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Europafreundlich: Die Bewegung Pulse of Europe trifft sich jeden Sonntag.

Sie wollen nationalistischen Tendenzen entgegenwirken

Pulse of Europe in der Region: Das steckt hinter der Bewegung

25.000 Menschen gingen am vergangenen Wochenende für Europa auf die Straße. Viele davon in Deutschland, aber auch in anderen europäischen Ländern. Zwei von ihnen stammen aus dem Kreisteil Hofgeismar.

Michael Heimberg und Dr. Alexander Wolff von Gudenberg unterstützen ebenfalls die Bürgerbewegung „Pulse of Europa“ (PoE), kämpfen seitdem allwöchentlich am Sonntagnachmittag auf dem Königsplatz für den Erhalt von Europa. 

„Mit hundert Leuten ging es vor zwei Monaten in Kassel los und nun sind wir mehr als 500“, sagt Dr. Alexander Wolff von Gudenberg. Er sei durch Bekannte auf die Bewegung aufmerksam gemacht worden und inzwischen sogar im Organisationsteam. Auch Heimberg, der im Internet PoE entdeckte, bringt sich aktiv ein. Schließlich müssten Tische aufgestellt werden sowie Musikanlage und Rednerpult Punkt 14 Uhr zur Verfügung stehen. Eine Stunde lang hat dann jeder die Möglichkeit, seine Meinung am Mikro kundzutun. „Außerdem stellen wir unsere Inhalte vor und singen jedes Mal gemeinsam `Freude schöner Götterfunken`. 

Kämpfen für Europa: Michael Heimberg und Dr. Alexander Wolff von Gudenberg. Bei der Bewegung lernten sie auch Ingrid Spitzer kennen.

Und weil die Wahl in den Niederlanden letztens anstand, trällerte man sogar Hand in Hand „Tulpen aus Amsterdam“, bildete so eine lange Kette rund um den Königsplatz. „Gegen solche Menschen wie Wilders wehren wir uns entschieden – aber auch mit einem Herrn Orban, Putin oder Trump haben wir nichts am Hut“, erklärt Heimberg aus Grebenstein, „dass Despoten unsere Grundwerte angreifen, wollen wir nicht zulassen, genau deshalb sind wir bei der Initiative dabei.“ 

Der Erhalt des Friedens, das zentrale Thema, was fast jeden bewegt, steht natürlich auch ganz oben auf ihrer Agenda: „Die EU war und ist nun mal ein Bündnis zur Sicherung des Friedens – das haben die vergangenen 70 Jahre gezeigt“, sind sich der Grebensteiner und sein Meimbresser Mitstreiter einig. Europa dürfe nicht zerfallen - deshalb gebe es ihre Zusammenkünfte und zwar mindestens bis zur Wahl in Frankreich, und vielleicht sogar noch länger. 

Für ein vielfältiges Europa: Mindestens bis zu den Wahlen in Frankreich wollen die Aktivisten weitermachen.

Um den europäischen Pulsschlag voranzutreiben, haben die PoEler einige Grundthesen erarbeitet: Menschenwürde, Rechtsstaatlichkeit und freiheitliches Denken, sind ihnen ebenso wichtig wie Reformen und der Erhalt der Vielfalt im europäischen Raum. „Schon jetzt wird in Teilen Europas die Pressefreiheit eingeschränkt, da machen wir nicht mit.“ 

Dass die Mehrheit aller Deutschen an die Idee der Europäischen Union glaubt, davon sind Heimberg und Wolff von Gudenberg überzeugt: Wer wolle schon individuelle Freiheit, Gerechtigkeit und Rechtssicherheit aufgeben, eben das wofür der europäische Gedanke stehe. In insgesamt 40 deutschen Städten haben die Europafreunde schon Fuß gefasst. Auch in den Niederlanden und Frankreich gibt es Veranstaltungen. Die Initiative gehört keiner Partei oder Religion an – positiv will man sein, für etwas werben und so auch rechten Tendenzen in Deutschland Einhalt gebieten.

Stichwort: Pulse of Europe

Durch den Brexit und die Wahl Donald Trumps sahen sich die Rechtsanwälte Sabine und Daniel Röder dazu veranlasst nationalistischen und populistischen Tendenzen entgegenzuwirken. Im November 2016 gründeten sie die Bürgerinitiative „Pulse of Europe“. Nicht immer gegen etwas zu sein, sondern mit positiver Energie für Europa zu werben, ist ihr Anliegen. 

Die PoE-Anhänger vertreten die Meinung, dass die Mehrheit aller Deutschen für Europa ist, die Einstellung bisher allerdings nie eine Stimme hatte. Bis zur Wahl in Frankreich Ende April sollen die Veranstaltungen weitergehen – vielleicht auch bis zur Bundestagswahl im September. Pulse of Europe kommt jeden Sonntag zwischen 14 und 15 Uhr auf dem Königsplatz in Kassel zusammen. Wegen Aufbauarbeiten zur Documenta werden die Zusammenkünfte wahrscheinlich bald an einem anderen Ort stattfinden.

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