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Hat Karriere und Familie unter einen Hut gebracht: CDU-Politikerin Inse-Marie Ortgies.

"In der Stadt würde ich wahnsinnig"

Ein Leben für die Heimat: Politikerin Inse-Marie Ortgies liebt das Wangerland

Im Wangerland kennt jeder Inse-Marie Ortgies. Die ehemalige CDU-Landtagsabgeordnete hat fast ihr halbes Leben in der Politik verbracht. Wer sich mit ihr trifft, erfährt einiges über die Menschen an der Nordsee. 

Was uns an Inse-Marie Ortgies fasziniert, ist diese tiefe, rauchige Stimme und dieses heitere, unverblümte Lachen. Die politische Karriere der ehemaligen CDU-Landtagsabgeordneten liegt schon eine Weile zurück, jetzt genießt die 73-Jährige im Wangerland den Ruhestand mit ihrer Familie. 

Dass wir Inse-Marie Ortgies in ihrem Zuhause in Hohenkirchen besuchen dürfen, hat sich ziemlich spontan ergeben. Umso mehr freuen wir uns, dass sie und ihr Mann Früsmer, der im Wangerland den Namen „Der Deichgraf“ trägt, uns so herzlich empfangen und ganz offen mit uns sprechen. Als wir das Haus betreten, fällt uns sofort der rotweiße Schal über einen Stuhl hängend auf. Kaum zu glauben, aber die waschechte Ostfriesin ist Fand es FC Bayern: „Keine Ahnung, warum. Ob das früher mit Franz Beckenbauer entstanden ist, als er noch jung und schick war? Ich weiß es nicht.“ Egal, der Schal wärmt, während wir mit ihr durch den großen Garten gehen und ein wenig den Blick durch das Wangerland schweifen lassen.

Eigentlich kommt Inse-Marie aus dem Landkreis Wittmund, es war die Liebe, die sie 1964 ins Wangerland, auf den Hof ihres künftigen Mannes Früsmer in Grimmens gebracht hat: „Ich weiß, was Tradition bedeutet. Und als mein Mann und ich geheiratet haben, war das selbstverständlich. Seitdem bin ich Wangerländerin und ich fühle mich hier pudelwohl.“ Sagt sie und bereitet uns erst einmal einen leckeren Ostfriesentee zu.

Inse-Marie Ortgies war die Landwirtschaft nicht fremd, sie selbst ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Nach der mittleren Reife wollte sie eigentlich Abitur machen, aber das Gymnasium in Jever war mit öffentlichen Verkehrsmitteln quasi unerreichbar. Also hat sie eine Lehre in der ländlichen Hauswirtschaft gemacht: „Das war für meine Eltern selbstverständlich. Dann bin ich zu einer Reifensteiner Landfrauenschule gekommen, nach Wöltingerode, wo wir nicht Schülerinnen waren, sondern Maiden. Dieses Jahr hat mich geprägt und ich bin bis heute eine Maid“, sagt sie stolz. (Das Wort „Maid“ ist eine Zusammensetzung aus: Mut, Ausdauer, Idealismus und Demut). 

Dasselbe gilt für ihre Kindheit: „Wir waren eigentlich vier Mädchen, aber zwei meiner Schwestern sind schon vor meiner Geburt gestorben. Meine ältere Schwester ist 14 Jahre älter und so bin ich im Grunde als Einzelkind aufgewachsen, sehr behütet. Ich habe ein wunderbares Elternhaus gehabt, davon träume ich heute noch.“

Eine gute Kindheit und Lehrzeit macht einen stark für das ganze Leben. Insofern verwundert es nicht, dass Inse-Marie Ortgies den Mut hatte, in die Politik zu gehen. 1974 ist sie in die CDU eingetreten, 1976 hat sie das erste Mal für den Gemeinderat kandidiert – und wurde gewählt! 1980 kam sie in den Kreistag, bis 2001 war sie Mitglied im Gemeinderat und Kreistag und von 1994 bis 2008 im niedersächsischen Landtag, wo sie die Sprecherin für den Bereich Tourismus war – auch für das Wangerland: „Ich habe stets versucht, für meinen gesamten Wahlkreis das Beste herauszuholen, und durch Teilnahme an vielen Terminen den Kontakt zu den Menschen Vorort zu erhalten. Vergessen darf ich dabei nicht, meine Insel Wangerooge. Manches haben wir erreicht, aber auch damalige Knackpunkte wie zum Beispiel die Vertiefung des Fahrwassers sind bis heute immer noch nicht geregelt, leider!“

Und das alles hat sie gestemmt, obwohl sie Mutter zweier Kinder war und es noch den landwirtschaftlichen Betrieb gab: „Wenn man als Frau einen Posten übernimmt, braucht man unbedingt die Unterstützung der Familie. Wenn die Familie nicht mitmacht, dann kann man das nicht schaffen. Bevor Inse-Marie 1994 in den Landtag ging, bildete sie auf dem Hof Lehrlinge in der ländlichen Hauswirtschaft ausgebildet, und zwar 23 Lehrlinge in 25 Jahren. 

Das klingt nach einem schwierigen Doppelleben. Aber da protestiert die Ex-Politikerin: „Alles war einfach sehr genau eingeteilt, der Terminkalender stand. Da ich fast ständig unterwegs war hat ein ehemaliger Lehrling fast 16 Jahre unseren Haushalt geschmissen. Jede freie Zeit galt meiner Familie. Ich habe immer versucht, mir möglichst den Sonntag frei zu halten.“

Die Kinder Elka und Tjarko,1965 und 1969 geboren, sind längst erwachsen. Beide haben inzwischen selbst Kinder. Das ist für Inse-Marie ihr größtes Hobby: „Wir machen vieles miteinander, die Kinder und Enkelkinder sind das Wichtigste für uns.“ Aber das ist natürlich nicht alles: „Ich lese gerne, ich bin im Rotary Club aktiv, außerdem habe ich einen sehr netten Freundeskreis“, sagt sie und strahlt. Keine Frage, diese Frau ist mit sich im Reinen. Und so trauert sie auch der politischen Karriere, die sie 2008 an den Nagel gehängt hat, nicht hinterher: „Ich habe eine wunderschöne Zeit in der Politik gehabt, natürlich ging es immer auf und ab. Aber ich möchte nichts missen; auch nicht die Zeiten, die nicht so leicht waren. Denn da lernt man Menschen kennen, denen man vertrauen kann und die bis heute noch enge Freunde sind.“

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Inzwischen sind wir in ihrem Büro und schauen uns die vielen Fotos an der Wand an, die sie mit anderen Politikern zeigen. Natürlich könnte sie über ihre Mitstreiter viel erzählen, aber Inse-Marie ist eine Dame und schweigt, während sie sich erneut eine Zigarette anzündet. Wir blicken wohl etwas irritiert drein, daher erklärt sie uns: „Bei uns im Haus wird noch geraucht, und wem das nicht passt, der soll wegbleiben. Ich rauche schon so lange, jeder weiß das.“

In der Küche ihres gemütlichen Wohnhauses trinken wir anschließend noch einen Kaffee. Draußen weht ein kalter Wind. Das ist typisch für unsere Heimat, der sich auch Inse-Marie bis heute mehr als verbunden fühlt: „Wenn man vom flachen Land kommt, hat man hier seine Wurzeln geschlagen. Ich kann mir nicht vorstellen, in der Stadt zu leben und dann vielleicht auch noch im dritten Stock. Mich zu verpflanzen, wäre das Schlimmste, was man mir antun könnte. Friesland ist meine Heimat, hier will ich bleiben, solange der liebe Herrgott das zulässt.“ Da sind wir jetzt mal ganz optimistisch. Denn Inse-Marie Ortgies ist auch heute noch eine echte Powerfrau, mit viel Kraft, einer wahnsinnig positiven und faszinierenden Ausstrahlung und hat einen langen Atem.

Von Sylke Sdunzig

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