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Der Hacker ist immer schneller als er: Matthias Schweighöfer als Opfer eines Cyber-Kriminellen in der Amazon-Serie "You Are Wanted".

Sieben Dinge

Favoriten der Woche: Schweighöfers Amazon-Serie ist nur ein mauer Schweiger-"Tatort"

Matthias Schweighöfers Amazon-Serie "You Are Wanted" sollte das Fernsehen in Deutschland revolutionieren. Doch die Hacker-Geschichte kann die Erwartungen nicht erfüllen. Unsere Favoriten der Woche.

1) Schweighöfers Amazon-Serie ist ein mauer "Tatort"

Geht es nach Amazon, hat gerade ein neues Zeitalter in Deutschland begonnen. Mit Matthias Schweighöfers Serie "You Are Wanted" will der Online-Händler, der seit einiger Zeit auch Streamingdienst ist, zeigen, wie "Unterhaltung made in Germany aussehen kann". So steht es im Presseheft. Und der Regisseur sowie Hauptdarsteller hofft, dass "You Are Wanted" als "deutsche Antwort" auf die Politserie "House of Cards" des Konkurrenten Netflix verstanden wird.

Doch leider ist die Hacker-Serie nur Amazons Antwort auf den Til-Schweiger-"Tatort" geworden. Wie der größte deutsche Nuschler hat auch Schweighöfer mit Kino-Hits wie "Schlussmacher" und "What a Man" sein eigenes Genre erfunden: Komödien, die in ihrer Harmlosigkeit erschreckend und mit ihrem Erfolg atemberaubend sind.

Für Amazon hätte es keinen besseren Star für seine erste deutsche Serie geben. Denn anders als Schweiger ist Schweighöfer auch ein sehr guter Schauspieler, wie man etwa 2010 im Frankfurter "Tatort" ("Weil sie böse sind") sehen konnte. In "You Are Wanted" spielt er Lukas Franke, den Hotelmanager des Berliner Waldorf Astoria, der durch einen Hacker sein privilegiertes Leben verliert. Seine Frau bekommt Nacktfotos von seiner angeblichen Geliebten. Sein Gesicht taucht auf Überwachungskameras auf, die zeigen, wie er Material für eine Bombe kauft.

Schon in der ersten der sechs Folgen sieht man alle fünf Minuten Menschen mit angsterfüllten Blicken in Überwachungskameras schauen. Die Dialoge sind so flach wie in einer öffentlich-rechtlichen Vorabendserie. Ständig werden mit Bedeutung aufgeladene Pausen gemacht, was sich schnell abnutzt. Und ästhetisch sieht das Ganze aus wie ein Hochglanzmusikvideo.

So werden auch prominente Darsteller wie Alexandra Maria Lara, Karoline Herfurth und Kathrin Bauerfeind verschenkt. "You Are Wanted" startete zeitgleich in 200 Ländern. Ob die Serie in Deutschland die am meisten abgerufene Amazon-Produktion wird, wie das Unternehmen hofft, bleibt fraglich. Vielleicht macht sich der Konzern mit Schweighöfer sogar sein eigenes Geschäft kaputt. Wer "You Are Wanted" gesehen hat, wird jedenfalls noch mehr Bedenken haben, sich ein Gerät wie Amazons Computer-Assistenten Alexa zu Hause hinzustellen, mit dem jeder Hacker so viel Unheil anstellen kann wie hier in der Serie.

2) Christiane Rösinger: Meisterin der Melancholie

Vor zehn Jahren hat Christiane Rösinger Kassel lieben gelernt. Im documenta-Sommer 2007 arbeitete die Berliner Sängerin im Buchladen-Container der Kunstschau auf dem Friedrichsplatz und schrieb für die taz eine Kolumne aus Kassel. Damals sagte sie unserer Zeitung über die Stadt: "Auf den ersten Blick ist alles ein bisschen hässlich, aber dann biegt man um die Ecke und entdeckt etwas Schönes."

Liebe und Leiden sind die großen Themen der ehemaligen Sängerin der Diskurspop-Bands Lassie Singers und Britta, die auch als Autorin erfolgreich ist. Vor sechs Jahren glänzte Rösinger mit einem tollen Liebes-Album. Ihr neues Werk hat sie ironisch "Lieder ohne Leiden" genannt. Die rumpelnde Single "Eigentumswohnung" behandelt die Gentrifizierung Berlins. Auch sonst geht es in den neun Songs, die Rösinger mit Andreas Spechtl von der österreichischen Band Ja, Panik aufgenommen hat, eben doch um kleine und größere Leiden. In "Joy of Ageing" heißt es: "Alles Essig, alles Mist, wenn du aus Schwermut Forest bist". Rösinger ist nach wie vor eine Meisterin der Melancholie.


3) Erisy Watt: Dank Milky Chance nach Kassel

Gerade haben Milky Chance ihr zweites Album "Blossom" in New York vorgestellt. In seiner Heimatstadt Kassel wird man das Pop-Duo vorerst nicht auf der Bühne sehen. Dafür holt Live-Gitarrist Antonio Greger die kalifornische Sängerin Erisy Watt nach Nordhessen: Am Mittwoch, 21 Uhr, tritt die Sängerin und Gitarristin mit dem Kontrabassisten Rafael Rozando im Kasseler Bogen Konzept Store auf. Watt ist im Musikmekka Nashville aufgewachsen. Ihr sanfter Folk mit Soul-Einschlag klingt aber eher nach einem angesagten New Yorker Kaffeehaus. Während ihres zweiwöchigen Deutschland-Aufenthalts spielt Watt in Berlin und München - und eben auch in Kassel.

4) Christoph Niemann: Illustration als Kunst

Eine andere deutsche Erfolgsgeschichte im Ausland neben Milky Chance hat der Illustrator Christoph Niemann geschrieben. Bereits 1997 zog der Schwabe nach New York und machte sich unter anderem mit seinen witzigen Illustrationen für den "New Yorker" einen Namen. Mittlerweile lebt Niemann mit seiner Familie in Berlin. Seine Mal-Apps werden von Kindern geliebt. Wie er arbeitet, zeigt nun die sehenswerte Netflix-Doku "Abstract. Design als Kunst".

5) TV-Ereignis Krankenhaus

Wer von Matthias Schweighöfers Amazon-Serie "You Are Wanted" enttäuscht ist, der sollte ab Dienstag wieder ganz klassisch Fernsehen schauen. Sönke Wortmanns historische Krankenhausserie "Charité" im Ersten über die Berliner Vorzeigeklinik gilt schon jetzt als ein TV-Ereignis des Jahres. Wer lieber streamt statt sich von einem Programmplaner den Tagesablauf diktieren zu lassen: Der Sechsteiler steht natürlich auch in der ARD-Mediathek zum Abruf bereit.

6) Schöner scheitern mit Komiker Jochimsen

Eine schmerzhafte Erfahrung hat aus Jess Jochimsen einen Kabarettisten gemacht. Früher spielte der gebürtige Münchner in Rockbands. Aber "bei den Auftritten habe ich schmerzlich erfahren müssen, dass die Leute die Ansagen besser fanden als die Lieder", gestand uns Jochimsen einst im Interview. Erst wurden die Geschichten länger, dann trat Jochimsen nur noch als Komiker auf. 2006 erhielt er den Kasseler Förderpreis für grotesken Humor. Nun kommt der Autor von lustigen Büchern wie "Das Dosenmilch-Trauma. Bekenntnisse eines 68er-Kindes" nach Nordhessen zurück: Am 24. März tritt er im Baunataler Stadtteilzentrum Baunsberg auf. "Für die Jahreszeit zu laut. Texte, Dias, Songs zur allgemeinen Lage" heißt sein Programm. Falls seine Geschichten nicht gut ankommen, macht er einfach wieder Musik.

7) Frühling mit den Sporties

Diese Woche soll endlich der Frühling kommen. Wir hoffen, die Meteorologen werden Recht behalten. Bis dahin hören wir die Sportfreunde Stiller: "Ich hoffe, der ganze Frust verschwindet, der mich zu lange schon umgibt. Die alten, winter-kalten Gedanken verfliegen, wie Rauch im lauen Wind, wenn wir in den Wiesen liegen und etwas neues beginnt."

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