Ole Nydahl

Interview mit Lama Ole Nydahl

"Der Buddhismus ist eine Erfahrungsreligion, keine Glaubensreligion"

Ole Nydahl ist der bekannteste westliche Lehrer des Buddhismus. Der 76-jährige Däne hat über Ostern Kassel besucht und mit 3500 seiner Schüler einen Kurs abgehalten. Wir haben mit ihm über die buddhistische Lehre gesprochen.

Wie sind Sie zum Buddhismus gekommen?

Ole Nydahl: Meine Frau Hannah und ich waren ausgesprochene Kinder der 60er-Jahre. Nachdem wir die chemischen Erfahrungsmittel ausprobiert und entdeckt haben, war uns klar, dass es nicht das war, wonach wir gesucht hatten – nach der Beherrschung von Körper, Rede und Geist. Auf unserer Hochzeitsreise nach Nepal sind wir dann dem ersten, bewusst wiedergeborenen Lama Tibets, dem 16. Karmapa, einem der bedeutendsten Meditationsmeister seiner Zeit, begegnet und seine ersten westlichen Schüler geworden.

Wie lange waren Sie bei ihm?

Wir waren vier Jahre bei ihm und haben trainiert, geübt und gelernt. Danach hat Karmapa Hannah und mich zurück nach Dänemark geschickt und uns gebeten, dass wir die Lehre Buddhas in den Westen tragen. Das haben wir voller Vertrauen getan – ohne Pause, ohne Urlaub. Und so ist es heute: Ich bin Lama, ich unterrichte, und wer gerne etwas wissen möchte über die sehr hohe und alles umfassende Psychologie der Tibeter und wie man sie nutzen kann, dem gebe ich gerne das von Karmapa übertragene Wissen weiter.

Ole Nydahl

Was unterscheidet den Buddhismus von anderen Religionen?

Ole Nydahl: Der Buddhismus ist eine Erfahrungsreligion und keine Glaubensreligion. Wir bekommen nicht zu hören, wie die Sachen waren, sondern unsere Lehrer geben uns Anregungen und verschiedene Mittel, wie wir die Dinge selbst erfahren können – und das kommt dann ziemlich schnell. Viele Atemübungen oder Einstellungen auf Farben und Schwingungen wie „OM AH HUNG“ – all das ist sehr wirksam in Verbindung mit einem 2600-jährigen Kraftfeld, das zurückgeht auf Buddha Shakyamuni selbst. Die Leute ändern sich in eine Richtung, in die sie gerne hingehen möchten zum Besten aller.

Welche Bedeutung haben Meditationen für die Lebensweise von Buddhisten?

Ole Nydahl: Meditation ist wie Zuhause sein. Wenn die Welt Kopf steht und alles ist schwierig, dann setzt man sich hin und stellt sich einige Lichter vor oder eine Schwingung (Mantra) wie KARMAPA CHENNO oder OM MANI PEME HUNG. Mit der Meditation finden innere Ebenen von unserem Geist Ruhe und es geht einem von Mal zu Mal besser. Deshalb meditieren wir – es nutzt uns, es nutzt anderen, es kostet nichts und es ist leicht zu erlangen. Alle Vorteile sind da.

Kann man den Dalai Lama mit dem Papst vergleichen bzw. die buddhistischen Lehrer mit Priestern?

Ole Nydahl: Der Dalai Lama hat einen sehr guten Sinn für Humor, das habe ich bei den Prälaten selten gesehen. Buddhistische Lehrer sind einfach erfahrene Menschen, die gewisse überpersönliche Ebenen erreicht haben, wo sie sich nicht mehr als Zielscheibe erleben, sondern wo alle Erfahrungen genutzt werden, um die Welt besser zu verstehen und den Wesen nutzen zu können.

Zur Person

Ole Nydahl (1941 in Dänemark geboren) ist ein Lama des Diamantweg-Buddhismus. Seit 1970 bereist er die Welt, er hält Vorträge und ist Gründer mehrerer deutscher buddhistischer Meditationszentren, die regelmäßig von Tausenden Menschen besucht werden.

Wir sind auch Beispiele – ich bin ein Beispiel für harte Arbeit. Monate um Monate harte Arbeit, wenig Schlaf, aber alles unter Freunden und mit großer Freude und Mitgefühl, das ist spannend und schön und ich fühle mich gut dabei. Meine Frau Hannah Nydahl, die 2007 gestorben ist und gerade sehr bekannt wird, weil ein Film über sie gedreht wurde und weltweit gezeigt wird, war genauso. Der Film heißt „HANNAH - Ein buddhistischer Weg zur Freiheit“ und ist sehr berührend.

Hannah hat tatsächlich etwas getan, was man normalerweise nicht für möglich hält. Ihre Meditationsebene hat sich bestätigt in der Art, wie sie gestorben ist. Mehrere renommierte Ärzte waren vor Ort, ich war da und andere, als sie uns verlassen hat. Sie hat ihr Leben für die Lehre Buddhas gelebt und hat sehr tatkräftig daran gearbeitet. Hannah ist 14 Mal nach dem medizinischen Tod wieder zurück in ihr Bewusstsein gekommen. Bis wir gesagt haben: Hannah, jetzt ist es gut, jetzt kannst Du gehen. 14 Mal – das ist aus medizinischer Sicht nicht möglich oder erklärbar! Aber Hannah tat es und die Fähigkeiten trägt sie mit in ihre Wiedergeburt. Im nächsten Leben wird sie eine große Lehrerin.

Was macht das Lehrer-Schüler-Verhältnis im Buddhismus zu einem besonderen?

Ole Nydahl: Dass wir etwas sehr feines und Großes vermitteln. Zu einem buddhistischen Lehrer kommen Leute mit ganz verschiedenen Hintergründen und die erwarten mehr als "Tu das" und "Tu das nicht". Sie erwarten eher: "Wenn etwas schwierig ist, dann mach das Mantra, nutze die Schwingung. Wenn etwas stört, dann lerne aus der Erfahrung."

Wir lernen auf einer sehr großen Ebene und das Ziel ist es, immer nützlich zu sein. Die Leute sollen den vollen Nutzen bekommen von ihrer Intelligenz, von ihren Gefühlen, von ihren Vorstellungen und all dem, was an Möglichkeiten vorhanden ist. Das ist sehr schön. Buddhismus ist für mich einfach etwas sehr Besonderes und Wertvolles, vor allem der Diamantweg. Unser tibetischer, farbenreicher Buddhismus – hier gibt es viele spannende Leute und viel Raum für Entwicklung.

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