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Trend Tragetuch: Babys werden wieder vor den Bauch gebunden

Dörnberg. Babys werden wieder getragen statt geschoben: Das Tragetuch erlebt ein Comeback. Eine Trageberaterin erklärt, wie das Baby richtig ins Tuch gewickelt wird. 

Wer hätte das gedacht: der Kinderwagen als Bösewicht. Doch der bequeme Baby-Beförderer hat in der Tat dafür gesorgt, dass etwas aus der Mode gekommen ist, was früher selbstverständlich war: das Tragen von Babys. Seit etwa fünf Jahren erlebt das Tragetuch allerdings eine Renaissance – um nicht zu sagen einen Boom.

Melanie Baronelli-Hoop aus Dörnberg ist geprüfte Trageberaterin. Die 30-Jährige erklärt Eltern, wie sie sich ihr Kind richtig vor den Bauch oder auf den Rücken binden. Das klingt zunächst so, als hätten die Eltern von heute das Tragen verlernt. „Das nicht, aber viele haben Angst, dass das Kind rausrutscht“, sagt die Beraterin, die selbst dreifache Mutter ist. Das Vertrauen in das Tuch fehle.

Väter wählen Tragehilfen

Das korrekte Binden muss erst gelernt werden – ähnlich wie bei Schnürsenkeln. „Wenn man beim Vorbeugen das Gefühl hat: Ich muss das Kind festhalten, dann sitzt das Tuch noch nicht sicher genug“, erklärt Baronelli-Hoop. Nach zwei bis drei Versuchen mit einer Baby-Puppe wären die meisten Eltern aber auch für das Tragen ihres eigenen Kindes bereit. Zudem gebe es fertige Tragehilfen. Die seien starrer, aber deutlich unkomplizierter – und die erste Wahl vieler Väter.

Welches Tuch ist das richtige?

Apropos Wahl: Das richtige Tuch zu finden ist eine Herausforderung. Es gibt ein Überangebot an Tüchern und Tragehilfen aus verschiedenen Materialien. Darunter auch Exoten, bei denen Kamelhaar, Kaschmir und Seide verarbeitet werden. „Ein gutes Tragetuch kostet zwischen 70 und 100 Euro“, sagt Melanie Baronelli-Hoop, eine vernünftige Tragehilfe rund 120 Euro. Einsteiger sollten zunächst ein maschinell gewebtes Baumwolltuch ausprobieren. 

Die handgewebten Tragetücher seien aber meist bequemer und angenehmer für die Schultern, wenn das Kind schwerer wird. Nach oben gibt es, wie bei Angeboten für Babys üblich, keine Grenze: Wer will, kann auch 4000 Euro für ein Tragetuch bezahlen. Vermutlich mit Kamelhaar.

Hände frei

Aber warum überhaupt tragen? Kinderwagen sind doch regelrechte Statussymbole: je größer und toller, desto besser. „Man schafft sich als Mutter oder Vater mehr Freiräume“, sagt die Trageberaterin. Es sei praktisch, beide Hände freizuhaben – und sei es nur, um den Hund zu kraulen. Die Tragetücher halten zudem viel aus: Sport wie Walking und normale Hausarbeit – beides mit Kind – seien überhaupt kein Problem. Erst beim Radfahren werde es grenzwertig. Die meisten Kinder würden bis zweieinhalb oder drei Jahre getragen. Dann sei das Tuch immer noch als Hängematte oder Gartenschaukel nutzbar.

Das Tragen sorge zudem für eine engere Bindung zwischen Kind und Eltern. „Mein Mann sagt immer zu mir: Tragen ist für mich wie Stillen für dich“, so Melanie Baronelli-Hoop.

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