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Es ist kalt, die Luft ist trocken - und die Augen tränen. Unsere Expertin erklärt, warum diese Phänomen im Winter auftritt.

Ärztin gibt Tipps gegen Austrocknen der Augen

Tränende Augen im Winter: Das hat es damit auf sich

Leser fragen, Ärzte antworten: In unserer Gesundheitsserie beantworten Experten Leserfragen. Heute geht es um tränende Augen im Winter und was man dagegen tun kann.

"Ich leide im Winter, wenn es kalt ist, sehr oft unter tränenden Augen. Kaum habe ich das Haus verlassen, fließen die Tränen. Auch im Büro kommt das häufig vor. Was kann ich tun?“, fragt eine Leserin aus Kassel.

Antworten hat Dr. Julia Dotting, Oberärztin an der Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Kassel.

Julia Dotting

Im Winter leiden laut Dotting viele Menschen unter tränenden Augen. „Die Luftfeuchtigkeit ist durch die Kälte in der Regel geringer als bei warmer Witterung“, sagt sie. Kalte und trockene Luft könne nicht nur zu rauer Haut, spröden Lippen sowie trockenen Nasen- und Rachenschleimhäuten führen, sondern auch zu trockenen Augen. Das Auge reagiere darauf mit einer vermehrten Produktion von Tränenflüssigkeit. Dotting: „Betroffene spüren häufig auch ein Brennen in den Augen und werden schneller müde.“ Trockene Heizungsluft sorge im Winter zusätzlich für eine geringere Luftfeuchtigkeit in den Innenräumen. Außerdem begünstige das häufige Arbeiten an Computer und die Nutzung von Tablets und Smartphones das Austrocknen der Augen. „Durch das konzentrierte Schauen auf den Bildschirm ist der Lidschlag, der für das Befeuchten der Augen sorgt, reduziert“, sagt die Augenärztin.

Wohnung gut lüften

Sie empfiehlt, die Wohnung regelmäßig gut durchzulüften, sich möglichst oft im Freien an der frischen Luft aufzuhalten und gegebenenfalls Tränenersatzmittel, beispielsweise mit Hyaluronsäure als Feuchtigkeitsspender, in die Augen zu tropfen. Beim Arbeiten am Computer rät sie, regelmäßig die Augen kurz zu schließen und bewusst zu blinzeln.

Gegen trockene Augen: Tränenersatzmittel halten die Augen feucht.

Trockene Augen

Etwa neun Millionen Menschen in Deutschland leiden nicht nur im Winter, sondern dauerhaft unter trockenen Augen, was die Lebensqualität deutlich einschränken kann.

Der Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer äußeren Fettschicht, die als Verdunstungsschutz fungiert, einer mittleren Wasserschicht, die das Auge feucht hält und mit Nährstoffen versorgt sowie einer Schleimschicht, die als Gleitschutz dient.

Bei etwa 80 Prozent der Betroffenen ist laut der Fachärztin die Fettschicht unzureichend, sodass die Wasserschicht schneller verdunstet und das Auge trocken wird. Meistens sind die Drüsen in den Augenlidern, die die Fettschicht produzieren, verstopft. Ist das der Fall, müssen die verstopften Drüsen regelmäßig mit Hilfe einer Lidrandpflege von der Verstopfung befreit werden. Dabei werden die Lidränder zunächst erwärmt. Anschließend wird mit einem Wattestäbchen leichter Druck entlang der Lidränder ausgeübt. Dotting: „Die Lidrandpflege müssen Betroffene gegebenenfalls morgens und abends vornehmen.“ Außerdem sollten die Augen mit Tränenersatzmittel feucht gehalten werden. „Diese Mittel müssen die Betroffenen leider selbst bezahlen“, sagt sie.

Zu wenig Tränenflüssigkeit

Ein weiterer, aber seltener Grund für dauerhaft trockene Augen ist zu wenig Tränenflüssigkeit. Menschen, die darunter leiden, sollten der Ärztin zufolge die Augen mehrmals am Tag mit Tränenersatzmittel befeuchten. Sie rät: „Wer unter trockenen Augen leidet, sollte auf jeden Fall die Ursache von einem Augenarzt abklären lassen, um die optimale Therapiemöglichkeit zu finden.“ 

Zur Person

Dr. Julia Dotting wurde 1981 in Kassel geboren. Medizin studierte sie in Göttingen. Seit 2008 ist sie an der Klinik für Augenheilkunde des Klinikums Kassel tätig, wo sie auch ihre Ausbildung zur Fachärztin für Augenheilkunde absolvierte. Oberärztin ist sie seit 2015. 

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Hintergrund: Tränenwegverstopfung und Lidfehlstellungen

Ist der Tränenweg verstopft oder liegt eine Lidfehlstellung vor, so kann dies ebenfalls zu trockenen Augen führen. Diese Ursachen müssen Dr. Julia Dotting zufolge von einem Augenarzt behandelt werden. Bei Verdacht auf eine Verstopfung des Tränenwegs sollte der Tränenkanal gespült werden. In hartnäckigen Fällen kann die Verstopfung mit einem Ballonkatheter oder operativ beseitigt werden. Außerdem gibt es Lidfehlstellungen, die auch zu einem trockenen Auge führen können. Beim sogenannten Ektropium beispielsweise ist das Unterlid nach außen gedreht, sodass die Tränenflüssigkeit nicht im Auge abläuft, sondern aus dem Auge heraus. Beim Gegenstück, dem Entropium, ist das Unterlid nach innen gewölbt, sodass die Wimpern am Augapfel reiben und Reizungen hervorrufen können. Beide Formen können mit einer Operation beseitigt werden.



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