmusik. Wird sie von Könnern gespielt, wird aus dem schiefen Pusten und Prusten bald ein Pfeifen und Flüstern. 

Wer über seine Kindheit hinaus Blockflöte spielt, tut dies wohl aus Liebe zum Instrument und seinem Klang. Eine, die die Blockflöte sogar studiert hat, ist Dorothee Oberlinger. Ins verstaubte Bild, das viele von Blockflöten-Spielern haben mögen, passt sie nicht: Die 47-Jährige gilt als die Königin der Blockflöte. Mit dem von ihr gegründeten Ensemble 1700 zeigt sie wie zart die Blockflöte klingen kann. Das Spielen hat für sie "etwas therapeutisches". Im Konzert "bin ich in den besten Momenten nur bei der Musik und bei mir, bin völlig konzentriert - und sozusagen ganz", sagte Oberlinger 2015 in einem Interview.  Fast jeden Tag würde irgendwo auf der Welt etwas Neues für die Blockflöte komponiert, sagt Oberlinger. "Für manche Stücke, die nur ein paar Minuten dauern, brauchst du ein ganzes Jahr, um sie zu lernen." 

Dorothee Oberlinger

Mit einer günstigen Holzblockflöte gibt sich die Künstlerin, die seit 2009 die Barockfestspiele in Bad Arolsen verantwortet, nicht zufrieden. Mehr als 100 Instrumente soll sie besitzen - in allen Größen und Farben. Die teuerste Blockflöte soll angeblich 3.500 Euro kosten. Und wenn Oberlinger die spielt, ist da mehr als Pusten und Prusten zu hören.

Geschichte und Aufbau der Blockflöte

Die ersten Blockflöten gab es bereits in der Steinzeit – in Form von Knochenflöten. Im asiatischen Raum wurden vor allem Bambusflöten gespielt. „In Hohlhölzer wurden Löcher geschnitzt und dann wurde ein Block als Mundstück eingesetzt“, erklärt Sturm-Kunert. Ihre Hochzeit erlebten Blockflöten in der Renaissance und etablierten sich als ganze Instrumentenfamilie durch alle Tonlagen hindurch. Die Blockflöte gilt als Gemeinschaftsinstrument. Das bedeutet, sie klingt zusammen mit anderen Blockflöten oder Instrumenten besonders schön.

Die Blockflöte ist eine Längsflöte, die zu den Holzblasinstrumenten zählt. Sie ist meist dreiteilig und besteht aus Kopf-, Mittel- und Fußstück. Alle drei Teile einer Blockflöte bilden zusammengesteckt eine Röhre. Wegen der Form des Mundstücks zählt das Instrument zu den Schnabelflöten. Die einzelnen Teile werden mit einer leichten Drehung über Zapfen zusammengesteckt. Die Zapfen sind als Dichtung mit einem gewachsten Faden umwickelt oder haben einen Korkring. Der Ton wird über den hölzernen Block im Kopfstück erzeugt, der nur eine enge Spalte frei lässt – den sogenannten Kernspalt. Dieser Block ist auch Namensgeber der Blockflöte. 

Das Mittelstück hat meist sieben Grifflöcher auf der Vorderseite und eines auf der Rückseite: das Daumenloch, auch Überblasloch genannt. Bei größeren Blockflöten werden die meisten Tonlöcher wegen ihrer großen Abstände mit Klappen geschlossen. Das Fußstück, der sogenannte Schallbecher, ist unten offen. Der Windkanal der Flöte geht vom Loch im Fußstück bis zum Block im Kopfstück. Er ist bei einfachen Schulblockflöten weit und rechteckig gestaltet, bei Solistenflöten meist gebogen und enger gefertigt. 

Autor

Lara Thiele

Lara Thiele

Geboren 1993 in Kassel und dort auch aufgewachsen. Nach meinem Studium der Medienwissenschaft in Marburg erkunde ich seit September 2016 als Volontärin die HNA-Landschaft. Nicht nur beruflich, auch private lese ich gern und viel.

E-Mail:lth@hna.de

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