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Das Schlimmste, das bei seinen Vorträgen passieren kann, ist, dass man 90 Minuten Spaß hat. Aber ganz sicher lernt man auch noch was beim Coach und Comedian Knacki Deuser.

"Wer nie abbiegt, bleibt auf der Strecke."

Komiker Knacki Deuser ist lustiger als Mario Barth und wird als Coach vielleicht dein Leben verändern

Als Moderator der Kult-Sendung "Night Wash" hat Knacki Deuser die Comedy-Szene geprägt. Nun ist er Coach und gibt unseren Lesern Tipps, wie man sein Leben erfolgreich verändert.

Auch wenn seinen Namen kaum einer kennt: Über Klaus-Jürgen Deuser hat fast schon jeder gelacht. Als Knacki Deuser moderierte der Wahl-Kölner 13 Jahre lang die Kultsendung "Night Wash". In einem Kölner Waschsalon traten spätere Stars wie Mario Barth, Olaf Schubert und Hennes Bender auf. 

Vor vier Jahren hörte Deuser auf. Er ist seither als Solokünstler und Coach unterwegs. Am 29. August (19.30 Uhr) tritt er als Referent in der HNA-Reihe "Vorsprung durch Wissen" in Kassel im EAM-Gebäude auf. Unter dem Titel "Perspektivenwechsel - Wer nie abbiegt, bleibt auf der Strecke" erklärt der 55-Jährige, wie man im Leben anders denken und neu anfangen kann. Das hat Deuser auch gerade selbst getan: Als Mittelstreckenläufer will er sich für die Senioren-Weltmeisterschaften 2018 qualifizieren.

Die wichtigste Frage zuerst: Wie geht es Ihrer Wade?

Klaus-Jürgen Deuser: Die Verletzung ist fast abgeheilt. Ich hatte am Ansatz der Achillessehne eine Entzündung. Da lag immer schon mein Schwachpunkt. Zuletzt habe ich zwei Cortison-Spritzen bekommen, um die ich mich ein halbes Jahr gedrückt hatte. Das hat geholfen. Mittlerweile verspüre ich nur noch ein klitzekleines Ziehen. Letzte Woche habe ich wieder mit dem Laufen angefangen.

Als Mittelstreckler waren Sie schon vor 30 Jahren Leistungssportler. Nun wollen Sie sich 2018 für die Senioren-WM über 1500 Meter qualifizieren. Wie haben Sie das Laufen wiederentdeckt?

Deuser: Ein bisschen gelaufen bin ich immer. Aber mit Mitte 30 waren meine Achillessehnen hinüber. Da habe ich mit Tennis angefangen. Vor eineinhalb Jahren bestritt ich dann ein Spiel gegen jemanden, von dem ich dachte: "Gegen den musst du rückwärts gewinnen." Er aber scheuchte mich über den Platz. Ich verlor haushoch. Als ich nach Hause kam, sagte meine Frau: "Du bist ja noch schlechter gelaunt als vorher. Geh doch lieber laufen."

Und da sind sie gleich wieder Laufen gegangen?

Deuser: Ja, es war herrlich. Der Wiedereinstieg hat sich entwickelt wie die meisten meiner Projekte: Es gab einen Impuls, etwas zu ändern, und dann brauchte ich ein Ziel. Als erstes wollte ich Marathon laufen, was ja viele machen. Nach sechs Wochen war ich aber wieder verletzt und fragte mich: Wieso läufst du eigentlich Marathon? Warum muss es immer weiter, weiter, weiter sein? Was dich immer fasziniert hat, war doch das schnelle Laufen über die Mittelstrecke. Da bin ich auf die Idee mit der Masters-WM gekommen. Ich rief meinen alten Trainer vom ASV Köln an. Henning von Papen ist mittlerweile Bundestrainer für die Mittel- und Langstrecke. Er war gerade bei den Olympischen Spielen in Rio und sagte: „Klar mach ich dir einen Trainingsplan.“ Jetzt arbeiten wir daran, dass ich die 1500 Meter wieder unter 4:30 Minuten laufe, mindestens.

Das alles passt zu dem Ratschlag, den Sie als Coach Ihren Zuhörern geben: „Wer nie abbiegt, bleibt auf der Strecke."

Deuser: Mein großes Thema ist: Anders denken, mutig handeln. Das mit dem Abbiegen ist ein Beispiel dafür, wie man Dinge immer wieder anders betrachten kann. In den meisten Menschen schlummern unglaublich viele Fähigkeiten, aber ohne die Bereitschaft zur Veränderung gibt es keine Verbesserung. Wenn man aber mit seinem Leben zufrieden ist, muss man sich keinen Stress machen.

Wer glücklich ist, kann also ruhig so weitermachen wie immer?

Deuser: Natürlich, das ist völlig in Ordnung. Man muss nicht immer das ganz große Rad drehen. Manchmal reicht es schon, wenn man Kleinigkeiten anders macht. Ich bin jedoch davon überzeugt, dass man langfristig nur Erfolg hat, wenn es eine Weiterentwicklung gibt. Und man kann nur etwas verändern, wenn man dazu bereit ist. Das ist der erste Schritt.

Sie selbst haben 2013 neu angefangen, als Sie sich nach 13 Jahren von "Night Wash" verabschiedet haben, mit der Sie die deutsche Comedy-Szene geprägt haben. Waren Sie in der Midlife-Crisis?

Deuser: Nein, das war ich schon zwei, drei Jahre vorher. Bei „Night Wash“ bin ich einfach an ein Ende gekommen. Ich musste entscheiden: Mach ich das ein Leben lang so weiter? Oder mache ich einen Schnitt und sorge dafür, dass das Format auch ohne mich weiterläuft? Ich war um die 50 und merkte, dass man beim WDR nur junge Comedians wollte. Ich dagegen wollte neue Gesichter fördern – ob sie 25 oder 60 sind. Das ist ein Unterschied. Da bin ich an Grenzen gekommen. Als ich Torsten Sträter vorstellen wollte, sagte eine Redakteurin: „Der hat ja Falten, den kann man nicht als Newcomer nehmen.“ Kurz danach ist er kometenhaft aufgestiegen. Letztlich habe ich immer alles durchgesetzt bekommen, aber es war jedes Mal ein großer Kampf. Darum habe ich mir ein neues Feld gesucht.

Der Neuanfang als Solokünstler war allerdings nicht ganz einfach.

Deuser: Die Veranstalter sagten, sie finden mich total super. Aber sie fragten zugleich: „Bist du auch lustig, wenn du solo bist?“ Die Leute hatten mich nur als Moderator im Kopf. Dabei stand ich bei „Night Wash“ manchmal 40 Minuten auf der Bühne. Und die waren lustig. Im Rheinland hatte ich solo schnell viele Zuschauer. In anderen Gebieten war das hingegen schwieriger.

Woher weiß ich, was ich mit meinem Leben machen soll? Nicht jeder kann ja Comedian werden oder einen Roman schreiben. Von beiden gibt es wahrscheinlich eh schon zu viel.

Deuser: Oft steht am Anfang der Wunsch nach Veränderung. Da sage ich: Hinterfragt das noch mal. Wie neu darf es sein? Der zweite Schritt ist die Lösungssuche. Auch wenn es vielleicht tatsächlich zu viele Romane gibt – es gibt immer wieder einen Autoren, der es schafft. Natürlich ist der Konkurrenzkampf groß. Aber wenn man wirklich einen Roman schreiben will, muss man Qualität abliefern. Das ist das Wichtigste. Ohne harte Arbeit und eine besondere Idee geht es leider nicht. Wer ohne das reich oder berühmt werden will, sollte lieber Lotto spielen. Und so wie ich vom Marathon auf die 1500 Meter gewechselt bin, muss man sich immer wieder hinterfragen: Wenn das mit dem Roman nicht klappt, schreibt man aus dem Stoff vielleicht ein Drehbuch. Ist man nicht bereit, sein Ziel zu ändern, wird es ein unfassbar schwerer Weg.

Wie sind Sie darauf gekommen, nicht nur Comedian zu sein, sondern auch als Coach zu arbeiten?

Deuser: Weil ich das schon seit 25 Jahren mache. Ich habe ja alle Künstler auch geführt und angeleitet – von Mario Barth über Ausbilder Schmidt und Johann König bis Luke Mockridge. Mit vielen habe ich an Nummern gearbeitet, und das hat Spaß gemacht. Dabei sind nicht alle immer einfach. Ausschlaggebend war auch Torsten Sträter. Über mein erstes Buch „How to be lustig“ sagte Torsten zu mir: „Das Buch hat mir erklärt, wie das Geschäft funktioniert.“ Das hat mich bestärkt. Heute habe ich eine große Bandbreite an Kunden. Ich coache Unternehmer, Künstler, Anwälte und Sportler.

Wenn ich nun neu angefangen habe und mich Rückschläge zermürben: Wie bleibe ich da entspannt?

Deuser: Man bleibt nicht immer entspannt. Wir müssen die Angst entmythologisieren. Wer in einen neuen Lebensabschnitt startet und nicht ein Fitzelchen Angst hat, sollte überlegen, ob er wirklich etwas Neues begonnen hat. Es ist leider so, dass es keine hundertprozentige Sicherheit gibt. Das ist ein Problem unserer Zeit: Das Wort Sicherheit ist so mächtig geworden. Risiko und Mut finden gar nicht mehr statt. Aber ohne Mut geht es nicht. Sonst halten uns Angst, Faulheit und keine Zeit davon ab, doch etwas zu ändern.

Welche Rolle spielt Humor für Sie als Coach? Wird Ihr Vortrag lustiger als ein Auftritt von Mario Barth?

Deuser (lacht): Das hoffe ich. Allerdings ist das eine subjektive Wahrnehmung. Millionen Menschen finden ihn unfassbar lustig. Ich kann nicht sagen: „Das ist nicht lustig.“ Mario Barth bedient die größte Nische Deutschlands. Ganz viele mögen ihn nicht. Aber unseren kleinen Waschsalon hat er damals so auseinander genommen wie sonst niemand. Er war der härteste Arbeiter. Für die Masse bin ich wahrscheinlich nicht lustiger als Mario Barth. Sonst hätte ich auch Millionen Zuschauer. Aber ich kriege mein Publikum eigentlich immer zum Lachen. Mit Humor kann man Menschen mit auf eine Reise nehmen. Das Schlimmste, das einem bei meinen Vorträgen passieren kann, ist, dass man 90 Minuten Spaß hat.

Was denken Sie eigentlich, wenn Sie die ganzen jungen Comedians von heute sehen, denen Sie den Weg bereitet haben?

Deuser: Ich finde auch nicht immer alles lustig, aber trotzdem ist die deutsche Comedy super. Manchmal kriegen Comedians dermaßen ab, das sprengt alle Relationen. Mir ist ein Mensch, der auf der Bühne einen schlechten Witz erzählt, fünfmal lieber als jemand, der in der U-Bahn Menschen verprügelt. Menschen, die auf die Bühne gehen, sind für die Gesellschaft gewonnen. Die schreiben, sind kreativ, die machen was. Selbst wenn mich ein Comedian nicht zum Lachen bringt, was ja eigentlich sein Job ist, ist er noch lange kein schlechter Mensch. Er muss halt nur noch als Komiker gut werden.

Zur Person

Geboren: am 28. Mai 1962 in Kaiserslautern als Klaus-Jürgen Deuser

Aufgewachsen: in Koblenz. Deusers Großeltern stammen aus Hofgeismar. Bis heute ist der Wahl-Rheinländer regelmäßig in Nordhessen zu Gast. Demnächst will er auf die documenta.

Ausbildung: BWL-Studium in Köln, Tanz- und Schauspielausbildung in New York

Karriere: Ab 1983 trat Deuser mit der Comedy-Theater-Gruppe „Die Niegelungen" auf. Von 2001 bis 2013 moderierte er das WDR-Comedy-Format "Night Wash". Daneben arbeitete er für andere Shows wie "Zimmer frei!" und war bei Stefan Raabs Firma Brainpool für den Livebereich verantwortlich. Zudem gründete Deuser drei weitere Firmen rund um Produktionen und Consulting.

Privates: Der Vater einer Tochter lebt mit seiner Familie in Köln.

Vortrag von Knacki Deuser in der Reihe "Vorsprung durch Wissen" am Dienstag, 29. August (19.30 Uhr), EAM Kassel, Monteverdistraße 2. Karten für 59 Euro (für HNA-Abonnenten: 49 Euro) gibt es hier.

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