Hat einen langen Atem und viele Finisher-Medaillen: Läufer und Allgemeinmediziner Gerd Bredenschey aus Hardegsen.

Interview mit Läufer und Allgemeinmediziner Gert Bredenschey aus Hardegsen

Wegen des Klimawandels wurde Northeimer Arzt zum Ultramarathonläufer

Gert Bredenschey war Ski-Langläufer - bis wegen des Klimawandels der Schnee ausblieb. Heute hat der Arzt aus Hardegsen mehr als 40 Marathons und Ultrarennen absolviert. Hier gibt er Tipps für Anfänger.

Als Dr. Gert Bredenschey am 12. Juni 2009 bei den Lauftagen im schweizerischen Biel nach 13 Stunden und 50 Minuten das Ziel erreicht hatte, lag sein erster 100-Kilometer-Lauf hinter ihm. Wir haben uns mit dem Arzt, der mit seiner Frau im südniedersächsischen Hardegsen eine Praxis für Allgemeinmedizin betreibt, über seine Leidenschaft für das Langstreckenlaufen unterhalten.

Herr Dr. Bredenschey, wie kommt man eigentlich auf die Idee, 100 Kilometer am Stück zu laufen? 

Gert Bredenschey (lacht): Das hat sich im Lauf der Jahre ergeben. Und schuld daran war eigentlich mehr oder weniger der Klimawandel.

Inwiefern? 

Bredenschey: Ursprünglich war ich begeisterter Ski-Langläufer, ein Freund hatte mich überredet, an einem großen Volks-Skilanglauf in der Schweiz über 42 km teilzunehmen. Für mich damals eine unvorstellbar lange Strecke. Aber da es bei uns hier in der Region ja schon lange keine richtigen Winter mehr gibt, in denen man sich auf einen Wettkampf vorbereiten kann, habe ich mich mehr auf das Laufen konzentriert. Der Ehrgeiz zu einem Laufmarathon hat mich gepackt, als meine ältere Schwester in Hamburg teilgenommen hat. Beim Training habe ich so richtig „Blut geleckt“ und vor allem den Spaß am Marathon entdeckt.

Seit wann nehmen Sie an Marathonläufen teil? 

Bredenschey: Mein erster Marathon war 1998 in Köln. In den folgenden Jahren habe ich dann an vielen Marathonveranstaltungen im In- und Ausland teilgenommen.

Wo sind sie schon überall an den Start gegangen? 

Bredenschey: Unter anderem in Köln, Hamburg, Berlin, München, Frankfurt, Magdeburg, London, Venedig, Stockholm und am Brocken. In diesem Jahr plane ich die Teilnahme in Warschau. Am beeindruckendsten fand ich allerdings den New-York-Marathon. Einsteigern kann ich den Köln-Marathon empfehlen, weil es da ziemlich locker zugeht und viele Teilnehmer im Team in Verkleidung laufen. Zusammen mit meiner Frau und Freunden habe ich das auch schon gemacht.

Beim 100-km-Lauf in Biel in der Schweiz.

Wie lautet ihre persönliche Bestzeit? Bredenschey: Die liegt bei 3:30 Stunden. Das war beim Berlin-Marathon. Insgesamt bin ich circa 40 Marathons gelaufen und in der Zwischenzeit auch eine Reihe von Berg- und „Ultraläufen“ wie den Rennsteiglauf über 72 Kilometer, die Brocken-Challenge über 80 Kilometer im Winter und die 100 Kilometer in Biel. 

Für Nichtläufer ist schon schwer zu verstehen, wie man einen normalen Marathon über 42 Kilometer schaffen kann. Aber wie bereitet man sich denn auf einen 100-Kilometer lauf vor? Man kann ja diese Strecke nicht andauernd im Training laufen. 

Bredenschey: Nein, natürlich nicht. Aber das gilt auch für den normalen Marathon. Um sich darauf vorzubereiten, muss man während des Trainings auch nicht die komplette Distanz laufen. Viel mehr geht es darum, den Körper durch ein abwechslungsreiches Training auf eine solche Ausdauerleistung vorzubereiten.

Wie trainieren Sie für einen Marathon? 

Bredenschey: Das Training setzt sich hauptsächlich aus drei Komponenten zusammen: Tempo-Dauerläufe über zehn bis 15 Kilometer, Intervalltraining mit schnellen und langsamen Läufen im Wechsel sowie Erholungsläufe in langsamem Tempo über 20 Kilometer. Pro Woche laufe ich dann insgesamt etwa 40 bis 45 Kilometer. Die intensive Trainingsphase umfasst circa zwölf Wochen. Man kann also mit einem begrenzten Zeitaufwand viel erreichen.

Und wie sieht die Vorbereitung für einen 100-Kilometer-Lauf aus? 

Bredenschey: Durch das genannte Training kann man sich auch auf so eine Leistung vorbereiten. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass man, wenn man eine bestimmte Distanz gut schafft, auch das Potenzial hat, die doppelte Leistung zu vollbringen. Das gilt auch für alle anderen Ausdauersportarten wie Radfahren und Schwimmen.

Das wären dann die Disziplinen des Triathlons, den sie ja inzwischen auch betreiben.

Bredenschey: Ja, wer Spaß am Ausdauersport hat, interessiert sich irgendwann auch für Triathlon. Mein erster über die normale Langdistanz, also 3800 Meter Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42 Kilometer Laufen war 2013. Für mich ist dabei aber nicht die Platzierung, sondern das Ankommen das Ziel. Meine beste Zeit liegt bei 14 Stunden und 20 Minuten. Man macht in diesem Zeitraum Dauersport und wundert sich anschließend selbst, dass so was überhaupt möglich ist.

Beim Ironman-Triathlon im fränkischen Roth.

Wie bewerten Sie als Arzt den Ausdauersport?

Bredenschey: Der menschliche Körper ist von der Natur für Ausdauerleistungen konstruiert worden, denn unsere Vorfahren mussten ihre Beutetiere über lange Strecken im Dauerlauf verfolgen, ehe sie sie erlegen konnten. Diese Zeiten sind natürlich schon lange vorbei, aber unser Körper ist immer noch darauf eingestellt, sodass der heutige Bewegungsmangel gesundheitliche Probleme wie Herzkreislaufschwäche oder Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen mit sich bringt.

Können sich Betroffene gesund laufen?

Bredenschey: In gewisser Weise schon. Menschen mit leicht erhöhtem Blutdruck können durch Ausdauertraining auf ganz normale Werte kommen. Und bei Patienten mit hohem Blutdruck kann es dazu führen, dass weitaus weniger Medikamente nötig sind. Selbst Herzpatienten kann Ausdauersport helfen. Das sollte aber auf alle Fälle immer mit dem behandelnden Arzt besprochen werden. Auch ist Ausdauersport gut für das Immunsystem, zumal man sich weitestgehend in der freien Natur bewegt.

Was ist zu beachten, wenn man den Entschluss fasst, mit dem Laufen zu beginnen, um sich körperlich fit zu halten? 

Bredenschey: Oft wird der Fehler gemacht, dass man zu schnell zu viel erwartet. Wer noch nie oder schon seit längerer Zeit nicht mehr sportlich aktiv war, sollte ganz behutsam anfangen und seinen Körper langsam daran gewöhnen. Zwei Minuten Laufen und vier Minuten Gehen im Wechsel reichen für den Anfang aus. Wer dreimal in der Woche 30 Minuten trainiert, betreibt schon Ausdauersport und wird bald merken, dass er seine Leistung und seine Lebensfreude steigern kann.

Zur Person 

Dr. Gert Bredenschey (58) ist in Hardegsen aufgewachsen und hat sich seit seiner frühesten Jugend für Sport interessiert. Nach dem Medizinstudium in Antwerpen, Heidelberg und Mannheim kehrte er in seine Heimatstadt zurück und übernahm dort die Arztpraxis von seinem Vater, die er seit 1993 zusammen mit seiner Frau betreibt.

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