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Der Blick in den Rückspiegel sitzt: Michael Kessler fährt in der neuen Sendung „Sitzheizung gibt’s nicht“ seine Talk-Gäste mit dem Auto spazieren. Manchmal trifft es sich, dass er sie tatsächlich vom Flughafen abholt oder zum Dreh-Termin begleitet.

"Es ist, als würde man mit Kumpels im Auto sitzen"

TV-Komiker Michael Kessler: Schräger TV-Talk mit Promis im Auto 

Michael Kessler schafft etwas Seltenes im deutschen Fernsehen: Der Komiker entlockt Prominenten ungewöhnliche Sätze und ist dabei auch noch lustig. In seinem neuen Format fährt er mit Stars Auto.

Gäste auf dem Studiosofa zu befragen, ist nicht sein Ding: Michael Kessler mag es außergewöhnlich. Der Schauspieler, Comedian und TV-Alleskönner bekommt in ZDFneo dafür ein neues Format: In „Sitzheizung gibt’s nicht“ trifft er seine Gäste im Auto und chauffiert sie durch die Stadt. In der ersten Folge (Freitag, 22.15 Uhr) lässt er Comedian und Schauspieler Bastian Pastewka in einen schwarzen Citroën DS einsteigen, um mit ihm über Emojis und eine üble Magenverstimmung zu reden.

Herr Kessler, Sie holen ihre Gäste quasi vom Studiosofa auf den Beifahrersitz. Warum das Auto als Setting?

Michael Kessler: Weil das Auto so wunderbar die Kameras vergessen lässt. Wenn man einsteigt, ist das ein Ort, der relativ intim ist. Man sitzt nebeneinander, es ist ein kleiner Raum. Man fährt durch die Gegend, guckt raus, kann ganz viel aufnehmen, was man sieht. Dann passiert irgendwas, man steckt im Stau und schon ergibt sich ein Gespräch und man vergisst relativ schnell die Kameras. Was jetzt nicht heißt, dass man Geheimnisse ausplaudert in dieser Sendung. Es ergibt sich plötzlich ein ganz normaler freundschaftlicher Ton, wie wenn man mit Kumpels im Auto sitzt.

Kennen Sie solche Situationen aus Ihrem Privatleben oder anderen Sendungen?

Kessler: Ja, aus „Berliner Nacht-Taxe“. Die rbb-Sendung war so gestrickt: Ich bin freitags und samstags eine Nachtschicht Taxi gefahren und habe wirklich Fahrgäste vom Straßenrand mit ins Auto gesetzt, habe ihnen erklärt, dass gedreht wird, und bin mit denen losgefahren. Das war ein sehr, sehr, sehr spannendes Abenteuer. Da ergab sich alles. Alles, was Sie sich vorstellen können, saß in meinem Taxi: Von der Transe über den Jugendrichter zum Jugendlichen, alt, krank, gesund, reich, arm, besoffen, unter Drogen, nüchtern, alles. Da gab es lustige Gespräche und sehr ernste und traurige Gespräche. Die „Sitzheizung“ ist für mich ein reines Unterhaltungsformat, also: Wir machen Spaß.

Das Auto soll zum Gast passen. Was sagt ein Fahrzeug über uns aus?

Kessler: Sehr viel. Es gibt ja viele Kollegen, die dicke, große Autos fahren, wo ich mich immer frage: Braucht man das? Mir reicht ein praktisches Auto. Für andere ist das ein Statussymbol. Der eine fährt einen Sportwagen, weil er vielleicht wahnsinnig sportlich sein will. Ich finde, ein Auto erzählt definitiv etwas über den Besitzer. Die Farbe, der Typ, das Baujahr. Annette Frier hatte als allererstes Auto einen VW-Käfer, mit dem komme ich auch zu ihr. Mal will ich ein bisschen provozieren: Bei Bülent Ceylan fahre ich mit einem Opel Manta vor, und Bülent Ceylan hasst Mantas. Er wollte eigentlich nicht einsteigen – hat er aber dann gemacht.

Die ersten beiden Gäste kennen Sie sehr gut. Macht es das für Sie leichter oder schwerer, sie zu interviewen?

Kessler: Leichter, weil es kein Interview ist. Ich frage nichts ab. Die Sendung ist komplett improvisiert. Ich fahre einfach drauf los mit denen, und gucke was passiert. Jorge González kenne ich überhaupt nicht, aber sobald ein Gast sich auf das Konzept einlässt, funktioniert es auch.

Sie sitzen am Steuer und lenken gleichzeitig durchs Gespräch. Wie schaffen Sie beides, ohne dass die Aufmerksamkeit für eins darunter leidet?

Kessler: Ich würde mich als multitasking-fähig bezeichnen und kann Auto fahren und ein Gespräch führen.

Auto ist nicht gleich Studio: Wie wird das Format technisch umgesetzt?

Kessler: Im Auto sind circa sechs kleine Kameras, GoPros. Und dann haben wir noch ein Team, was uns in Autos begleitet: vor uns, hinter uns. Da haben wir noch mal drei Kameras, die beweglich sind, die auch aussteigen können und uns begleiten können in die Location.

Also, Aussteigen ist erlaubt?

Kessler: Ja, klar. Ich weiß, wo wir hinfahren, das haben wir vorher geklärt. Sollten wir das Format fortsetzen, ist es auch gedacht, dass man auch spontan anhält. Also, mit Bülent Ceylan hab ich spontan in Mannheim angehalten, weil er behauptete, überall würden immer gleich die Leute kommen, wenn er in Mannheim irgendwo herumläuft. Wir haben dann in irgendeiner Wohngegend angehalten, da kam natürlich keine Sau. Fand er dann nicht lustig.

„Sitzheizung gibt’s nicht“ läuft freitags, 22.15 Uhr, auf ZDFneo. Gäste der weiteren Folgen sind Annette Frier, Bülent Ceylan, Bernhard Hoëcker, Katharina Thalbach, Tim Mälzer, Cordula Stratmann, Jorge González, Hugo Egon Balder, Anneke Kim Sarnau, Guido Cantz und Carolin Kebekus.

Zur Person

Seinen Führerschein hat Michael Kessler zwar mit 18 gemacht – sein erstes Auto kaufte sich der Mann aus Wiesbaden allerdings erst mit Mitte 30. Mit 21 Jahren lernt er in Bochum auf der Schauspielschule das darstellerische Spiel und bildet sich in der Clownskunst und Pantomime weiter. Er stand auf Bühnen, wie der im Nationaltheater Mannheim, und eroberte das Fernsehen, vor allem mit der Comedy-Serie "Switch". Seit 2014 läuft im ZDF die Personality-Doku "Kessler ist …," in der er Prominente befragt und sich optisch in diese verwandelt. Kessler ist Sprecher, schreibt Bücher und führte am Deutschen Theater in Göttingen Regie. Zur Zeit lebt der 50-Jährige in Köln.

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