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Hoch hinaus: Beim Jumping Fitness wird beim Hüpfen auf einem Trampolin traininert.

Macher versprechen viel - Experte kritisch

Hüpf dich in Form - Trampolin ist die neue Trendsportart

Fit werden auf dem Trampolin: Das ist nicht nur was für Kinder, sondern eine neue Trendsportart - ohne Muskelkater. Wir waren bei einem Jumping-Fitness-Training dabei und haben es getestet.

Die Boxen am Rand des langen Raumes beben. Im Rythmus zum treibenden Beat hüpft eine Gruppe junger Frauen auf und ab. "Whoo-hoo!", rufen einige von ihnen plötzlich begeistert und übertönen damit nur knapp die laute Musik. Nein, wir sind nicht samstagnachts im Club, sondern beim Jumping-Fitness-Kurs im Kasseler Fitnessstudio Heros.

Inhalt des Kurses ist ein Intervall-Training auf dem Trampolin. Jeder Sportler bewegt sich dabei zum Takt der Musik. Eine neue Trendsportart, wie Kursleiterin Lisa Stengele bestätigt, die die Übungen vormacht: "In Großstädten wie Köln gibt es mittlerweile Studios, die nur Jumping Fitness anbieten."  Die Macher der Trendsportart versprechen viele Erfolge, Experten sind allerdings kritisch. 

Training zwischen Fallen und Schwitzen

Doch wie ist es eigentlich auf einem Gerät Sport zu machen, das die meisten zuletzt als Kinder benutzt haben? Der erste Schritt auf das Trampolin ist kein Problem, doch als die Musik einsetzt und das Warm-Up losgeht, zeigt sich, dass auch dieser Sport einige Tücken bereithält. Die einzelnen Übungen sind durchaus komplex und es dauert etwas, bis die Koordination von Armen und Beinen mit parallelem Hüpfen einigermaßen sitzt - vor allem da auf dem Trampolin-Gummi noch die Herausforderung der Balance hinzukommt. Statt fest auf dem Boden zu landen oder aufzutreten, wackelt der Boden bei jedem Schritt. Das Gefühl bei den schnellen Bewegungen hinunter zu fallen, legt sich erst nach einiger Zeit. Im Notfall geben die Griffe am vorderen Teil des Trampolins Halt.

"Der Trick ist, nicht zu hüpfen, sondern mit den Füßen nach unten in das Trampolin zu drücken", empfiehlt Trainings-Leiterin Stengele in der ersten Pause, die nach drei Songs angesetzt ist. Beim Kurs im Studio sind nur Frauen - alle bereits am Schwitzen und fleißig am Wasser trinken. Es ist heiß im Raum, an einem geöffneten Fenster fecheln sich ein paar Sportlerinnen Luft zu - doch von Erschöpfung ist nichts zu spüren. Es wird gelacht und als Stengele die Pause beendet und die Musik wieder aufdreht, springen die Teilnehmerin wieder begeistert aufs Trampolin. 

Abheben: Lisa Stengele (links) macht vor, wie hoch und kräftig die Sportlerinnen springen müssen.

Lisa Stengele fordert nach dem Warm-up nun mehr. Die Bewegungen werden jetzt schneller und kleinteiliger: Beine, Arme, Hüfte, alles muss auf der wackeligen Unterlage im Einklang funktionieren, der Körper angespannt sein. Bei anderen Übungen katapultieren sich die Sportlerinnen auf dem Gummi fast einen Meter in die Luft, die Beine gehen dabei auseinander. Dazu dröhnt weiter laut die Musik. Ansporn gibt allerdings auch das Trampolin selbst: Bei jedem Schritt, jedem Hüpfen schickt das Gummi die Kraft und Energie zurück. "Es ist einfach Action", sagt Svenja Schneiderbanger. 

Die 25-Jährige springt seit dem Start im Oktober bei Lisa Stengelers Kurs mit. Nach einer Schnupperstunde hat sie das Training nicht mehr losgelassen. "Hier kann ich richtig Gas geben und den Kopf freikriegen", sagt sie. Da das Jumping-Fitness-Training durch verschiedene Übungen aufgebaut ist, die ausgetauscht und variiert werden können, sei es immer etwas anderes. Begeistert ist auch Theresa Graf, die seit zehn Monaten dabei ist. "Das Training macht Spaß und man erreicht relativ schnell Ziele. Innerhalb eines Monats habe ich drei Kilogramm abgenommen", erzählt die 24-jährige.  Nach dem intensiven Intervall-Training beendet Übungsleiterin Stengeler den Kurs mit einigen Dehnungsübungen. 

Gleichgewicht halten: Zum Abschluss gibt es Dehneungsübungen - natürlich auhc auf dem Trampolin.

800 Kalorien in einer Stunde verbrennen?

Das Trampolin-Workout verspricht viel: Neben der generellen Fitness soll auch Balance und Koordination trainiert werden, dazu kommen Kräftigungsübungen. Beim Training sollen doppelt soviele Kalorien verbrannt werden wie beim Joggen. "Wer in einer Stunde richtig stark mitmacht, kann bis zu 800 Kalorien verbrennen. Das entspricht einer Pizza", erklärt Stengele. Der Stoffwechsel soll nach einem Training noch 24 Stunden weiterarbeiten. 

Ingo Froböse

Dies sei allerdings keine Besonderheit, erklärt Ingo Froböse, Sportwissenschaftler an der Sporthochschule Köln: "Der Stoffwechsel macht das bei jedem Sport. Er kann auch noch länger brauchen, bis zu 48 Stunden. Das hängt immer von der Intensität des Sportes ab." Die hohe Kalorienverbrennung zweifelt Froböse an: "Ich komme nicht höher als 600 Kalorien, wenn ich eine Stunde nur springe." Da zwischen den Übungen Pausen gemacht werden, könnte die nötige Belastung für so eine hohe Verbrennung nicht gehalten werden. 

Begeistert beim Training: Lisa Stengele (Mitte) mit ihrer Jumping-Fitness-Gruppe.

Das Besondere der Trendsportart zeigt sich erst am Tag nach dem Training: "Muskelkater gibt es nicht", sagt Stengele - maximal die Kräftigungsübungen spürt man auch noch später. Grund dafür ist der Trampolinstoff auf dem die Übungen ausgeführt werden, wie Froböse erklärt: "Wenn ich lande, fängt das Tuch meine Bewegungen ab, das müsste ich sonst mit meiner eigene Muskulatur machen." Beim Aufkommen auf hartem Boden werden die Muskeln gedehnt, was zu kleinen Reizungen führt, die sich später als Muskelkater zeigen. Da das Tuch nachgibt, falle diese nachgebende Muskelarbeit weg. 

Als Allround-Wunder-Training sieht der Sportwissenschaftler Trampolin-Fitness allerdings nicht: "Es ist immer eine Frage der Dosis und nicht der Sportart. Ich kann nicht Kraft und Ausdauer in einem trainieren." Ausdauer würde laut Froböse nur marginal trainiert werden: "Dafür müsste ich eine längere Zeit die Belastung, den Puls hochhalten. Das schaffe ich aber gar nicht, in der Regel springe ich immer nur eine kurze Zeit." Kraft würde hauptsächlich koordinativ trainiert. Das Gleichgewicht würde dafür viel abbekommen. "Man trainiert Körperspannung und Körpergefühl, die beiden Hauptfaktoren für die Koordination", sagt Froböse.  Dennoch: "Es hat einen richtigen Suchtfaktor", sagt Svenja Schneiderbanger.

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