Schwere Bürde: Auf den letzten Metern zum Altenstädter Ortsschild musste Zimmerergeselle Till Arend das Wandergepäck seiner Zunftbrüder tragen. Fotos: zih

Auf traditioneller Wanderschaft

In 1384 Tagen um die halbe Welt: Geselle kehrt nach fast vier Jahren heim

1384 Tage Gesellenwanderschaft kreuz und quer durch die halbe Welt liegen hinter ihm: Till Arend kehrte traditionell, wie es der Zunftsbrauch vorschreibt, an Ostern zurück nach Hause, nach Altenstädt.

Sehnlichst erwartet von Mutter Claudia Arend und ihrem Mann Rainer Arend, der im Naumburger Stadtteil eine Zimmerei betreibt - und dem Rest der Familie und weit über 100 Freunden und Bekannten. Begleitet wurde er auf den letzten Metern zum Ortsschild, hinter dem schon die Grills aufgebaut waren, von 30 wandernden Brüdern des Zimmererhandwerks des Schachts Freie Vogtländer Deutschlands.

Schwerstarbeit geleistet

Bevor Till Arend aber die Dorfgrenze überschreiten durfte, musste er noch einmal Schwerstarbeit leisten. Er bekam das Reisegepäck, die sogenannten Charlottenburger, von allen mitwandernden Zunftbrüdern aufgebürdet. Dann bildeten die mit ihrem Stenz, dem Wanderstab, eine Leiter, auf der Till Arend das Ortsschild erklimmen konnte. Von dort fiel er dann rückwärts auf das Dorfgebiet, natürlich aufgefangen von seinen Schachtbrüdern. Damit war er nach alter Tradition wieder in der Heimat angekommen.

Endlich wieder zurück: Zimmerergeselle Till Arend trifft nach 1384 Tagen Walz seine Stieftochter Emma.

Große Wiedersehensfreude

Inzwischen hatten sich die Himmelsschleusen geschlossen, doch es blieb sehr feucht. Denn nun begann für Till Arend, der einen Tag später, am Ostersonntag 27 Jahre alt wurde, die große Wiedersehens- und Begrüßungstour. Umarmt wurden seine Eltern, Großeltern, Geschwister und natürlich Freundin Lisa mit ihrer Tochter Emma. Diesen Augenblick hatte Till Arend zwar sehnlichst, aber auch mit ein wenig Angst erwartet. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich dabei so nah am Wasser gebaut habe.“ Denn trotz aller männlichen Stärke konnte auch er seine Freudentränen über das Wiedersehen nicht zurückhalten.

Warten auf den Sohn: Rainer und Claudia Arend hatten für ihren Till eine große Wiedersehens-Party vorbereitet.

Eine weitere Aufgabe musste der Heimgekehrte noch erledigen. Nämlich die Schnapsflasche wieder ausgraben, die er am Tag, als er am 1. Juli 2013 seine Gesellenwanderschaft begann, am Altenstädter Ortsschild verbuddelt hatte. Während seiner Gesellenwanderschaft, in der Till Arend sich seinem Heimatdorf nicht mehr als 50 Kilometer nähern durfte, hat er die halbe Welt erkundet. Er arbeitete in der Schweiz, Frankreich, Neuseeland, am norwegischen Nordkap, in Kanada, Indien und Brasilien. Im südamerikanischen Olympialand baute er das Rad-Velodrom mit auf.

Vor zwei Wochen meldete sich Till Arend im Fichtelgebirge in der dortigen Gesellenherberge wieder als „Einheimischer“ zurück. Nun durfte er die letzte Etappe bis Altenstädt antreten.

Zurück in der Heimat wartet aber schon die nächste Herausforderung auf ihn. In wenigen Tagen beginnt seine Ausbildung an der Zimmerer-Meisterschule in Kassel.

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