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Kurz nach der Eröffnung: Das Dez im Jahr 1968. Es wurde innerhalb von neun Monaten gebaut.

Geschichte der Waggonbauer Credé endete nach 70 Jahren

Bau des Kasseler Einkaufszentrums Dez startete vor 50 Jahren

Vor 50 Jahren beendeten Abrissbagger die lange Firmengeschichte der Waggonfabrik der Gebrüder Credé. Ab 1967 entstand das Diskont-Einkaufs-Zentrum – kurz Dez.

Es war damals das sechste seiner Art in der Bundesrepublik.  Die Firma Credé hatte zuvor 70 Jahre lang vor allem Waggons gebaut und diese in alle Welt exportiert. Gegründet worden war das Unternehmen 1897 von den Brüdern Adam und Conrad Credé. Sie verwandelten die Schreinerei ihres Vaters, in der unter anderem die großen neugotischen Türen für den Kölner Dom gefertigt wurden, in eine weltweit tätige Firma.

1400 Menschen waren in Spitzenzeiten bei Credé beschäftigt. Bekannt wurde der Betrieb durch die Konstruktion der Waggons für die Rheingold-Luxuszüge, die 1928 und 1962 gebaut wurden. Sie fuhren von Holland über das Rheintal bis in die Schweiz – zeitweise auch bis nach Mailand. Aber auch für die internationale Schlafwagengesellschaft in Paris waren die Kasseler tätig. 

Abriss und Neubau im Jahr 1967: Die Waggonfabrik Credé verschwand in Niederzwehren. An ihrer Stelle wurde noch im selben Jahr mit dem Bau des Dez-Einkaufszentrums begonnen.

Neben den Waggons stellte Credé auch Straßenbahnwagen, Omnibusse, Gabelstapler, Getränkeautomaten und sogar Mopeds (Modell „Credette“) her.

Mit dem Zweiten Weltkrieg war der Aufstieg der Firma gestoppt. Bereits 1950 war Credé in finanzielle Schieflage geraten, sodass die Stadt Kassel staatliche Kredithilfe forderte, um Massenentlassungen zu vermeiden. Kurzarbeit war angesagt. 1956 übernahm die Dortmund-Hörder Hüttenunion AG – die 1966 im Hoesch-Konzern aufging – den Kasseler Betrieb.

Wende am 1. Februar 1967 

Am 1. Februar 1967 kam dann der Schock für die verbliebenen gut 700 Mitarbeiter. Zum März des Jahres sollte die Fabrik stillgelegt werden. Nach und nach wurde das Inventar verkauft. Noch im selben Jahr wurde die Fabrik zu großen Teilen abgerissen.

Luftansicht: So sieht das ehemalige Credé-Gelände heute aus. Im Bild ist bereits die Erweiterung des Dez zu sehen.

Es sollte Platz geschaffen werden für die Alster GmbH aus Hamburg, die auf dem Areal ihr sechstes Diskont-Einkaufs-Zentrum errichtete.

Das Dez-Einkaufszentrum im HNA Regiowiki.

Nur ein Dreivierteljahr später eröffnete das Dez im Mai 1968 mit zunächst 16 000 Quadratmetern Verkaufsfläche und 1200 Parkplätzen. „Selbstbedienung ist Trumpf“, hieß es damals in unserer Zeitung zum damals noch ungewöhnlichen Konzept.

Zum Start wenig Dekoration 

Anders als heute wurden die Waren seinerzeit ohne aufwändige Präsentation und Dekorationen feilgeboten. Gartengeräte, Autoreifen und Campingbedarf stand einfach nach Themen sortiert in den riesigen Hallen. 23 Händler und Dienstleister waren im Startjahr im Dez vertreten.

Werbung für das Dez: Das Diskont-Einkaufs-Zentrum war das sechste seiner Art in Deutschland.

Inzwischen präsentieren sich im Dez über 100 Fachgeschäfte auf etwa 30 000 Quadratmetern Verkaufsfläche. Zuletzt war der Standort, der zur ECE Projektmanagement aus Hamburg gehört, im Jahr 2012 ausgebaut worden. Von der ehemaligen Fabrik Credé ist nur noch wenig zu sehen: Erhalten ist die Industriellenvilla an der Frankfurter Straße.

Fabrik der Waggonbauer Credé wich Einkaufszentrum Dez

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