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Aus der Frühzeit der Herkulesbahn: Die Aufnahme entstand zu Beginn des 20. Jahrhunderts an der Strecke in der Nähe des Palmenbades in Wilhelmshöhe. 

Erst Güterzüge, dann Personenverkehr: Die Herkulesbahn war legendär

Die Herkulesbahn in Kassel ist ein Stück Geschichte. Bis 1966 wurde der Verkehr eingestellt - obwohl es damals Proteste gab. Ein Rückblick in die Vergangenheit.

Die Sonderstellung, die der Herkules für Kassel einnimmt, wird auch im öffentlichen Nahverkehr deutlich. Seit einigen Jahren gibt es zwar zum Beispiel die Helleböhnlinie und die Lossetalbahn, die neben einer Liniennummer auch einen geografischen Namen haben. Die Herkulesbahn, die nach dem bekannten Bauwerk im Bergpark benannt wurde, war aber einmalig. Das galt auch für die emotionale Bindung der Nutzer.

Als die Herkulesbahn am 11. April 1966 trotz vieler Proteste eingestellt wurde, war der Andrang bei der letzten Fahrt enorm. Die Kasseler Verkehrsgesellschaft musste Zusatzwagen einsetzen, entlang der gesamten Strecke winkten die Menschen der Bahn hinterher. Mit Tannengrün und Weidenkätzchen geschmückt machte sich die Herkulesbahn zum letzten Mal auf den Weg hinauf zu Kassels Wahrzeichen - dem Herkules. Nach über sechs Jahrzehnten kam das Aus für die beliebte Schienenverbindung.

Die letzte Fahrt der beliebten Herkulesbahn: Das Foto stammt vom 11. April 1966.

Das war für Kassel eine untypische Entwicklung, denn im Gegensatz zu anderen Städten hatte man hier immer auf die Straßenbahn gebaut. Doch in diesem Fall setzte sich die Bundeswehr durch, die mehr Platz auf der Druseltalstraße beanspruchte. Auf dem Weg zum Übungsplatz im Habichtswald störte der Verkehr der Herkulesbahn. Zudem war der Stadt die Strecke zu teuer. Busse sollten die Menschen in Zukunft hinauf zum Herkules bringen.

Basaltabbau im Kasseler Druseltal: Bis ins Jahr 1961 rollte der Güterverkehr auf den Schienen der Herkulesbahn. Die Aufnahme entstand in den 1930er-Jahren.

Das Aus für die Herkulesbahn war das Ende einer traditionsreichen und sehr beliebten Verbindung. Ab 1902 transportierte die Bahn zunächst die im Habichtswald geförderte Braunkohle und den Abbau der vielen Steinbrüche. Der Personenverkehr startete ein Jahr später. Insbesondere am Wochenende war der preiswerte Ausflug mit der Herkulesbahn eine Attraktion. Wintersportler (Langläufer und Skifahrer) nutzten die Verbindung hinauf zum Hohen Gras, Kassels Hausberg.

Initiator für den Betrieb der Bahn war der Kasseler Industrielle Gustav Henkel. Die erste Haltestelle in Wilhelmshöhe war das Palmenbad. Die frühere Station an der Kurhausstraße blieb zumindest teilweise erhalten. Das sanierte Gebäude wird als Hotel und Café genutzt.

Die erste Verbindung führte vom Palmenbad entlang der Dönche und über die Druseltalstraße in Richtung Herkules. Eine Erweiterung gab es ab dem Jahr 1909. Vom Kirchweg kamen die Fahrgäste in 30 Minuten bequem zum Herkules. 1911 folgte die Zweigstrecke von der Druseltalstraße über die heutige Konrad-Adenauer-Straße zur Gartenstadt Brasselsberg.

Auf dem Weg zum Druseltal: Ab dem Jahr 1903 fuhr die Herkulesbahn im Personenverkehr.

Das Schienennetz der Herkulesbahn wuchs weiter. Ab 1917 wurde ein Abzweig zum Hohen Gras gebaut. Daran hatten die Betreiber der Zeche Roter Stollen sowie der Zeche Herkules für den Gütertransport großes Interesse. Die Herkulesbahn übernahm den Transport der Kohle und transportierte in Personenwaggons Ausflügler zum Hohen Gras.

Nach dem Krieg ging es zunächst mit dem Güterverkehr bergab. Der wurde 1961 ganz eingestellt. Dem Ende des Personenverkehrs mit der Herkulesbahn im Jahr 1966 trauern heute noch viele Menschen nach. Mittlerweile gibt es Bestrebungen, die Linie mit neuen Schienen und modernen Fahrzeugen wiederzubeleben.

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