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Im eigenen Rhythmus laufen, ohne darüber nachzudenken: Viele Jogger laufen dem Flow nach. Doch ihn zu erreichen, ist nicht leicht.

Sieben Tipps

So kommst du in den Flow: Über die Challenge, beim Laufen mal loszulassen

Im Flow merkt der Läufer kaum, dass er läuft. Alles fühlt sich nach Einheit und Harmonie an. Doch dieses sogenannte Runner's High zu erreichen, ist nicht leicht. Laufkolumnistin Anna Hughes gibt euch Tipps, um häufiger in den Flow zu kommen.

Gestern lief ich einfach los. Ich hatte einen groben Plan einer Laufstrecke im Kopf. Ohne Uhr, trinken und essen bewegte ich mich aus der Stadt Richtung Feldweg, trabte locker den ersten Anstieg hoch und fand schnell in meinen Rhythmus. Den zweiten Anstieg ging ich etwas langsamer an, schwang meine Arme im Laufschritt mit und kam in den bekannten Flow. Dem Zustand, in dem du nicht wirklich merkst, dass du läufst und sich alles wie eine perfekte Einheit und Harmonie anfühlt. 

Ich suchte nicht danach und hatte mir auch nicht vorgenommen, unbedingt diesem Gefühl hinterherzujagen. Den Flow kannst du nicht bestellen. Er passiert einfach und das kann soweit gehen, dass du über dem Boden zu schweben scheinst und eine Art Schwerelosigkeit erlebst. Dazu lauschte ich einem Musikstück in Dauerschleife, welches den Flow noch verstärkte. Kennst du dieses Gefühl und würdest am liebsten immer dieses Runner´s High erleben? Dann geht es dir genauso wie vielen anderen auch. Laufen soll uns einen Kick bescheren, ein Hochgefühl, das im Alltag oft untergeht nebst allen Herausforderungen im Job und im Privatleben. Und interessanterweise wird gerade das Phänomen des Flows überbewertet. Einerseits kann es motivierend sein, deswegen die Laufschuhe zu schnüren und andererseits klingt es oft nach dem nächsten Kick, wie eine Hetze in unserer Leistungsgesellschaft.

Doch was, wenn du die Sicht auf dein Lauftraining etwas umpolst, zumindest mal für 14 Tage und sieben Läufe. Heißt, du gehst jeden zweiten Tag laufen und schaltest bewusst um von „müssen“ auf „dürfen“. Je mehr es dir gelingt, von deinen Erwartungen loszulassen, umso schöner kann sich das Laufen anfühlen. Ein Nebeneffekt ist dann eben oft der Flow. Nun weiß ich nur zu gut, dass gerade darin eine besondere Herausforderung liegt. Einfach loslaufen, dem Instinkt folgen und kein konkretes Ziel auf der Agenda haben. Hauptsache, es ist wieder ein To-Do auf der Liste abgehakt. 

Willst du dir langfristig Lockerheit, Spaß und deine Gesundheit erhalten, schalte einen Gang zurück. Die Challenge ist, auf dich und deinen Körper zu hören. Will ich heute in lockerem Tempo laufen oder ist mir nach einer flotten Intervall-Einheit? Möchte ich spontan eine längere Runde drehen und neue Pfade entdecken? Mach dir bewusst, dass alles in deiner Hand liegt. Auch wenn du womöglich gern nach Plan trainierst, kannst du dir im Loslassen davon wieder mehr Spaß und Motivation holen. Ich gebe dir sieben Tipps mit auf den Weg, wie du dich für diese kleine Challenge motivieren kannst.

  1. Halte in einem Notizbuch fest, was du gelaufen bist, wie das Wetter war und wie du dich gefühlt hast. Nach sieben Läufen in 14 Tagen kannst du damit einen roten Faden erkennen, welche Bedingungen für dich erfüllt sein müssen, um motiviert zu sein. 
  2. Verabrede dich mindestens einmal in einer Laufgruppe oder mit einem Laufpartner bzw. einer Laufpartnerin. Den Kopf allein frei zu bekommen ist eine feine Sache, aber lockere Gespräche geben oft Input und verringern den Druck auf sich selbst. 
  3. Bereite dein Lieblingsessen vor. Es lohnt sich, manchmal vorzukochen. Stell dir vor, wie du genussvoll nach einem Lauf nach der Arbeit eine gesunde, warme Mahlzeit zu dir nimmst und dafür keinen Aufwand mehr hast. 
  4. Vereinbare einen Termin für eine Entspannungsmassage. Deine Läuferbeine verdienen Entspannung. Einfach mal eine Stunde nichts tun, nur liegen und wirken lassen. Mit frischen Beinen wird der nächste Lauf sicher toll. 
    Lade dir eine neue Playlist herunter. Genau, erstelle eine komplett neue Liste mit Liedern aus einem anderen Genre, wenn du gern Musik beim Laufen hörst. 10-20 Songs sind ausreichend. Merke, wie die Lieder Erinnerungen auslösen oder helfen, ein ganz neues Lauferlebnis zu schaffen. 
  5. Du hast bestimmt schon mal einen richtig miesen Lauf oder gar Wettkampf erlebt, wo einfach nichts rund lief und du dich sogar als Verlierer gesehen hast. Nur dass du nicht deine Ergebnisse bist. Überlege, was du gemacht hast, damit es dazu kam, und was du ändern kannst – auch, wenn es nur ein kleiner Schritt ist. 
  6. Setze die Prioritäten mehr auf dich. Keine leichte Übung, ich weiß. Mit den sieben Läufen kannst du das prima üben. Hat etwas anderes wieder Vorrang, sage dir: Nein, zuerst komme ich. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, sondern nur damit, dir deiner Bedürfnisse bewusst zu werden. Kümmerst du dich darum, trittst du im Job, in der Partnerschaft und im Training viel ausgeglichener auf, wovon wiederum alle anderen auch profitieren.

Zum Schluss noch der beste Tipp: Feiere jeden Meilenstein, jeden Lauf, bei dem du gesund und fit bist – das ist schließlich nicht immer einer Selbstverständlichkeit. Die Anerkennung dir selbst gegenüber für das bereits Erreichte gibt dir Auftrieb und wirkt motivierend. 

Wie unser weiser Albert Einstein wusste: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“ Also, nutze die nächsten Tage dazu, etwas anders zu machen und genieße den Flow.

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