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Die Bikuh-Werbung wird vor allem gesehen, wenn das Rad gerade nicht bewegt wird.

Schon vor dem Start sorgt die App Bikuh für Aufsehen

Diese revolutionäre App macht Radfahrer reich

Eigentlich gibt es genügend Gründe, Rad zu fahren. Dank einer neuen App kann man auf dem Velo mit Werbung nun auch noch Geld verdienen. Gründerin des Start-up Bikuh ist eine Kasselerin.

Wer würde das nicht gern haben? Einen knackigen Hintern, mit dem Radfahren Geld verdienen und nebenbei auch noch die Umwelt retten? Das Frankfurter Start-up Bikuh verspricht genau das - mit einer neuen App, die sich die Kasselerin Angela Gonzales ausgedacht hat. 

Das Prinzip ist so einfach wie revolutionär: Radfahrer, die sich bei Bikuh kostenlos anmelden, bekommen eine Werbescheibe in ihr Vorderrad montiert und anschließend für jeden gefahrenen Kilometer 20 Cent. Mit ihrem Unternehmen gewannen Gonzales und ihr Kollege Patrick Kolb den mit 20.000 Euro dotierten Ideenwettbewerb Klimaschutz für Frankfurt. Zudem sind für die GreenTec Awards, Europas größten Umwelttechnologiepreis, nominiert. 

Erfolgreiche Jungunternehmer: Patrick Kolb und die aus Kassel stammende Angela Gonzales.

Der Startschuss für Bikuh soll im April in der Mainmetropole fallen. In einer Testphase von August bis November legten 80 Radler fast 50.000 Kilometer zurück. Registriert hatten sich sogar 500. Die neuartige Werbeform, die hierzulande einzigartig ist, scheint ein Renner zu werden.

Auf die Idee kam Gonzales in Australien, wo eine Firma Unternehmen an Radler vermittelt, die dann Werbebanner hinter sich herziehen. Die 29-Jährige, die in Holland Projektmanagement studiert hat, träumte schon länger von einem Geschäftsmodell, das "einen gesellschaftlichen Mehrwert bietet und etwas Positives für die Umwelt leistet". 

Radfahren passt dazu bestens. Schon eine zweiprozentige Steigerung des Radverkehrs spart jährlich 2,36 Millionen Tonnen CO2 ein, wie das Öko-Institut berechnet hat. Gonzales, die für ein Praktikum nach Frankfurt zog, legt mit ihrem Fixie-Rad täglich mindestens 15 Kilometer zurück.

Wer bei Bikuh mitmachen will, muss mindestens 100 Kilometer im Monat radeln. Den Werbepartner kann man sich aussuchen. Gonzales und Kolb wollen vor allem Unternehmen ansprechen, die für Nachhaltigkeit stehen. Tabakkonzerne und Waffenproduzenten etwa sind tabu. 

Per GPS misst die App, wer wie lang unterwegs ist. Hin und wieder muss man sein in der Stadt abgestelltes Rad fotografieren - damit niemand schummelt. Denn die Werbung wird vor allem gesehen, wenn das Rad gerade nicht bewegt wird. Bei Regen und Kälte gibt es sogar Schlechtwetterzuschläge. 

Schon eine zweiprozentige Steigerung des Radverkehrs spart jährlich 2,36 Millionen Tonnen CO2 ein.

Eine Produktdesignerin arbeitet an einer Werbeanbringung aus umweltfreundlichen Materialien. Zugleich muss die Scheibe möglichst luftdurchlässig sein, damit der Wind die Bikuh-Radler nicht von der Straße bläst. Mehr als 100.000 Euro werden die Jungunternehmer dank Förderprogrammen in ihr Unternehmen gesteckt haben, bevor es im Frühling richtig los geht. Zweiter Standort neben Frankfurt könnte Berlin werden. 

Und vielleicht sieht man die Rad-Werbung auch bald durch Gonzales' hügelige Heimatstadt Kassel rollen. Dort kann man mit dem Velo derzeit zwar noch kein Geld verdienen, aber immerhin welches sparen. Bereits vor einem Jahr hat das Kölner Unternehmen Radbonus eine kostenlose App auf den Markt gebracht, mit der sich Rabatte bei Partnern wie Sportscheck erstrampeln lassen.

Sieben Gründe, Rad zu fahren

1. Das Rad ist schneller. Bei Strecken bis zu fünf Kilometern kommt in der Stadt kein Auto mit. 

2. Das Rad ist billiger. Selbst ein günstiges Auto verursacht monatlich Kosten in Höhe von 300 Euro. Ein 500 Euro teures Rad kann hingegen ein Leben lang halten. 

3. Radfahren macht fit. Wer täglich mit dem Rad zur Arbeit fährt, kann sich das Fitnessstudio sparen. 

4. Mit dem Rad entdeckt man Stadt und Land. Wer nicht mit 50 und mehr Sachen durch die Gegend braust, sieht seine Umwelt mit ganz anderen Augen - wie etwa auch dieser Radkurier im Video zum Song "Whose Authority" der US-Indierock-Band Nada Surf. 

5. Radfahren rettet die Umwelt. Ein Pkw produziert pro Passagier und gefahrenem Kilometer zwischen 140 und 270 Gramm CO2. Selbst wenn man Herstellung und Wartung eines Velos berücksichtigt, ist die CO2-Bilanz des Radlers mit 21 Gramm pro Kilometer immer noch unschlagbar.

6. Radfahren ist cool. Das sieht man mittlerweile sogar im "Tatort". Früher stiegen die TV-Kommissare in den BMW, heute haben sie ein schickes Fixie-Rad im Flur stehen. 

7. Das Rad macht den Autofahrern das Leben leichter. Das mag man nicht glauben, wenn gerade mal wieder ein Rüpelradler bei Rot über die Kreuzung gesaust ist. Aber jedes Velo bedeutet ein Auto weniger und damit weniger Stau.

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