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Gleich wird's dunkel: Dann herrscht über dem Kasseler Herkules eine besondere Atmosphäre.

Kassel, Göttingen, Spangenberg und Fritzlar anders erleben

So schön ist die Region im Dunkeln: Tipps für kleine Nachtwanderungen

Im Dunkeln kann man die Welt anders entdecken. Das gilt auch für die Region. Wir stellen vier Orte in der Region vor, die sich für einen mehr oder weniger langen Nachtspaziergang besonders anbieten.

Vollmond über dem Kasseler Herkules

Dass der Kasseler Bergpark auch nachts ein besonderer Ort ist, konnte man früher hören. Einmal im Monat trafen sich nordhessische Musiker zum Vollmondtrommeln an der Plutogrotte oberhalb des Aquädukts. Selbst bei Minusgraden musizierten sie, schon der Groove wärmte sie. Für Spaziergänger ist der Bergpark und vor allem der Herkules bei Dunkelheit ebenfalls ein Erlebnis. Wer den Berg vom Schloss hinaufstapft, sieht das beleuchtete Kasseler Wahrzeichen als lohnenswertes Ziel vor sich. Und von oben hat man einen herrlichen Blick über das Lichtermeer der Großstadt. Bei guter Sicht kann man es bis in Richtung Hoßer Meissner blinken sehen.

Welchen Weg man wählt, ist egal. Der Bergpark hat unzählige schöne Seiten. Und wer es etwas weiter mag, kann gleich einen Großteil des Habichtswalds entdecken. Auf der Plattform GPSies.com wird etwa eine 17-km-Runde über das Hohe Gras empfohlen (siehe eingebettete Karte). Die Trommler treffen sich mittlerweile übrigens auch zu Neumond - allerdings nicht mehr im Bergpark, denn der ist nun Welterbe und muss vor Trommelschlägen geschützt werden. Das Vollmondtrommeln findet nun auf dem Skaterplatz "Hall of Fame" direkt unter der Autobahn 49 statt.  

Blick von Göttingen ins Leinetal

Die schönste Nachtwanderung in Göttingen startet im Stadtteil Weende. Los geht es an der Straße „Stumpfe Eiche“, wo auch einige Parkplätze bereitstehen. Die Tour folgt zunächst dem Radweg in Richtung Bovenden. Hier bieten sich bereits grandiose Ausblicke auf die unten im Tal und an den Hängen des Göttinger Waldes liegende Universitätsstadt. 

Alle Artikel unseres Monatsthemas "Lichtblicke gibt es hier.

Der Blick schweift von den Türmen des Neuen Rathauses und der Göttinger Stadtkirchen über die Gebäude der Norduni. So bieten sich auch für Einheimische ungewohnte Blicke auf „die Stadt, die Wissen schafft“. Oberhalb des Bovender Neubaugebiets geht es weiter ins Plessedorf Eddigehausen. Hier startet der sportliche Teil: Über mehrere Kehren geht es hinauf zur Burgruine Plesse, die herrschaftlich über dem Leinetal thront. Von dort reicht der Blick an klaren Tagen bis hin zum Hohen Meißner. Das gesamte Tal liegt hier dem Wanderer zu Füßen. Der Bergfried der Burg wirkt indes gespenstisch, besonders wenn er von Nebelschwaden umgeben ist. 

Zurück geht es zum Beispiel durch den Göttinger Wald und die Billingshäuser Schlucht zur Norduni. Insgesamt ist die Tour ungefähr zwölf Kilometer lang. Sportliche Geher schaffen das mit einer kurzen Pause an der Burgruine in drei Stunden. Eine Taschenlampe und festes Schuhwerk dürfen nicht fehlen. Wer sich im Dunkeln fürchtet, kann auch mit dem Auto bis zur Plesse fahren und den Ausblick genießen, allein oder mit dem Partner – Romantik garantiert.

Blick von der Burg Plesse über Eddigehausen ins Leinetal

Zum Spangenberger Schloss

Spangenberg leuchtet von oben: Auf dem Berg thront das ehemalige Landgrafen-Schloss, mit seinen Türmchen fein illuminiert. Besonders im Dunkeln ist das ein besonderes Ziel.

Die Nachtwanderung startet am Marktplatz. Den Berg hinunter (Klosterstraße) führt der Weg am ehemaligen Karmeliterkloster vorbei. Von der Straße aus ist nur noch die Klosterscheune zu sehen, der imposante Garten mit Mauern des Kreuzgangs ist in privater Hand.

Weiter geht es rechts durch die Jägerstraße und von dort über die Platzgasse (B 487) stadtauswärts zur Treppe, dem Schlossaufgang. Die führt über jahrhundertealte Stufen und bucklige Podeste auf den Berg – Taschenlampe nicht vergessen.

Nach dem Aufstieg belohnt das beleuchtete Schloss die Wanderer – und die Land-Gastwirtschaft mit leckerer Küche aus regionalen Zutaten.

Spangenberger Schloss im Nebel.

Fritzlar beeindruckt selbst Münchner

Kürzlich trafen wir einen Fotografen aus München, der die Bundesstraße 3 von Nord nach Süd ablichtete. Er hatte schon viel gesehen von der Republik und der Welt, freute sich aber vor allem auf die Fritzlarer Altstadt. Wir sagten ihm, er solle ein bisschen Zeit mitbringen, denn an den Fachwerkhäusern rund um den Dom, auf dem Marktplatz und der gesamten Altstadt, werde er sich nicht satt sehen können.

Wer Fritzlar aus verschiedenen Perspektiven erleben will, der sollte diesen Stadtrundgang wählen. Die neun Kilometer lange Strecke führt nicht durch die Altstadt, sondern über den Ortsteil Geismar auch hinunter in die Ederaue, von der man wiederum hoch zum beleuchteten Dom schauen kann.

Eine ganz besondere Stimmung herrscht in der alten Kaiserstadt während der Adventszeit, in der es spezielle Stadtführungen "zwischen Tannengrün und Lichterglanz" gibt - mit Glühwein und anderen Kostproben. Wer dann immer noch Hunger hat, sollte unbedingt das Nägel besuchen. Das Restaurant bietet ein Fleckchen Österreich mitten in Nordhessen.

Der Fritzlarer Dom ist jederzeit eine Attraktion.

Autor

Claudia Feser

Claudia Feser

Jahrgang 1974, seit 2000 bei der HNA und seit 2012 in der Redaktion Melsungen tätig.

ciss@hna.de

Thomas Schlenz

Thomas Schlenz

Jahrgang 1988, Studium der Geschichte und Romanistik in Göttingen. Als Volontär bei der HNA entdecke ich seit 2017 jeden Tag neue spannende Geschichten aus Nordhessen und Südniedersachsen.

tsz@hna.de

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