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Umstrittenes Motiv mit Seltenheitswert: „Yesterday and Today“ aus dem Besitz von John Lennon. Es ist das gewagteste Beatles-Cover – und das seltenste. Denn es stand nur wenige Tage zum Verkauf. Die Plattenfirma ließ das Originalbild überkleben.

Preise von Raritäten steigen

Vinyl als Wertanlage: Platten erleben einen Boom

Der Retro-Boom hat den Absatz für Schallplatten in die Höhe getrieben. Originalpressungen, Sonderauflagen oder farbige Vinyl-Editionen sind bei Kennern besonders wertvoll.

Als kürzlich das äußerst rare Beatles-Album „Yesterday and Today“ aus dem Jahr 1966 bei einem amerikanischen Online-Auktionshaus für 125.000 Dollar (105.500 Euro) versteigert wurde, staunten viele nicht schlecht. Wer kauft noch LPs und dann auch noch für solche Summen? Schallplatten werden wegen ihres warmen Klangs, Haltbarkeit und Cover-Kunst geschätzt. Daher taugen diese Ikonen der Popkultur längst als Wertanlage in einer Nische für Kenner und Spezialisten. „Der Kauf von Raritäten kann sich lohnen, da die Preise in der Regel kontinuierlich, wenn auch langsam steigen und kurzfristige Wertverluste in der Regel nicht vorkommen“, heißt es in einem Portfolio des Manager Magazins.

Wie werden Schallplatten gehandelt?

Was macht den Wert einer LP als Rendite-Objekt aus? Die Seriennummer zum Beispiel. Vor zehn Jahren wurde das „White Album“ der Fab Four in einer Internet-Auktion auf Ebay für fast 23.000 Euro versteigert. Grund: Auf der Vorderseite des Covers stand neben dem Bandnamen die Ziffer 0000005. Es war das fünfte Exemplar des Albums.

Neben vergriffenen Originalpressungen sind auch Sonderauflagen sowie farbige Vinyl-Editionen gesucht und für Verkäufer wie Käufer wertvoll. Das Album „Yesterday and Today“ zeichnet sich ebenfalls durch eine bei Sammlern begehrte Exklusivität aus: seine Geschichte. Es enthält nicht nur Kritzeleien von John Lennon auf dem Cover. Die LP ist auch eine der wenigen Exemplare mit Orignalbild. Denn die Plattenfirma ließ damals das umstrittene Ursprungsmotiv – die Beatles lächelten als Metzger mit zerstückelten Babypuppen und Fleischstücken – kurzerhand überkleben.

Beim Blick auf die knisternde Rendite machen nicht nur die Beatles und Elvis ihre Anleger glücklich. Die Palette ist gefächert. Erstauflagen aus den 60er- und frühen 70er-Jahren mit Stars des deutschen Krautrocks und Progressive Rocks wie Amon Düül, Can und Faust erzielen bei Sammlern Höchstpreise. Die erste Pressung des Kraftwerk-Albums „Mensch-Maschine“ von 1978 wechselte 2009 für 584 Euro den Besitzer. Hohe Wertsteigerungen haben auch Jazzaufnahmen aus der klassischen Zeit der 50er- und 60er-Jahre: Jüngst wurde der Hardbop-Klassiker „Smithville“ (1958) des Trompeters Louis Smith im Marketplace der Online-Musikdatenbank Discogs für umgerechnet fast 1700 Euro verkauft.

original release date: 1978 remastered CD was released in 2009 #KRAFTWERK #KRAFTWERK3D #KRAFTWERKTHECATALOGUE #12345678 #MUSIC

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Pflege von Schallplatten

Neben Seltenheitswert kommt es beim Verkauf allerdings auch auf den Zustand des Vinyls an: Also sollte das schwarze Gold auch in gepflegtem Zustand sein, will man damit Gewinn machen. Dafür gibt es genaue Klassifizierungen.

Hintergrund: Internet und Plattenbörsen sind zentrale Handelsplätze

Wer seltene, wertvolle LPs kaufen oder verkaufen will, kommt am Internet nicht vorbei. Auf popsike.com kann man via Suchfeld zu Daten der Platten und Auktionspreise recherchieren. Ebenso nützlich ist die Homepage discogs.com, die Qualitätsstandards für Vinyl nennt: 

  • Near Mint (NM) für nahezu perfekte Platten, die nur selten abgespielt wurden
  • Very Good+ (VG+) für Platten mit minimalen Kratzern, die jedoch zu keinem Qualitätsverlust führen
  • Cover in gutem Zustand, bis hin zu Poor oder Fair (P oder F): schlechte Qualität der Scheibe, Cover mit erheblichen Beschädigungen. 

Allerdings sollte man auch auf Flohmärkten und Plattenbörsen recherchieren, dort lässt sich manches Schätzchen bergen. Die größte Messe für Tonträger findet im niederländischen Utrecht statt: die Mega Record & CD Fair, das nächste Mal am 14. und 15. April 2018. Dort bieten über 500 Händler Millionen Titel, Spezialpressungen und andere Raritäten an.

Stichwort: Retro-Boom

Die Schallplatte erlebt einen Retro-Boom und findet als Nischenprodukt zunehmend Anhänger. Nach Angaben des Bundesverbands Musikindustrie ist der Schallplattenabsatz in Deutschland von 300.000 im Jahr 2006 auf 3,1 Millionen 2016 gestiegen. 

Selbst der Elektronikkonzern Sony, der die Produktion in seinem Mutterland 1989 eingestellt hatte, wird wieder Vinyl-Tonträger herstellen, weil auch in Japan der Verkauf von Schallplatten stark gestiegen ist.

That 80ies vibe

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