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Trauern um Emmi Sophie: Nicole und Alexander Gräser am Bett ihrer toten Tochter.

„Die Beerdigung reißt auch finanziell eine riesige Lücke“, sagt der Vater.

Diese Familie verkauft die Sachen ihrer toten Tochter, um die Beerdigung von Emmi Sophie zu bezahlen

Nicole und Alexander Gräser haben das Schlimmste durchgemacht: Gerade ist ihre elf Monate alte Tochter gestorben. Nun verkaufen sie die Sachen von Emmi Sophie auf Ebay, um die Beerdigung zu bezahlen.

Es ist der Albtraum aller Eltern. Es ist der Horror. Für Nicole (32) und Alexander (29) Gräser, die im vergangenen Jahr von Zwickau nach Hauptschwenda bei Neukirchen zogen, ist es Wirklichkeit. Sie müssen die Beerdigung ihres Kindes vorbereiten. Auf Facebook bitten die Schwälmer um Hilfe. 

Nur elf Monate hat Emmi Sophie gelebt, am 8. Juli wäre sie ein Jahr geworden. Vor wenigen Tagen ist sie in der Kinderklinik in Gießen gestorben. Um sich ein schönes Begräbnis für ihre Tochter leisten zu können, haben Gräsers auf Facebook zu einer privaten Spendenaktion aufgerufen. 

Das weiße Gitterbett im Kinderzimmer ist verwaist, daneben türmen sich Babysachen, die in diesem kleinen Haus mit Garten am Rand von Hauptschwenda niemand mehr braucht. Den neuen Auto-Kindersitz hatten sie vor fünf Wochen für Emmi Sophie erstanden, auch der Buggy sieht noch aus wie neu. 

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Alexander Gräser hatte die Idee, Emmi Sophies Sachen zum Verkauf anzubieten und auf Facebook zu einer privaten Spendensammlung aufzurufen. „Die Beerdigung reißt finanziell eine riesige Lücke, damit rechnet man nicht“, sagt der 29-jährige gelernte Fachinformatiker, der bisher nur als Leiharbeiter bei einer Firma in Stadtallendorf eine Stelle gefunden hat. 

Zuvor war er in Sachsen seit Längerem arbeitslos gewesen. Der Kinder wegen wollte das Ehepaar aufs Land ziehen, man hatte in Hauptschwenda ein neues Zuhause gefunden, das sich die Familie leisten konnte, auch ein größeres Auto wurde gekauft, das Platz für vier Kinder hat. Beerdigt wird Emmi Sophie aber in Röllshausen, wohin die Familie noch diesen Sommer umzieht.

Emmi Sophie war ihr jüngstes von vier Kindern „Nach den beiden Jungs hatten wir uns ein Mädchen gewünscht“, berichtet die Mutter niedergeschlagen. Wie ihre Tochter Chantal (12) war auch Emmi Sophie mit einem Herzfehler geboren, entdeckt wenige Tage nach ihrer Geburt. Chantal hatte ihre Herzoperation als Baby gut überstanden. 

Anders Emmi Sophie. Sie musste von Mittwochabend bis Donnerstagmorgen gleich dreimal operiert werden, Komplikationen traten auf. Es ist in Worten kaum zu beschreiben, was die junge Familie seitdem durchgemacht hat. Hoffen und Bangen, Trauer und Wut. Sonntagnacht um 1 Uhr der Anruf: „Ihre Tochter ist hirntot.“ 

Nicole Gräser schüttelt leicht mit dem Kopf, als sie dies erzählt, kann alles noch immer nicht richtig fassen. Am nächsten Vormittag ließen sie die Geräte abschalten, die Emmi Sophie am Leben hielten. „Sie lag in meinen Armen, als ihr Herz aufgehört hat zu schlagen“, sagt die Mutter und presst dabei ihre Lippen zusammen.

Auf einem Video zeigt sie Emmi Sophie, wie sie wenige Tage vor der Operation fröhlich krabbelt. Der ursprüngliche Operationstermin am 11. Mai war vom Krankenhaus verschoben worden, „am Ende war es vielleicht zu spät“, sagt Nicole Gräser. In dieser Woche wird Emmi Sophie beerdigt. In Röllshausen, denn dies soll das neue Zuhause von Nicole und Alexander Gräser werden. 

Da mit vier Kindern das Haus in Hauptschwenda etwas klein war, wollten sie Ende August umziehen. Daran halten sie auch fest. „Hier stecken zu viele Erinnerungen drin“, sagt Alexander Gräser.

Hilfsaufruf auf Facebook 

Diesen Post setzte die Trauerfamilie ins soziale Netzwerk Facebook: "Liebe Freunde, Familie, Bekannte und Außenstehende, wir müssen uns leider von unserer lieben Tochter Emmi Sophie verabschieden .... es wäre wirklich toll, wenn ihr uns ein bisschen unterstützen könnt, die Beerdigung zu bezahlen... jeder Cent hilft uns, Emmi ein schönes Grab zu gestalten. Für alle Zweifler: Wer genaueres wissen will, schreibt mich (Alexander Gräser) an und dann kläre ich Fragen. Es ist auch ohne euch schon eine kaum auszuhaltende Situation für unsere Familie und entschuldigt, wenn hier ein lebensfrohes Foto von ihr drin ist und nicht eins aus ihren letzten Stunden. An den Rest: Wir können es gar nicht in Worte fassen, dass es schon so viele geteilt und unterstützt haben. Vielen Dank dafür." 

Kontakt zu Familie Gräser ist möglich über diese Seite oder telefonisch unter 06694/9102116.

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