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Wechselvolle Geschichte: Im Laufe der Jahrtausende haben sich immer wieder Fehler in die Berechnung des Kalenders eingeschlichen. Alte Systeme mussten überarbeitet oder neue entwickelt werden. 

Ägypter waren die ersten, die Kalender entwickelten

Ohne ihn wären wir verloren:  Kleine Geschichte des Kalenders

Kalender helfen den Menschen, ihren Alltag einzuteilen. Aber wer hat ihn eigentlich erfunden? Die Spurensuche reicht bis ins 4. Jahrtausend vor Christus zurück.

Ein Leben ohne Kalender ist für die meisten von uns nicht denkbar. Er gibt uns zeitliche Orientierung und Überblick, mit ihm planen wir unseren Alltag. Ohne Kalender wüssten wir nicht, wann wir Geburtstag feiern, wann Silvester ist und wann das neue Jahr beginnt. Aber wo hat der Kalender eigentlich seinen Ursprung?

Ägyptischer Kalender

Den Nutzen von Kalendersystemen haben die Menschen schon früh erkannt. Vermutlich ab dem 4. Jahrtausend vor Christus waren die Ägypter das erste Volk, das einen abstrakten Kalender entwickelte. Dabei orientierten sie sich an der Natur. Die regelmäßigen Überschwemmungen des Nils brachten den Bauern einmal im Jahr fruchtbare Erde. Die Überflutungen wiederholten sich etwa alle 365 Tage. Daher legten die Ägypter drei Jahreszeiten nach landwirtschaftlichen Gesichtspunkten fest: Überschwemmung, Aussaat und Ernte.

Mesopotamischer Kalender

Die Sumerer in Mesopotamien entwickelten etwa 1000 Jahre später als erste einen Kalender im sogenannten sexagesimalen System. Demzufolge hat ein Tag 24 Stunden, eine Stunde 60 Minuten und eine Minute 60 Sekunden. Weitere 1000 Jahre später bezogen sich die Babylonier in Mesopotamien auf den Mondlauf der Erde. Sie berechneten eine Umlaufzeit von etwas mehr als 29,5 Tagen. Daher fassten sie zwölf Monate zu je 30 Tagen zu einem Jahr zusammen. Der Nachteil: Ein Jahr ist knapp 365,25 Tage lang. So lange braucht die Erde, um einmal um die Sonne zu kreisen. Die Mondphasen mit 360 Tagen ergaben also kein vollständiges Jahr. Wiederkehrende Termine wie Geburts- und Feiertage wanderten daher durch das Jahr.

Julianischer Kalender

Diese fehlende Planbarkeit wollte der römische Herrscher Gaius Julius Cäsar nicht länger hinnehmen. 45 vor Christus setzte er mit einer Reform den Ungenauigkeiten des bestehenden Kalenders ein Ende. Mit dem julianischen Kalender führte er ein Normaljahr mit 365 Tagen ein und erfand die Schaltjahre. Seither war jedes vierte Jahr einen Tag länger.

Dadurch waren die Jahre aber durchschnittlich um ein paar Stunden zu lang. Im Laufe der Jahrhunderte verschob sich so der Frühlingsanfang, der eigentlich am 21. März ist, immer mehr. Das war vor allem für christliche Gläubige ein Problem, da das Osterfest anhand des Frühlingsvollmondes berechnet wird.

Gregorianischer Kalender

1582 verordnete Papst Gregor XIII. daher eine Kalenderreform. Da der julianische Kalender zu lang war und sich zehn „zusätzliche“ Tage angesammelt hatten, wurden die überflüssigen Tage einfach aus dem Kalender gestrichen. Auf den 4. Oktober 1582 folgte direkt der 15. Oktober 1582. Dem gregorianischen Kalender wurde zudem eine durchschnittliche Jahreslänge von 365,2425 Tagen statt der julianischen 365,25 Tage zugrunde gelegt. Außerdem wurden die Schaltregeln verfeinert: Jedes durch 100 teilbare Jahr ist kein Schaltjahr, außer, es ist durch 400 teilbar. Seither bestimmt der gregorianische Kalender, wann Silvester ist.

In Deutschland wurde der neue Kalender zunächst nur in den katholischen Gegenden angenommen. Erst im Jahr 1700 fand er auch in den protestantischen Ländern Eingang. Am 7. Juni 1776 erfolgte eine endgültige Festlegung für das ganze Reich durch den deutschen Kaiser.

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