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Ob Essen oder Geschirr - alles kann man selbermachen: Mit diesen Bildern wirbt Greenpeace bei Instagram für seine "Make Something"-Aktion

"Wahres Glück entsteht erst aus dem, was wir selbst erschaffen."

Schluss mit dem Konsumwahnsinn: Greenpeace propagiert das Selbermachen

Wir konsumieren wie die Weltmeister. Dabei wäre es besser, Dinge zu reparieren und aus alten Sachen neue zu machen. Greenpeace startet darum eine Aktion - bei der man etwa aus einem Tetra Pak eine Geldbörse bastelt.

Margareta Malmgren Köller ist der lebende Beweis, dass es glücklich macht, die Welt zu retten. 2014 wurde die Kasseler Greenpeace-Aktivistin vom damaligen UN-Generalsekretär Ban Ki-moon in New York empfangen, weil sie sich seit Jahren für den Schutz der Arktis einsetzt. Auf dem Bild, das sie mit dem südkoreanischen Politiker zeigt, lacht sie aus ganzem Herzen. Das Glück kann sie aber auch im Kleinen finden.

Empfang: Margareta Malmgren Köller (Zweite von rechts) 2014 mit anderen Greenpeace-Aktivisten bei UN-Generalsekretär Ban Ki-moon (Zweiter von links) in New York.

An diesem Samstag wird die gebürtige Schwedin bei einem Aktionstag im Kasseler Umwelthaus aus alten Jeans trendige Umhängetaschen nähen. Upcycling heißt der Fachbegriff für die modische Zweitverwertung. Malmgren Köller (65) ist eine Expertin darin: "Ich nähe, seitdem ich zehn bin." Aus alten Sachen etwas Neues machen - das liegt im Trend, wie auch die Greenpeace-Aktion "Make Something" zeigt, die nicht nur in Kassel, sondern weltweit stattfindet. "Kaufe nichts, mache etwas", lautet das Motto. Im Umwelthaus wird gemeinsam genäht, gebacken und Kleidung ausgebessert. Fachleute helfen zudem, Computer und andere elektronische Geräte zu reparieren.

Damit knüpfen die Umweltschützer an mehrere weltweite Bewegungen an. Immer mehr Menschen wird klar, dass man auch in einer Konsumgesellschaft Kaputtes wieder ganz machen kann. So gibt es in vielen Kasseler Stadtteilen mittlerweile Repair-Cafés. Zudem treiben Bastler, Programmierer, Gesellschaftskritiker und Künstler die "dritte industrielle Revolution" voran - mithilfe von 3D-Druckern stellen sie Dinge her, für die es bislang große Industriekonzerne brauchte. Und schließlich versucht die Zero-Waste-Bewegung so wenig Müll wie möglich zu produzieren.

Allen gemeinsam ist die Freude am Anti-Konsum. "Wir wurden dazu erzogen, zu glauben, dass wir glücklich werden, wenn wir etwas kaufen", sagt die italienische Greenpeace-Aktivistin Chiara Campione, die für das internationale Projekt verantwortlich ist. Dabei ist sie sicher: "Wahres Glück entsteht erst aus dem, was wir selbst erschaffen." Das sieht auch der Kasseler Greenpeace-Sprecher Alexander Büttner so. Der Zahntechniker tüftelt gern am Computer und wird Gästen am Samstag bei Hardware-Problemen helfen - wenn nötig auch mit neuen Bauteilen, die er dabei hat. "Was man selbst erschaffen hat, weiß man viel mehr zu schätzen", findet Büttner.

Die "Make Something"-Aktionswoche, die bereits seit dem 2. Dezember in Metropolen wie Berlin, Barcelona und Peking die Menschen zusammenbringen soll, hat ein bisschen was von einer Fastenzeit, nachdem Cyber Monday und Black Friday die Menschen zuletzt in einen Konsumrausch versetzten. In Kassel wird jedoch nicht nur einfach gebastelt, genäht und geschraubt, es soll auch Spaß machen. Kinder können aus alten Tetra-Pak-Verpackungen Geldbörsen basteln. Und aus Keksen wird ein Atomkraftwerk entstehen, das man einfach aufessen kann - was für eine leckere Entsorgung. Es kann also auch lustig sein, die Welt zumindest symbolisch zu retten.

"Buy nothing, make something!" Samstag, 9. Dezember, 10 bis 18 Uhr, Umwelthaus Kassel, Wilhelmsstraße 2.

Anleitung: Geldbörse aus Tetra Pak

  1. Boden abschneiden
  2. Tetra Pak oben öffnen und den oberen Falz abschneiden (jetzt hat man einen Schlauch)
  3. Beide Seiten mittig falten (mit Scherengriff die neuen Falten kräftig nachfahren)
  4. Nochmal die Mitte der Mitte nehmen, so dass drei Knicke in jeder Seite sind
  5. Etwa ein Drittel hochklappen und dann links und rechts ein Stück rausschneiden
  6. Die gefalteten Seiten jetzt einklappen und die Geldtasche zum Endformat falten
  7. An der Unterseite etwas schräg zuschneiden und die Lasche einstecken
  8. Für das Loch einen Abruck machen und ausschneiden
  9. Ecken der Lasche abrunden

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