Der Kasseler Versicherungsunternehmer Mehmet Göker (37).

Der Fragebogen

Unternehmer Mehmet Göker: "Zombie-Filme helfen mir runterzukommen"

Mehmet Göker ist einer der umstrittensten Unternehmer. Nach seinem Aufstieg mit der Kasseler Firma MEG folgte die Insolvenz. Uns gab der per Haftbefehl gesuchte 37-Jährige Einblick in sein Innerstes.

Mehmet Göker ist erst 37, aber die berufliche Karriere des Kasseler Unternehmers ist jetzt schon legendär. Mit seiner Versicherungsfirma MEG war der Deutschtürke einer der erfolgreichsten Unternehmer. Mit seinen Mitarbeitern lebte er ein Leben in Saus und Braus, ehe der Absturz folgte: Insolvenz und Flucht in die Türkei, wo er trotz internationalen Haftbefehls munter weitermacht.

Seine Geschichte hat der Kasseler Regisseur Klaus Stern in zwei viel beachteten Dokumentarfilmen erzählt. Von der Kasseler Staatsanwaltschaft wird Göker gemeinschaftlicher Betrug, Verrat von Geschäftsgeheimnissen und Verstöße gegen das Bundesdatenschutzgesetz vorgeworfen. Aber selbst Optimisten haben mittlerweile Zweifel daran, ob es jemals in Kassel zu einem Prozess kommen wird.

Für Sieben hat Göker unseren Fragebogen ausgefüllt, den wir Woche für Woche Prominenten aus der Region vorlegen. Bislang wurden die Fragen von allen schriftlich beantwortet. Göker wollte jedoch lieber am Telefon Auskunft geben. Darum kann man sich seine Antworten auch anhören. Unter anderem kündigt er an, niemals wieder in Nordhessen leben zu wollen: "Wenn Sie einmal im Süden gelebt haben und ihre Firma nur 200 Meter vom Strand entfernt liegt, können Sie sich ein Leben in Kassel nicht mehr vorstellen."       

Wie sieht der perfekte Sonntagmorgen für Sie aus?
Ich frühstücke im Bett, schaue auf Sport1 den Fußball-Talk "Doppelpass" und gehe anschließend am Meer spazieren.

Welches ist Ihr Lieblingsplatz in der Region?
Der Kasseler Bergpark mit dem Herkules. Dort bin ich früher jeden Sonntag spazieren gegangen.

Was würden Sie als erstes ändern, wenn Sie König von Deutschland wären?
Ich würde die Steuern gerechter verteilen und für Vollbeschäftigung sorgen sowie geistig und körperlich behinderten Menschen eine Vollzeitunterstützung geben.

Was wollten Sie als Kind werden?
Wie mein Vater.

Falls Sie etwas anderes geworden sind: Warum hat es nicht geklappt?
Ich bin meinem Vater schon sehr ähnlich geworden - wenn man vom Geldausgeben absieht. Er hat sich zum Beispiel dreimal gefragt, ob er die "TV Spielfilm" kaufen soll, da hatte ich schon einen neuen Fernseher. Ich bin eher der Lebemann.

Was ist für Sie die größte Erfindung der Menschheit?
Das Telefon.

Beide Filme von Klaus Stern über Mehmet Göker sind beim Streamingdienst Netflix zu sehen.

Wenn Sie eine Woche auf Ihr Handy verzichten müssten: Was würden Sie vermissen?
Nichts. Das Handy macht den Menschen zum Sklaven. Darum lasse ich mein Mobiltelefon von Freitagabend bis Montagmorgen ausgeschaltet.

Was braucht man zum vollkommenen Glück?
Harmonie innerhalb der Familie, einen Beruf, der einen ausfüllt, und schöne Reisen, um neue Kulturen zu entdecken.

Vor was haben Sie Angst?
Vor nichts. Ich hatte nur zweimal im Leben ein undefinierbares Gefühl von Existenzangst. Das erste Mal 2003, als ich die MEG gegründet habe. Das zweite Mal 2010, als ich in der Türkei mit meiner neuen Firma angefangen habe. Ansonsten bin ich ein ganz mutiges Kerlchen.

Mit welchen Prominenten würden Sie sich gern an Ihrem Lieblingsplatz treffen?
Mit dem Dalai Lama, Mustafa Kemal Atatürk, Ghandi, Mohammed, Jesus Christus und John F. Kennedy. Leider sind alle schon gestorben.

Über was würden Sie mit ihnen reden?
Über die Menschheit und Gott. Mit Ghandi würde ich darüber reden, wie er es geschafft hat, die linke und die rechte Wange hinzuhalten. Von ihm habe ich gelernt, nicht nachtragend zu sein - egal was mir andere antun.

Welche TV-Serie hat Sie zuletzt süchtig gemacht?
"Walking Dead", da bin ich ein Fanatiker. Zombie-Filme helfen mir runterzukommen.

Gibt es Gott wirklich?
Ich glaube schon. Meine Eltern haben mich in dem Glauben erzogen. Noch heute bete ich regelmäßig, aber nicht in der Moschee.

Noch mehr über Mehmet Göker gibt es hier.

Mit wem würden Sie gern tauschen?
Mit dem Papst. Er hat die Macht, Gutes zu tun. Schon als kleiner Junge habe ich davon geträumt, Papst zu sein. Ich war auch immer sehr religions- und geschichtsaffin. Während meine Klassenkameraden Fußball gespielt haben, habe ich mir Bundestagsdebatten mit Helmut Kohl als Kanzler angeschaut.

Woran merkt man, dass man jemanden liebt?
Man tut bedingungslos alles zum Wohl des anderen. Seitdem ich lebe, mache ich das - für meine Eltern und Geschwister.

Was ist Ihre Lieblingstugend?
Ehrgeiz.

Welche Eigenschaft bringt Sie auf die Palme?
Lügen.

Sie nehmen an einer Expedition zum Mars teil: Welche drei Bücher nehmen Sie mit?
Erstens etwas Religiöses, zweitens etwas Faszinierendes und drittens die Autobiografie des britischen Unternehmers Richard Branson ("Business ist wie Rock'n'Roll. Die Autobiographie des Virgin-Gründers").

Und welche drei Musikalben?
Ich bin nicht so musikaffin, aber ein großer Fan von Georg Friedrich Händel, dem am meisten unterschätzten Komponisten aller Zeiten. Dazu kämen ein Album von Elvis Presley und eins von Michael Jackson. Das würde mich vollkommen befriedigen.

Wem wären Sie lieber nie begegnet?
So einen Menschen gibt es nicht. Denn jede Entscheidung, die ich getroffen habe, war eine Entscheidung von mir und nicht von einem Gegenüber. Egal, was mir angetan wurde - im Endeffekt habe ich alles selbst verursacht.

Wie möchten Sie gern sterben?
Wenn ich schon sterben muss, würde ich gern friedlich einschlafen. Und zu meiner Beerdigung sollte "The House Of The Rising Sun" von den Animals gespielt werden, obwohl Musik bei islamischen Beerdigungen unüblich ist.

Falls Sie wiedergeboren werden: Welches Tier wären Sie gern?
Ein Elefant. Auf jeden Fall ein Tier, das in der Ernährungskette weit oben steht und sehr lange lebt.

ZUR PERSON: MEHMET GÖKER

Geboren:

am 2. April 1979 in Kassel

Ausbildung:

zum Versicherungskaufmann bei der DKV 

Karriere:

2003 gründete er die Firma MEG, mit der er private Krankenversicherungen verkaufte und schnell erfolgreich wurde. 2008 sorgten mehr als 1000 Mitarbeiter für einen Umsatz von rund 65 Millionen Euro. Ein Jahr später folgte die Insolvenz. Bis dahin hatte sich Göker auch als Sponsor im Sport (KSV Hessen Kassel, BG Göttingen) einen Namen gemacht.

Privates:

Göker ist Vater eines Sohnes und lebt in Kuşadasi in der Türkei.

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