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Haben wieder gut lachen: Bernd Menzel (rechts) und sein Lebensretter Ingolf Kunick können wieder unbeschwert ihrem gemeinsamen Hobby nachgehen und Tennis spielen.

Mit Herzdruckmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung

Ingolf Kunick rettete seinem Tennispartner das Leben

Calden/Espenau. Es sind lange zehn Minuten, die Ingolf Kunick kniend neben seinem Mitspieler auf dem Hallenboden zubringt. Minuten, die über Leben und Tod entscheiden.

Minuten, die an Kräften und Nerven zehren. Immer wieder presst er mit seinen Händen auf das Brustbein seines Vereinskameraden Bernd Menzel und lässt ihm so eine Herzdruckmassage abwechselnd mit Mund-zu-Mund-Beatmung zukommen.

Soeben ist der Tennissportler aus Calden plötzlich vor den Augen aller zusammengebrochen. Er röchelt und läuft blau an. Während alle anderen Sportler in der Espenauer Tennishalle vor Schreck erstarren, erkennt der Caldener Zahnarzt den Herzkreislaufstillstand sofort und reagiert entsprechend. 

Verdacht auf Herzinfarkt

Er beginnt mit wiederbelebenden Maßnahmen und veranlasst, den Notarzt zu informieren. Beim Eintreffen der Rettungskräfte atmet Menzel bereits wieder – dank des beherzten Vorgehens von Ingolf Kunick.

Der Patient wird vom Rettungsarzt weiter versorgt und mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Kasseler Klinikum eingeliefert.

Das Drama ereignete sich am 13. Januar 2015 und ist mittlerweile über zwei Jahre her. Und doch erinnert sich der Lebensretter an jede einzelne Sekunde. „So etwas ist ein einschneidendes Erlebnis, das vergisst man nie“, sagt der 60-Jährige. 

„An dem Abend war ich echt fix und fertig“, erinnert sich Kunick. Erst als die erlösende Nachricht aus der Klinik gekommen sei, dass Bernd Menzel das Unglück ohne Folgeschäden überstanden hat, habe sich Erleichterung eingestellt. „Es ist ein schönes Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Ich möchte nicht darüber nachdenken, wie es mir jetzt ginge, wenn diese Geschichte anders ausgegangen wäre.“

Regelmäßige Erste-Hilfe-Lehrgänge

Dass er so besonnen reagierte, führt Kunick auf seine guten Kenntnisse in der Ersten Hilfe zurück, die er regelmäßig in Lehrgängen auffrischt. „Ich wusste, dass in solch einem Fall jede Minute kostbar ist. Die Druckmassage ist nötig, um den Kreislauf aufrecht zu erhalten und die Durchblutung des Gehirns zu sichern“, erklärt Kunick. 

Das theoretische Wissen setzte er dann im richtigen Moment in die Tat um. „Es lief alles ganz automatisch ab, wir haben alle großes Glück im Unglück gehabt“, resümiert er.

Dankbar über den glücklichen Ausgang ist auch der Gerettete selbst. „Ohne Ingolf würde ich nicht mehr leben. Ich bin froh, dass er im rechten Moment zur Stelle war und das Richtige getan hat“, betont Bernd Menzel. „Glücklich bin ich zudem über den starken Rückhalt durch meine Ehefrau Pia.“

Öffentliche Belobigung vom Land Hessen

Diese sorgte schließlich auch dafür, dass die Lebensrettungsaktion besonders gewürdigt wurde: Für seinen besonnenen und couragierten Einsatz sprach ihm jetzt Dr. Wolfgang Dippel, Staatssekretär im Hessischen Ministerium für Soziales und Integration, die Öffentliche Belobigung im Namen des Hessischen Ministerpräsidenten aus.

Aus Dankbarkeit feiert Menzel übrigens neben seinem regulären Geburtstag künftig auch seinen „Wiedergeburts-Tag“. Selbstverständlich ist zu diesem Fest auch sein Lebensretter eingeladen.

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