+
Ulrike Teichmann aus Hann. Münden mit ihrem Flugzeug, dem LS 8. Als eine von drei Deutschen startet sie in der Standardklasse bei der WM der Frauen in Tschechien. 

Mündenerin startet bei Segelflug-Weltmeisterschaften

Kampf um "Ruhm und Ehre" im Flieger mit 15 Meter Spannweite

Sie ist buchstäblich eine Überfliegerin – Ulrike Teichmann aus Münden ist Spitzensportlerin im Segelfliegen. Die 46-Jährige ist Deutsche Meisterin und startet derzeit bei den Weltmeisterschaften der Frauen in Tschechien.

Für die deutsche Nationalmannschaft tritt sie in der Standardklasse der Frauen gegen zwölf Segelfliegerinnen aus sechs Nationen an und lässt sich dabei bis zum 4. Juni von Winden und Strömungen leiten. Es geht darum, auf einer festgelegten Strecke eine möglichst hohe Durchschnittsgeschwindigkeit zu fliegen.

Seitdem Teichmann 2016 Deutsche Meisterin geworden ist, bereitet sie sich auf die WM vor. Sie studiert die Landschaft des Austragungsorts Zbraslavice und das Wetter dort, analysiert Videos von Segelflügen. Dazu kommen sechs Trainingsflüge bei ihrem Verein LSV Hofgeismar.

„Das Ziel muss immer sein, sich zu verbessern“, sagt Teichmann. Bei der vergangenen WM flog sie auf den siebten Platz. Einen Geldpreis für den Gewinner gibt es nicht. „Es geht um Ruhm und Ehre“, sagt die Frau, die aus Flensburg stammt und seit 20 Jahren in Münden lebt. Es sei ein Problem, dass der Sport nicht optisch gut über die Medien zu vermitteln ist. Im Fernsehen könnte man theoretisch den Start übertragen, beim restlichen Wettkampf sei das kaum möglich. „Da muss man an dem Sport schon viel Spaß haben und idealistisch sein, um ihn zu betreiben“, sagt die 46-Jährige.

Jeder Flug herausfordernd

Im Hemd der Nationalmannschaft: Ulrike Teichmann in ihrem Garten in Hann. Münden.

Das ist bei ihr im großen Maße der Fall. „Bei jedem Flug stellt mich die Natur vor neue Herausforderungen. Da lerne ich einerseits viel über die Zusammenhänge der Natur. Andererseits muss ich es auch schaffen, sowohl schlechte als auch gute Entscheidungen im Kopf abzuhaken. Denn die nächste spannende Situation wartet immer schon“, beschreibt Ulrike Teichmann. Deshalb sei Segelfliegen auch eher mental anstatt körperlich anstrengend.

Teichmann hat das Segelfliegen als Hobby in ihrer alten Heimat an der Ostsee begonnen. Angestachelt von guten Fliegern des LSV Hofgeismar hat sie sich für den Spitzensport begeistert und stetig verbessert.

Bei der WM in Tschechien ist Teichmann nun eine von drei Deutschen in der Standardklasse. Nachdem sie bei den Deutschen Meisterschaften 2012 Zweite wurde und die DM 2016 gewann, ist sie eine feste Größe im Kader. „In der Nationalmannschaft zu sein, ist ein großes Geschenk, eine unglaubliche Wertschätzung. Aber für mich als Berufstätige und Mutter bedeutet es natürlich etwas anderes als für Profisportler, die davon leben können“, sagt die Tierärztin.

Teichmann ist schon eine Woche vor dem Wettkampf nach Tschechien gereist. Ihr Vater begleitet sie als ihr sportlicher Betreuer. Gemeinsam campen sie rund drei Wochen auf dem Flugplatz, wie es auch viele der anderen Segelflieger machen. Man verstehe sich gut untereinander, aber sie sieht die anderen Piloten doch als Konkurrenten. „Ich bin Spitzensportlerin und da muss man sagen: Ich will gewinnen!“

Mitfiebern? Hier geht es zum WM-Blog der deutschen Segelflug-Nationalmannschaft.

Stichwort Pilot sucht Aufwind

Die Sonne erwärmt den Boden, darüber erwärmt sich die Luft. Dieses warme Luftpaket steigt auf – Thermik entsteht. Steuert der Pilot den Flieger mit den Rudern in die warme Luft, wird er nach oben getrieben. Aus großer Höhe kann der Pilot dann den Flieger gleiten lassen. Das Flugzeug verliert langsam an Höhe. Deshalb ist es Aufgabe des Piloten, rechtzeitig den nächsten thermischen Aufwind zu suchen.

Einsteigen, bitte: Ulrike Teichmann nimmt an der WM im Segelfliegen in Tschechien teil. 

Segelfliegen in Zahlen: Besonderheiten des Fliegers von Ulrike Teichmann

Mit dem Segelflieger LS 8 tritt Ulrike Teichmann aus Hann. Münden in der Standardklasse bei der Weltmeisterschaft im tschechischen Zbraslavice an. Details zu ihrem Flugzeug gibt es in Zahlen:

15 Meter Spannweite hat das Flugzeug von Ulrike Teichmann. In der Länge misst er sieben Meter, in der Höhe 0,8 Meter.

43 Kilometer weit kann der Pilot mit dem LS 8 ohne Auftrieb aus 1000 Metern Höhe gleiten. Das ist die sogenannte Gleitzahl. Dabei sind ruhige Luftverhältnisse vorausgesetzt.

230 Kilogramm ist der LS 8 schwer. Beim Wettkampf darf die Gesamtabflugmasse maximal 525 Kilogramm betragen. Die Piloten haben zum Beispiel die Möglichkeit, Wasser in die Tragflächen zu füllen.

250 Stundenkilometer schnell kann Teichmanns Flugzeug maximal fliegen. Im Wettkampf sei eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 70 bis 100 Stundenkilometern die Regel.

700 Kilometer – diese Strecke flog Teichmann mit ihrem Segelflieger schon zusammen mit einem Trainer an einem Stück.

60.000 Euro kostet der Segelflieger von Ulrike Teichmann. Sie teilt ihn sich mit einem Kollegen des LSV Hofgeismar. 

Hintergrund: Zwei Formen beim Segelfliegen

Beim Segelfliegen sind zwei Wettkampfformen möglich: der Kunstflug und der Streckensegelflug. Der Streckensegelflug teilt sich dabei in drei Klassen ein, je nach Bauweise des Flugzeugs. Ulrike Teichmann flieg in der mittleren Klasse. Je nach Wetter sind bei der Weltmeisterschaft vier bis zehn Wettkampftage möglich.

Die WM gewinnt, wer an den einzelnen Tagen die meisten Punkte holt. Am Wettkampftag berät ein Meteorologe die Leitung der Weltmeisterschaft. Sie geben dann eine Streckenführung vor, die die Segelpiloten abfliegen müssen. Je nach Wetter kann die Strecke zwischen 150 und 500 Kilometern lang sein. 

Autor

Newsletter abonnieren

Newsletter abonnieren Täglich gibt es auf Sieben besondere Geschichten aus der Region und der Welt: Exklusive Porträts, Interviews, Texte, Bilder und Videos, aber auch Gastbeiträge angesagter Blogger und Kolumnen unserer Redakteure.

Sieben ist mehr für dich. Verpasse deshalb kein Thema mehr und abonniere den Sieben-Newsletter. Hier abonnieren: HNA Sieben per Mail, einmal die Woche.

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Mehr zur Netiquette.