+
Sorgfältig: Christian Ende sammelt – unter fachkundiger Begutachtung zweier Hennen – die Eier ein. In jüngster Zeit gibt es einen regelrechten Ansturm auf die Produkte des Gilserbergers. 

Ein-Mann-Betrieb

Hühnermobil und Automatenware: Dieser Landwirt hat (gesunde) Eier

Eierskandal um das Insektizid Fipronil? Landwirt Christian Ende aus Gilserberg im Schwalm-Eder-Kreis hat das Problem nicht. Er führt seit eineinhalb Jahren einen landwirtschaftlichen Ein-Mann-Betrieb. Und sagt: "Regional ist das neue Bio."

Tausende Eier waren mit dem Kontaktgift verunreinigt. Es steckte im eigentlich harmlosen Desinfektionsmittel Dega 16, das vor allem Rote Vogelmilben von Legehennen fernhalten soll.

Christian Ende zuckt mit den Schultern. „Ich benutz’ dieses Mittel nicht, weil ich auf ein Staubbad setze“, sagt der Landwirt, der Eier von glücklichen Hennen per Direktvermarktung oder den Einzelhandel unter die Leute bringt.

Eier von kerngesunden Hühnern am Automaten. 

Das ist aber eigentlich weit untertrieben. Die Leute rennen dem 32-Jährigen die Bude ein. So kommt's, dass sein Eierautomat in Gilserberg durch ein Schild verziert wird, das schon fast entschuldigend darauf hinweist, dass seine Hühner gar nicht nachkommen und die Fächer zeitweise leer bleiben können.

„Regional ist eben das neue Bio“, meint der Landwirt grinsend, als er seine Hühnerschar am Ortsausgang von Gilserberg begutachtet. Dass seine Tiere kerngesund sind, macht ihn besonders stolz. „In Großbetrieben wird Dega 16 gebraucht, um Schädlinge abzutöten. Diese Betriebe – auch die deutschen – kommen ohne diesen legalen Schädlingsbekämpfer gar nicht aus.“

Der Grund dafür: Dadurch, dass die Hühner den stallnahen Bereich bei großen Betrieben immer wieder betreten, bilden sich dort Keime und Parasiten – fertig ist das Paradies für Milben. Bei Ende ist das anders.

Mobil: Ein großer Vorteil der Hühnermobile ist, dass sie nach Belieben versetzt werden können.

Er nutzt seit Dezember 2015 fünf Hühnermobile. Das sind etwa 40.000 Euro teure Stall-Anhänger, die er jede Woche mit dem Trecker versetzt. So haben die 250 oder 350 Hühner je Hänger stets frisches Gras unter den Füßen und können sich im stallnahen Bereich nach Lust und Laune bewegen. Dadurch, dass sich der Boden immer wieder regenerieren kann, ist das Risiko der Keimbildung deutlich reduziert worden.

Seine Eier haben dann aber auch ihren Preis: Drei Euro kostet die Zehner-Schachtel. Dafür hat man aber auch ein regionales Produkt, dessen Erzeuger seinen Kunden gerne auch zeigen möchte, wie seine 1350 Tiere leben. „Jeder kann zu mir kommen und sich die Eier-Gewinnung ansehen, ich habe nichts zu verbergen.“

Den Verbrauchern rät er, nicht zu sehr auf das Geld zu schauen und viel zu recherchieren, um zu wissen, woher die Eier stammen.

Im Inneren: Obwohl draußen die Sonne scheint, machen es sich einige Tiere im Mobil bequem.

Dennoch nimmt Ende die Großbetriebe in Schutz. „Das Fipronil, das für die Verunreinigung gesorgt hat, wurde von einem Dienstleister eingeschleust. Dafür können sie nichts. Zudem müssen wir in Deutschland Eier zukaufen. Alleine können wir nicht das ganze Land versorgen. Dies wird sich auch nicht so schnell ändern. Über diese zugekauften Eier hat man einfach keine Kontrolle – das ist dann leider so.“

Hintergrund: Hühner und Eier im Schwalm-Eder-Kreis

Im Landkreis Schwalm-Eder werden aktuell über 142.000 Hühner gehalten, die jährlich über 40 Mio. Eier legen und damit den geschätzten Bedarf aller Schwalm-Ederer nahezu decken würden. Denn der Prokopfverbrauch steigt seit Jahren. im statistischen Durchschnitt konsumiert jeder Deutsche pro Jahr über 230 Eier, Tendenz beständig steigend.

Könnte noch mehr Eier verkaufen: Landwirt Christian Ende aus Gilserberg an einem seiner fünf Hühnermobile. Die Nachfrage nach seinen Produkten ist zuletzt so gestiegen, dass die Hühner nicht mehr mit dem Eierlegen nachkommen.

Ähnliches Thema:  Bio-Landwirt gibt männlichen Küken eine Chance: Tiere werden nicht getötet

Autor

Das könnte Sie auch interessieren

Newsletter abonnieren

Newsletter abonnieren Täglich gibt es auf Sieben besondere Geschichten aus der Region und der Welt: Exklusive Porträts, Interviews, Texte, Bilder und Videos, aber auch Gastbeiträge angesagter Blogger und Kolumnen unserer Redakteure.

Sieben ist mehr für dich. Verpasse deshalb kein Thema mehr und abonniere den Sieben-Newsletter. Hier abonnieren: HNA Sieben per Mail, zweimal pro Monat.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Mehr zur Netiquette.