+
Schlafprobleme: Jeder Zehnte Betroffene nennt Schnarchen als Ursache.

Vorsicht bei Atemaussetzern

Schnarcher aufgepasst: Nicht nur die Beziehung ist in Gefahr

Regelmäßiges Schnarchen kann ein Vorbote lebensbedrohlicher Erkrankungen wie Schlaganfall oder Herzinfarkt sein. Der Kasseler Hals-Nasen-Ohren-Arzt Dr. Ulf Kuhlemann klärt auf.

Ein zu langes Gaumenzäpfchen kann daran Schuld sein, dass ein Mensch nachts schnarcht. Operativ kann in einem solchen Fall das Zäpfchen gekürzt werden – ein Eingriff, der für den Patienten als schonend gilt. Wie das funktioniert, zeigt unser Gesundheitsvideo.

Wenn die Frau das Schlafzimmer verlässt...

"Ich fühle mich tagsüber abgeschlagen und müde. Bei der Arbeit fällt es mir schwer, mich zu konzentrieren. Meine Frau beklagt sich seit längerer Zeit darüber, dass ich nachts schnarche, und hat schon mehrmals nachts das Schlafzimmer verlassen. Was kann ich tun?“, fragt ein Leser aus Kassel.

„Abgesehen von negativen Auswirkungen auf die Partnerbeziehung kann Schnarchen auch Vorbote von ernsthaften, manchmal sogar lebensbedrohlichen Krankheiten sein“, sagt Kuhlemann. Tagesmüdigkeit und Schlafstörungen seien oft erste körperliche Anzeichen regelmäßigen Schnarchens.

In Deutschland schnarchen etwa 60 Prozent aller Männer und 40 Prozent aller Frauen über 60 Jahre. Doch auch bei jüngeren Menschen kann es dem HNO-Arzt zufolge im Schlaf zu lauten Atemgeräuschen in den oberen Luftwegen kommen.

Krankheitsbild

Das Spektrum des Schnarchens reicht vom gelegentlichen Schnarchen, etwa infolge von Alkohol, Übergewicht oder der Einnahme von Schlafmitteln, bis zum sogenannten apnoischen Schnarchen. Dabei kommt es zu nächtlichen Atemaussetzern, was zu einer gefährlichen Absenkung der Sauerstoffsättigung im Blut führen kann.

Folgen

Ulf Kuhlemann: „Die Folgen können Erschöpfungsstände, Konzentrations- und Gedächtnisstörungen sein, wie im vorliegenden Fall beschrieben werden.“ Im schlimmsten Fall könne Schnarchen sogar Ursache für einen Schlaganfall oder einen Herzinfarkt sein.

Diagnose

Kuhlemann rät: „Treten nächtliche Atemaussetzer auf, sollte man umgehend einen Arzt aufsuchen.“ Sinnvoll sei außerdem eine Untersuchung im Schlaflabor, um den Umfang des Schnarchens aufzuklären.

Ursachen

Neben organischen und neurologischen Ursachen sowie Kieferfehlstellungen sind laut Kuhlemann oft Verengungen in der Nase, beispielsweise durch eine verbogene Nasenscheidewand, Polypen und Schleimhautschwellungen mitverantwortlich. Im Rachen können ein zu schlaffes Gaumensegel und ein zu großes Zäpfchen zum Schnarchen führen.

Dr. Ulf Kuhlemann bei einer Zäpfchen-Operation

Therapie

Anatomische Ursachen des Schnarchens lassen sich dem HNO-Arzt zufolge häufig mit einer Operation korrigieren. „Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen haben bestätigt, dass sich Operationen nicht nur positiv auf das Schnarchen auswirken, sondern auch die negativen gesundheitlichen Folgen des Schnarchens positiv beeinflussen können,“ sagt er.

Die häufigsten Ursachen des Schnarchens, die operativ behoben werden können, sind beengte anatomische Verhältnisse in der Nase, ein zu schlaffes Gaumensegel und ein zu großes Zäpfchen. Kuhlemann: „Oft treffen mehrere Faktoren zusammen, die sich dann gleichzeitig operativ beheben lassen.“

Gerade bei der Nasen- und Gaumenchirurgie sei die Lasertechnik eine bewährte Methode für einen schonenden und schnell heilenden Eingriff. „Bei 70 bis 80 Prozent der Patienten kann das Schnarchen so behoben oder deutlich reduziert werden“, sagt der HNO-Experte.

Empfehlungen

Außerdem rät Kuhlemann zu einem Allergietest, weil Allergien über eine behinderte Nasenatmung ebenfalls zum Schnarchen führen können. Gleichzeitig empfiehlt er, auf Alkohol und Schlafmittel zu verzichten. Sie sorgen für eine Erschlaffung der Muskulatur im Rachenraum, was das Schnarchen begünstigt. Außerdem sollte man die allgemeinen Regeln der Schlafhygiene beherzigen.

In besonders schweren Fällen müssen Patienten nachts eine Sauerstoffmaske tragen, um eine ausreichende Sättigung des Blutes mit Sauerstoff zu gewährleisten.

Damit es dazu erst gar nicht kommt, rät Kuhlemann, die Ursachen für das Schnarchen möglichst frühzeitige abklären und behandeln zu lassen. 

Zur Person

Ulf Kuhlemann

Dr. Ulf Kuhlemann (51) wurde in Hagen (Westfalen) geboren. Seit 1999 ist er in Kassel mit einer HNO-Praxis an der Friedrich-Ebert-Straße niedergelassen und Belegarzt am Roten Kreuz Krankenhaus. Medizin studierte er in Köln, er arbeitete als Assistenzarzt in Gladbeck und Trier und machte dort seinen Facharzt für HNO-Heilkunde. Außerdem trägt er die Zusatzbezeichnung „plastische Operationen“. Kuhlemann ist verheiratet und hat zwei Kinder. 

Wenn Sie Beschwerden, Fragen an Ärzte haben oder mehr über ein Thema erfahren möchten, schreiben Sie uns: 

HNA-Lokalredaktion Kassel 
Stichwort: Gesundheit
E-Mail: kassel@hna.de 
Fax: 05 61/20 3-24 00

Mehr zum Thema

Autor

Newsletter abonnieren

Newsletter abonnieren Täglich gibt es auf Sieben besondere Geschichten aus der Region und der Welt: Exklusive Porträts, Interviews, Texte, Bilder und Videos, aber auch Gastbeiträge angesagter Blogger und Kolumnen unserer Redakteure.

Sieben ist mehr für dich. Verpasse deshalb kein Thema mehr und abonniere den Sieben-Newsletter. Hier abonnieren: HNA Sieben per Mail, einmal die Woche.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Mehr zur Netiquette.