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Ein Turm mit Geschichte: Wilhelm Hein vor dem Hexenturm, in dem viele Menschen gefangen gehalten wurden.  

Sagenhafte Orte

Der Hexenturm in Frankenberg: Keiner hörte die Opfer schreien

Sie sind ein bisschen unheimlich und gruselig – Orte, um die sich Sagen und Mythen ranken. Einer dieser Orte ist der Hexenturm in der Frankenberger Altstadt. Hier wurden Menschen inhaftiert, die der Hexerei angeklagt waren.

Finsternis, Kälte, Nässe, den nahezu sicheren Tod vor Augen – dem waren die Gefangenen zur Zeit der Hexenverfolgungen im 17. Jahrhundert im Hexenturm in Frankenberg ausgesetzt. Denn dort, hinter drei Meter dicken Wänden, wurden Menschen gefangen gehalten, die der Hexerei angeklagt waren.

„Hier konnten sie so laut schreien, wie sie wollten. Keiner hat sie gehört“, sagt Wilhelm Hein. Er ist Stadtführer in Frankenberg und kennt sich aus in der Geschichte der Stadt. Der Hexenturm ist eine Station bei seinen Führungen. Was sich an diesem Ort abgespielt hat, ist mehr als ein Schauermärchen, denn Hexenverfolgungen hat es in Frankenberg wirklich gegeben.

„Hier konnten sie so laut schreien, wie sie wollten. Keiner hat sie gehört.“ Wilhelm Hein, Stadtführer

Erbaut wurde der Turm bereits im 13. Jahrhundert jedoch ursprünglich als Wachturm. Er war einer von 20 Türmen, die Teil der Stadtmauer von Frankenberg waren. Diese dienten dem Schutz, denn auf ihnen waren die Wachen postiert.

Der heutige Hexenturm habe dabei eine besonders wichtige Rolle gespielt, erzählt Hein. Denn vom Ausguck des Turms hatte man einen guten Blick auf das Land hinab und konnte feindliche Truppen schon früh erspähen.

Als einzig erhalten gebliebener Turm der Stadtbefestigung, hier ein Foto aus der Zeit um 1900, erinnert Frankenberger Hexenturm an Hexenverfolgungen in unserer Region. Die eigentlichen Prozesse gegen die denunzierten Frauen fanden aber vor dem peinlichen Halsgericht in Marburg statt.

Vier Jahrhunderte später wurde der Wachturm zu einem Gefängnis umfunktioniert. Durch die untere Tür kann man den Turm heute leicht betreten. Früher ging es für die Gefangenen durch die obere Tür und eine Leiter hinab in ein dunkles Loch.

Im Inneren des Turms sind heute einige wenige Gegenstände, die die düstere Atmosphäre noch untermalen. Eine große, alte Eichentruhe steht dort, auf ihr liegen Ketten. „Damit wurden die Verbrecher vor dem Rathaus angekettet“, erklärt Hein.

Er kennt mehrere Geschichten, die sich an diesem Ort abgespielt haben sollen. So kann er zum Beispiel vom Schicksal von Eila Rohleder, einer Hausfrau aus Willersdorf, berichten, die im Jahre 1633 der Zauberei angeklagt war und im Hexenturm gefangen gesetzt wurde.

„Sie wurde 47 Verbrechen beschuldigt, die sie in Gießen unter Folter gestand. Dass sie später alles widerrief, half ihr nicht mehr. Sie wurde zum Tode mit dem Schwert verurteilt. Während sie gefoltert wurde, hatte sie Katharina Meyer aus Frankenberg als Mitschuldige angegeben. Diese wurde wenig später verbrannt.

Von Spuk- oder Geistergeschichten ist Wilhelm Hein allerdings nichts bekannt. „Ich finde, die wahren Geschichten gruselig genug“, sagt er.

Der Hexenturm im Frankenberg war Bestandteil der früheren Stadtmauer.

Service: Den Hexenturm besichtigen

Von Außen kann man den Hexenturm jederzeit besichtigen. Er steht in der Gadengasse in der Frankenberger Altstadt. Um richtig ins Gruseln zu kommen, ist es möglich, an einer Stadtführung teilzunehmen. Diese dauern eineinhalb Stunden und finden regelmäßig samstags um 10.30 Uhr statt. Treffpunkt ist vor dem historischen Rathaus. Weitere Informationen gibt es bei der Ederbergland Touristik, Telefon: 06451/2306343.

Von Johanna Hering

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