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Mit viel Herzblut: Die 22-jährige Helen Neuwirth hat im Internet ein Crowdfunding gestartet. Sie will an der Frankfurter Straße Hessens ersten Laden eröffnen, in dem es überwiegend unverpackte Lebensmittel gibt.  

Crowdfunding-Aktion 

Unverpackt genießen: Der Traum vom Einkauf ohne Plastikmüll

Verpackungen und der aus ihnen resultierende Müll sind Herausforderungen unserer Zeit. Deutschlandweit eröffnen daher Unverpackt-Läden - eine 22-Jährige möchte diese Idee nun auch nach Kassel bringen.

Helen Neuwirth, die vor drei Jahren aus Edingen in der Nähe von Heidelberg nach Kassel gezogen ist, hat daher ein Crowdfunding-Projekt für das erste fast verpackungsfreie Geschäft in Nordhessen gestartet.

Aktualisierung vom 14.6.: Das Crowdfunding-Ziel wurde mittlerweile erreicht - der Laden soll im August eröffnet werden

Die Inhalte ihres Architekturstudiums, das merkte sie schnell, waren nicht das, was sie später einmal beruflich machen möchte.

„Seit ich zuhause ausgezogen bin, hab ich mich immer wieder beim Einkaufen geärgert“, erzählt die 22-Jährige. Besonders bei Obst und Gemüse habe es sie immer gestört, wenn beispielsweise Tomaten noch zusätzlich in Plastikfolie eingepackt sind.

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Seit Längerem hatte sich in ihrem Kopf der Plan festgesetzt, irgendwann einen eigenen Laden mit größtenteils unverpackten Lebensmitteln zu eröffnen. Dass die junge Frau sich ihrer Sache sicher ist, merkt man schnell, wenn Neuwirth spricht. Über die Idee der Unverpackt-Läden, der erste wurde 2015 in Berlin eröffnet, hat sie die junge Unternehmerin umfassend informiert. Was die Buchführung angeht, holt sie sich Unterstützung, aber ist auch hier überzeugt, „das werde ich lernen.“

Viel Unterstützung aus dem Stadtteil

Nachdem bekannt wurde, dass der Bioladen Butterblume in der Kasseler Südstadt schließt, nahm die Idee dann relativ schnell konkrete Formen an. „Gerade hier im Stadtteil habe ich viel Unterstützung bekommen“, erzählt Neuwirth. Man merkt, dass den Bewohnern hier ihr Bioladen fehlt und sie viel daran setzen, dass es nach der Schließung des Bioladens Butterblume eine neue Möglichkeit gibt. 

Wenn die Finanzierung steht, könnte das Ladenlokal in der Frankfurter Straße 73 zum August bezogen werden. Von der bisherigen Butterblume bleibt nur der Name. Außerdem bekommt sie Unterstützung von Karin Hesse, die bereits viele Jahre im alten Bioladen als Verkäuferin gearbeitet hat.

Erst abfüllen dann wiegen: Getreide, Bohnen, Nudeln, Nüsse und vieles mehr kann man in Unverpackt-Läden in eigene Gefäße abfüllen. Das spart Verpackungsmüll.  

Neuwirth will regionale und saisonale Waren anbieten. Neben Obst und Gemüse soll es auch Getreide in verschiedensten Formen und Trockenprodukte wie Reis, Nudeln, Bohnen oder Gewürze geben. Milchprodukte werden in Pfandgläsern angeboten, Fleisch gibt es auf Bestellung. Auch flüssige Lebensmittel, wie zum Beispiel Öle kann man sich abfüllen.

Ein Behältnis für die unverpackten Lebensmittel bringen die Kunden selbst mit oder aber kaufen es im Laden. „Ich möchte außerdem, dass mein Laden wieder mehr wie ein Tante-Emma-Lädchen eingerichtet ist und nicht so wie die großen Supermärkte“, sagt Neuwirth.

Ihre Familie unterstützt Neuwirth bei ihren Plänen. „Meine Eltern haben mir natürlich gewünscht, dass es gut läuft“, sagt sie. Sie seien aber doch überrascht, dass es alles so schnell geht. Ihr Freund findet es toll, was sie mache, auch weil er weiß, dass es ein langer Wunsch ist. „Ich gehe davon aus, dass ich gerade am Anfang fast rund um die Uhr mit meinem Laden beschäftigt sein werde“, sagt Neuwirth. Aber das ist es ihr wert.

Hintergrund: So funktioniert das Konzept

  • Hygiene: Ein wichtiges Thema bei Unverpackt-Läden ist Hygiene. So sind die Spender luftdicht verschlossen und werden vor jedem erneuten Befüllen gereinigt. Wer sich zu viel genommen hat, muss die überschüssige Ware an der Kasse abgeben, damit sie nicht erneut verkauft wird. An der Brot- und Käsetheke dürfen die mitgebrachten Behältnisse nicht mit hinter die Theke genommen werden.
  • Preis: Laut Neuwirth sind Bioprodukte ungefähr 30 Prozent teurer. Wenn aber bei haltbaren Lebensmitteln eine große Menge abgenommen werde, mache sich der Preisunterschied kaum bemerkbar.
  • Sortiment: Gänzlich ohne Verpackung kommt auch ein Unverpackt-Laden nicht aus. Aber der produzierte Müll wird deutlich reduziert. Neben Obst, Gemüse, Getreideprodukten will Neuwirth auch Biokosmetikprodukte anbieten. Auch unverpacktes Klopapier wird es zu kaufen geben.

Hintergrund: So funktioniert Crowdfunding

Crowdfunding bedeutet übersetzt so viel wie Finanzierung durch die Masse. Das heißt, dass jemand ein Projekt im Internet vorstellt und dort Interessierte Geld zur Finanzierung beitragen können. Für Helen Neuwirth auch eine gute Möglichkeit, um zu testen, ob die eigene Idee auch andere anspricht. 

Das Ziel von Neuwirth sind 25.000 Euro als Startkapital für ihren Unverpackt-Laden. Insgesamt läuft das Crowdfunding 30 Tage und noch bis zum 26. Juni. Bereits nach einer Woche sind schon über 10.000 Euro zusammengekommen. Alle Spender bekommen, wenn sie möchten, je nach Höhe der Summe ein kleines Dankeschön. 

Wer keinen Internetzugang hat, kann das Projekt am 3., 10. und 24. Juni jeweils von 11 bis 13 Uhr im Geschäft von Eisen- und Haushaltswaren Koch in der Frankfurter Straße 57 unterstützen. 

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