Endlich wieder im Studio: Philipp Dausch (links) und Clemens Rehbein (hinten) vom Kasseler Pop-Duo Milky Chance.

Für Milky Chance wird das Pop-Wunder weitergehen

So klingt 2017: Auf diese sieben Alben freuen wir uns im neuen Musik-Jahr

2017 gibt es endlich wieder neue Musik unserer Lieblinge. Nicht nur das Kasseler Pop-Duo Milky Chance wird ein neues Album veröffentlichen. Diese sieben Veröffentlichungen können wir kaum erwarten.  

Niemand musste so lang auf neue Musik seiner Lieblinge warten wie die Fans von Guns N’ Roses. Über Jahre hatten die kalifornischen Hardrocker neues Material angekündigt, ehe 2008 dann tatsächlich "Chinese Democracy" erschien. Auch 2017 wird es womöglich neue Songs von Axl Rose und Co. zu hören geben. Darauf warten wir eigentlich aber gar nicht. Eher schon auf diese sieben Bands und Künstler.

Das Pop-Wunder von Milky Chance geht weiter

Es soll ja immer noch einige Kritiker geben, die Milky Chance als One-Hit-Wonder betrachten. Für die wird 2017 ein schweres Jahr. Vier Jahre nach seinem Mega-Hit "Stolen Dance" und dem dazugehörigen Album "Sadnecessary" veröffentlicht das Kasseler Pop-Duo endlich den Nachfolger. Die Vorab-Single "Cocoon" wurde bereits jetzt beim Streamingdienst Spotify mehr als 14 Millionen Mal abgerufen. Das schafft sonst kaum ein anderer deutscher Act. Und bei Yotube schrieb ein Fan das etwas fröhlicher geratene Indietronic-Folk-HipHop-Stück: "Was für ein großartiger Song. Er ist noch besser als ,Stolen Dance'". Das kann man so stehen lassen. Das Kasseler Pop-Wunder wird weitergehen.

Anna Depenbusch macht uns einen schönen Sommer

Die Musik von Anna Depenbusch wird vermutlich nicht nur das Frühjahr, sondern den ganzen Sommer schöner machen. Denn die Songs der Hamburger Liedermacherin sind leicht, fröhlich und manchmal auch ironisch, selbst wenn sie traurig sind. Im März wird sie ihr neues Studioalbum rausbringen. Wenn es darauf wieder solche gesungenen Lebensweisheiten zu hören gibt wie auf „Sommer aus Papier“, auf dem sie zum Beispiel mit dem Tretboot nach Hawaii unterwegs war, dann wird es wieder ein schöner Sommer (mit saurer Limonade und Blaubeereis mit Sahne). Schon ihr Vorgängeralbum „Die Mathematik der Anna Depenbusch“ war ein Erfolg und landete 2011 von null auf Platz 25 der Albumcharts. Wir freuen uns auf ihr fünftes Album und auf eine experimentierfreudige Songschreiberin, die mit unterschiedlichen Sounds und Genres, Chanson, Pop, Country, Blues, Jazz und mehr spielt.

The XX sehen Licht am Ende des Tunnels

Als erste Band des neuen Jahrtausends, das bislang durch Retro-Rock und Retro-Soul gekennzeichnet war, haben The XX etwas völlig Neues geschaffen. Die Lieder des britischen Trios bestehen aus nicht mehr als angezupften Gitarrenakkorden, einer Drum-Machine und melancholischem Gesang. Für manche Kritiker war der düstere Minimalismus-Pop der Soundtrack zur Krise. Insofern könnte die Krise vielleicht bald vorbei sein. Für ihre neue Single "On Hold" sampleten Oliver Sims, Jamie Smith und Romy Madley den 35 Jahre alten Hut "I Can't Go for That (No Can Do)" des US-Pop-Duos Hall & Oates. Plötzlich klingen The XX nicht mehr nach Weltuntergang, sondern nach Party. Für Fans beginnt die große Sause bereits am 13. Januar, wenn bei Beggars das neue Album "I See You" erscheint. 

Balbina biegt die Sprache, bis alles passt

„Ich muss was gegen das Nichtstun tun, denn das Nichtstun tut mir gar nicht gut“, singt Balbina. Ihre Musik ist tanzbar, doch ihre Texte hört man nicht einfach nur so nebenbei. Ihre Musik ist anders, nicht eindeutig, um die Ecke gedacht und ganz anders als das übliche Popmusikeinerlei. 2015 lieferte die gebürtige Polin, die in Berlin zu Hause ist, mit „Über das Grübeln“ ein Album ab, das sowohl Kritiker als auch Fans überzeugte. 

Balbina arbeitet sich an der Sprache ab und biegt sie so lange, bis ihre Bandwurmsätze in die Musik passen. Das wirkt nicht einengend, sondern fast schon eigenwillig befreiend, aber nicht einfach. Die Melodien lassen einen nicht los, die Texte wirken nach. Die 33-Jährige, die gern einen strengen Zopf und Glockenröcke trägt, hat die Songs ihres neuen Albums „Fragen über Fragen“ (ab 17. Februar) mit dem Sofia Symphonic Orchestra aufgenommen.

Christiane Rösinger singt über Liebe und Leid

Vor zehn Jahren hat Christiane Rösinger Kassel lieben gelernt. Im documenta-Sommer 2007 arbeitete die Berliner Sängerin im Buchladen-Container der Kunstschau auf dem Friedrichsplatz und schrieb für die taz eine Kolumne aus Kassel. Damals sagte sie unserer Zeitung über die Stadt: "Auf den ersten Blick ist alles ein bisschen hässlich, aber dann biegt man um die Ecke und entdeckt etwas Schönes."

Liebe und Leiden sind die großen Themen der ehemaligen Sängerin der Bands Lassie Singers und Britta, die auch als Autorin erfolgreich ist. Vor sechs Jahren glänzte Rösinger mit einem tollen Liebes-Album. Auf ihrer neuen Platte, die am 24. Februar beim Hamburger Label Staatsakt erscheint, soll es hingegen um das Leid gehen. Ironischerweise heißt das Werk "Lieder ohne Leiden". Die erste Single "Eigentumswohnung" behandelt die Gentrifizierung Berlins. Von diesem Leid kann man mittlerweile auch in manchem Kasseler Stadtteil ein Lied singen.

Volkslieder für Jazz-Liebhaber von Edgar Knecht

Der Kasseler Jazz-Pianist Edgar Knecht hat mit seinem Album „Dance On Deep Waters“ dem deutschen Volkslied eine neue Identität gegeben. Er hat es jazzig entstaubt. „Was sich da vor uns ausbreitet an Musik, ist schlichtweg grandios“, schrieb das Fachblatt "Jazzpodium" darüber 2013. Welche Volkslieder Knecht demnächst in Jazzmusik verwandelt und mit welchen Gastmusikern er das macht, das weiß er selbst noch nicht. Was er aber ganz sicher weiß, ist, dass das Edgar Knecht Trio 2017 wieder ein neues Album herausbringt. Das zentrale Thema werden „Begegnungen“ sein, sagt Knecht. 

Voraussichtlich wird es mit der Veröffentlichung aber erst Ende der Jahres etwas. Wer nicht so lange auf ein neues musikalisches Erlebnis mit Knecht warten will, sollte sich diesen Termin vormerken: Am 28. Februar tritt der gebürtige Sauerländer mit Aeham Ahmad im Kasseler Opernhaus auf. Ahmad wurde hierzulande bekannt, weil er in den Trümmern von Jarmuk (Damaskus), sein Klavier auf die Straße stellte und zu spielen begann.

Lang lebe die Vorfreude auf Neues von Casper

Im August ließ der Rapper Casper über Facebook wissen, er verschiebe die Veröffentlichung seines neuen Albums „Lang Lebe der Tod“ auf unbestimmte Zeit. Eigentlich sollte es am 23. September in den Handel kommen. Es sei schlichtweg noch nicht fertig und brauche noch „ein bisschen Liebe“, damit er „das Bestmögliche abliefern und nicht im Sinne des Geschäfts einfach etwas raushaue", schrieb Casper. 

Einen Trost hatte er schon da für seine Fans: Die geplante Tour findet 2017 trotzdem statt. Bei den Konzerten soll es weniger neues Material zu hören geben. Für die Optimisten unter uns: Ein paar neue Songs werden also dabei sein. Vielleicht lässt sich der Rapper bei den Auftritten ja inspirieren und es gibt doch noch bald etwas mit dem neuen Album – wir würden uns sehr darauf freuen. Denn mit dem Titeltrack zum Album hat er unsere Vorfreude schon befeuert.

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Autor

Matthias Lohr

Matthias Lohr

*1974, Soziologie- und Politikstudium, bei der HNA ab 1994 freier Mitarbeiter, elf Jahre Jahre lang Kulturredakteur, mittlerweile in der Online-Redaktion. Am liebsten in Laufschuhen und auf dem Rad unterwegs.

mal@hna.de

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