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Hört auf ihren Körper: Anna C. Hughes.

Die Laufkolumne von Anna C. Hughes

Verletzungen haben einen Sinn: Was ihr gegen das Zwicken im Bein tun könnt

Verletzung ist nicht gleich Verletzung. Schnell kann ein Zwicken und Klopfen in den Muskeln chronisch werden. Unsere Laufkolumnistin zeigt, welche Verletzungen am verbreitetsten sind.

Bestimmt kennst du das Gefühl in deinen Beinen, irgendwo an der Sehne oder an einem Muskel, ein Zwicken vielleicht oder ein dumpfes Klopfen. Ach, wird schon nichts sein. Also läufst du weiter. Eigentlich weißt du genau, dass es besser wäre, nicht weiter zu pushen, aber dein Ego gibt nicht einfach nach. Hopp, weiter geht's. Geht im besten Fall gut und es war tatsächlich nur ein harmloses Aufmucken. Oft ist jedoch das Gegenteil der Fall.

Weitere Artikel rund ums Laufen und Expertentipps von Anna Hughes gibt es hier.

Mein Ex-Mann, der mich viele Jahre lang betreute und dem ich bis dato viel verdanke, sagte immer: Du musst entscheiden, ob du durch den Schmerz läufst oder aufhörst. Einmal, im Familien- und gleichzeitig auch Trainingsurlaub zog er mich während einer Koppeltrainingseinheit vom Rennrad und sagte: STOP. Ich erinnere mich noch, dass ich mir den Oberschenkelmuskel beim Laufen etwas gezerrt hatte und am Boden zerstört war, enttäuscht von mir, wütend darauf, ausgerechnet jetzt nicht mehr weiter zu können, mitten in Vorbereitung auf meinen zweiten Etappenlauf im Schweizer Jura.

Zwar hatte ich noch gute sechs Monate bis dahin Zeit, aber die Erfahrung kratzte doch sehr am Ego. Fortan stapfte ich mit Stöcken bewaffnet in der kargen Steinlandschaft auf Lanzarote herum. Wochen vergingen, ehe ich das Training wieder wie gewohnt gestalten konnte. 

Eine mentale Probe wohl darauf, wie ich im Kopf damit umgehen würde. Das Rennen beendete ich schließlich als zweite Frau und sackte einiges an Preisgeld ein. Es hatte sich also im wahrsten Sinn des Wortes bezahlt gemacht, geduldig zu sein und rechtzeitig die Intensität herauszunehmen und das eigene Tun zu hinterfragen.

Die Chancen stehen immer günstig, dass etwas ein Wehwehchen zur chronischen Verletzung wird, wenn du dich zwingst und die Zeichen des Körpers ignorierst.

Körper und Geist bzw. Kopf sind untrennbar miteinander verbunden. Das eine ist vom anderen nicht losgelöst. Es ist ein ständiges Zusammenspiel aus Signalen. Sendet der Körper Unwohlsein, reagiert der Kopf mit entsprechenden Gedanken. Umgekehrt realisieren sich positive oder negative Gedanken durchs Handeln. Aufs Laufen übertragen heisst dies: Denke ich mir eine Verschlimmerung eines Wehwehchens ganz bewusst, führt dies auch tatsächlich dazu.

Lauf mit Stöcken: Nach ihrer Verletzungspause bereitete Anna C. Hughes sich mit Stöcken auf den nächsten Lauf vor.

Diese Verletzungen sind bei Läufern am verbreitetsten:

  • Shin splints: auch Schienbeinkanten-Syndrom genannt, ist eine schmerzhafte Entzündung durch Überbeanspruchung des Muskels und nur langsam heilbar
  • Runners knee: auch Läuferknie genannt, wird durch Überbeanspruchung verursacht
  • Tendinitis: eine Sehnenentzündung
  • Fersensporn: knöcherner Auswuchs an der Ferse

Nach besagtem Etappenlauf erwischte es mich vier Monate später dann richtig. Diagnose Fersensporn. Erst viele Monate später, nachdem ich von Pontius zu Pilatus gegangen war, viel Geld für alternative Heilmethoden ausgegeben hatte und die Schmerzen nicht besser wurden, kam die Erleichterung und Heilung durch zwei Behandlungen mittels einer Stosswellentherapie. Seitdem, sechs Jahre später, drehe ich verletzungsfrei meine Runden.

Rückblickend konnte ich den tieferen Sinn erkennen und wozu mir die Verletzung diente: Wieder Boden unter den Füssen zu gewinnen, nachdem privat viele Veränderungen anstanden und das Laufen eine Weile in den Hintergrund treten musste.

Das sind die vier häufigsten Ursachen der meisten Verletzungen:

  • Überanspruchung
  • Ignoranz
  • Mangelnde Anpassung des Sehnen-, Bänder- und Muskelapparates an die Trainingsreize
  • Unzureichende Erholung vom Lauftraining

Die Kunst des Laufens liegt darin, sich selbst gegenüber schonungslos ehrlich zu sein und das Training so zu gestalten, dass du einerseits Akzente setzt wie beispielsweise Tempoeinheiten und Intervalltrainings und dir zudem auf jeden Fall ausreichende Erholungsphasen gönnst. Auch regelmäßiges Stabilisations- und Krafttraining stärken deinen Apparat und helfen, schlimmerem Übel vorzubeugen.

Den Körper stärken: Krafttraining kann beim Laufen vor Verletzungen schützen.

Wo hast du zuletzt etwas übertrieben und hast die ersten kleinen, subtilen Signale ignoriert? Was will dir dein Körper damit sagen?

In den meisten Fällen ist es ratsam nicht durch den Schmerz zu pushen und eine chronische Verletzung zu riskieren, sondern einen Schritt zurückzutreten und zu evaluieren, wo du im Leben im übertragenen Sinn zurzeit stehst? Denke an deine langfristigen Ziele und dass du dir den Spaß beim Laufen erhalten willst, anstatt dies durch Unachtsamkeit zu manipulieren.

Vielleicht bist du beruflich sehr eingespannt oder bist privat vor Herausforderungen gestellt. Fakt ist: Dein Körper spielt nie einfach umsonst einen Streich. Es gibt immer einen Grund, warum es gerade nicht so laufen mag.

Kleine Helferlein bei Zipperlein können sein: Arnika Globuli C30, regelmäßige Fußreflexzonen-Massagen und eiskalte Beinduschen.

Tun wir's dem großen Albert Einstein gleich, der sagte: Probleme kann man nicht mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

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