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Ermittelt im Taunus: Felicitas Woll spricht über ihre Rolle als Pia Kirchhoff. 

Taunuskrimi

Die Lebenden und die Toten: Interview mit Schauspielerin Felicitas Woll

Sie ermittelt seit 2013 als Pia Kirchhoff in der Taunuskrimi-Reihe an der Seite von Komissar Oliver von Bodenstein. Felicitas Woll über Selbstjustiz und das Hobbit-Land. 

Eine Mordserie, deren Opfer auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben, setzt die Ermittler Oliver von Bodenstein (Tim Bergmann) und Pia Kirchhoff (Felicitas Woll) massiv unter Druck. Wir haben mit Felicitas Woll über den neuen  ZDF-Zweiteiler „Die Lebenden und die Toten" gesprochen.

Frau Woll, „Die Lebenden und die Toten“ ist bereits der siebte Fall für die Ermittlerin Pia Kirchhoff. Was unterscheidet diesen von den bisherigen?

Felicitas Woll: Außergewöhnlich ist, dass man von Anfang an weiß, wer der Mörder ist. Der Zuschauer kann ihn von den ersten Minuten an begleiten, seine Taten beobachten, seine Beweggründe sehen und verstehen, warum er so handelt. Das ist super spannend, das mal von der Seite aus zu sehen

Birgt dieser Aufbau nicht auch die Gefahr, dass der Zuschauer schnell wegschaltet? 

Woll: Da sind Regie, Buch, Schnitt und Musik ganz entscheidend. Aber bei „Columbo“ hat das damals auch funktioniert: Dort wusste man oft sehr früh, wer der Mörder ist. Wenn die Geschichte spannungsvoll aufgebaut und geschnitten ist, kann das gut funktionieren. Regisseur Markus Rosenmüller hat wirklich super Arbeit gemacht, den Zuschauer am Ball zu halten.

Ein starkes Team: Tim Bergmann spielt als Komissar Oliver von Bodenstein an Wolls Seite. 

Nachdem er Tochter und Ehefrau auf tragische Weise verloren hat, nimmt ein Scharfschütze Rache an den Menschen, die seiner Meinung nach Schuld an seinem Unglück hatten. Können Sie diese Selbstjustiz nachvollziehen?

Woll: Egal welche Geschichte ich lese oder höre, ich versuche mich in die Situation hineinzuversetzen. Davon auszugehen, dass wir alle lieb und nett sind, finde ich grundsätzlich falsch. Jeder Mensch trägt großes Potenzial in sich, sich von einer Sekunde zur anderen um 180 Grad zu drehen. Weil immer irgendwas passieren kann, das dich komplett aus den Schuhen haut. Ich kann die Selbstjustiz des Scharfschützen eine Mini-Sekunde nachvollziehen, aber das auszuführen ist noch mal ein anderer Schritt. Im Film wird auch auf die Rolle der Medien eingegangen: Eine Zeitung verbreitet Panik bei der Suche nach dem „Taunus-Sniper“. 

Wie sollten Ihrer Meinung nach Journalisten mit solchen Fällen umgehen?

Woll: Gerade in der heutigen Zeit – mit dem Terroranschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt ist es ganz aktuell – muss man aufpassen, was man in den Äther gibt. Wenn man einem Ereignis einen sehr markanten, reißerischen Titel gibt, dann sorgt das für Zündstoff. Alles, was man an Brennstoff in ein Feuer gibt, macht das Feuer heißer. Da muss auch die Presse aufpassen, damit in der Bevölkerung keine Panik auftritt. Da hat man als Journalist wie auch ich als Schauspielerin und jeder, der in der Öffentlichkeit steht, eine Verantwortung.

Was ist das Erkennungsmerkmal des Ermittlerteams Bodenstein/Kirchhoff?

Woll: Beide arbeiten unterschiedlich von den Ansätzen her, wie sie den Fall lösen, oder wie sie mit Opfern und Tätern umgehen. Beim Ermittlerteam Bodenstein/Kirchhoff sieht man, dass es darum geht, den Fall zu lösen und sich beide dabei menschlich gut verstehen. Pia wird mir immer vertrauter. Sie wird ein Teil von mir und ich ein Teil von ihr - wir trennen uns dann wieder freundschaftlich.

Sie sind gebürtige Nordhessin. Könnten Sie sich ein solches Krimi-Format auch in Ihrer Heimatregion vorstellen?

Woll: Absolut. Ich finde das nordhessische Land sehr schön. Es gibt Plätze, die erinnern mich ans Hobbit-Land. Die Kamera würde das lieben. Die kleinen Städtchen, Schlösser und Burgen – es gibt hier eine ganze Menge zu erzählen und zu filmen. Sicher wäre ein solches Format reizvoll. Mich wundert es auch, dass da noch nicht mehr gemacht wurde.

Ist eine weitere Verfilmung geplant? Dieses Jahr ist ja „Im Wald“ aus der Romanreihe von Nele Neuhaus erschienen

Woll: Da bin ich selber gespannt. Ich hoffe aber ja.


Das ZDF strahlt den Zweiteiler am Montag, 2. Januar, und Mittwoch, 4. Januar, jeweils um 20.15 Uhr aus. 

Den Trailer zu „Die Lebenden und die Toten - Ein Taunuskrimi“ findet ihr auf der Seite des ZDF. 


Zur Person 

Alter 

36, geboren in Homberg (Efze)

Privates

Sie hat eine zehnjährige Tochter und lebt getrennt vom Kindsvater in der Nähe vom Edersee.

Größte Erfolge

Woll wurde für ihre Rolle Carlotta „Lolle“ Holzmann in der ARD-Vorabendserie „Berlin, Berlin“ 2002 mit dem Deutschen Fernsehpreis und zudem 2003 mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet. Die Serie erhielt 2004 einen Emmy.

Karriere

Nach einer abgebrochenen Krankenpflegeausbildung und ihrer Entdeckung in einer Korbacher Diskothek spielte Woll in mehreren Vorabendserien und im Kinofilm „Mädchen, Mädchen“ (2001) mit.

Sonstiges

Spielt Klavier, Gitarre, Schlagzeug und Keyboard, tritt gelegentlich als Sängerin auf.

Ein kleiner Gruß vom Filmset von Felicitas Woll 

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