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Geburtstagspartys sind für unseren Autor keine Freude - vor allem wenn es um den eigenen geht.

Studie: Wer seinen Geburtstag nicht feiert, wird auch nicht älter

Schluss mit lustig: Warum es besser ist, seinen Geburtstag nicht zu feiern

Ständig wird man zu Partys eingeladen, weil jemand wieder ein Jahr älter geworden ist. Aber warum sollte man eigentlich seine Geburt feiern? Unser Autor kennt keinen einzigen Grund.

Das Beste an 2017 war, dass ich auch dieses Jahr nicht älter geworden bin. Denn wer seinen Geburtstag nicht feiert, kann nicht älter werden. Davon sind 47 Prozent der Drei- bis Fünfjährigen überzeugt, die die US-Psychologin Jacqueline Woolley von der Universität of Texas für eine Studie befragt hat. Die Mädchen und Jungen gaben an, dass man ohne Geburtstagsparty so alt bleibe, wie man gerade ist. Nicht biologische Prozesse ließen einen älter werden, sondern der Geburtstag an sich. Wer würde Kindern schon widersprechen?

Und trotzdem feiern alle wie blöde, als gäbe es kein Morgen. Wer 30, 40 oder 50 wird, lässt es besonders laut krachen, zieht Bilanz und zelebriert seine Lebensleistungen.

Wer seinen Geburtstag indes nicht feiert, der wird halb mitleidig, halb mit Verachtung angeschaut. In den Selbsthilfeforen des Internets fragen alternde Menschen besorgt: "Ist es normal, seinen Geburtstag nicht feiern zu wollen?" Als Antwort bekommen sie dann Sätze wie: "Bei der Sekte Zeugen Jehovas können Leute wie du damit sogar glücklich werden!" Die ultrakonservative Religionsgemeinschaft lehnt jegliche Geburtstagsfeiern ab, weil solche Partys von Jesus und seinen Aposteln nicht überliefert sind. Auch unter anderen Christen waren diese bis ins 4. Jahrhundert als heidnischer Brauch verpönt.

Es gibt sicher gute Gründe, aus dem Leben eine Feier zu machen - die Liebe, die Geburt der Kinder oder den Klassenerhalt des 1. FC Köln etwa, aber der eigene Geburtstag? Auch der Schriftsteller Max Goldt "konnte nie begreifen", warum er seine Geburt feiern solle: "Die Mutter müsste sich der Geburt entsinnen, und ich könnte einsehen, wenn sie in späteren Jahren mit ihrem Kind und vielleicht der Hebamme und dem Gynäkologen anstößt. Am absurdesten sind Jugendliche, die sich darauf freuen, ihren Geburtstag endlich mal ohne ihre Eltern zu feiern, also ohne die einzigen, die etwas mit ihrer Geburt zu tun haben. Was haben meine Freunde mit meiner Geburt zu tun?“

Das Thema würde sich bestens für einen Small Talk auf der Geburtstagsparty eignen. Der Geburtstagsverächter könnte dann argumentieren, dass die meisten Diktatoren von Adolf Hitler bis Kim Jong-un ihren Jahrestag mit vollem Größenwahn zelebrieren lassen. So wie es heißt, dass böse Menschen keine Lieder hätten, könnte man also sagen: Gute Menschen haben keinen Geburtstag.

Es ist sicher nicht immer schön, alt zu werden. Und die Alternative dazu, der Tod, hat auch seine Schattenseiten. Trotzdem wird das Alter mittlerweile überschätzt. 80-Jährige laufen heute Marathon in drei Stunden, 66-Jährige werden noch Mütter, weil das Leben dann erst anfängt, wie schon Udo Jürgens wusste, und 50 gilt als das neue 30. Auf der anderen Seite sind manche Teenager, die Alkohol und anderen Drogen entsagen, so spießig wie die Rentner von früher.

Und trotzdem kann man sich auch als zeitloser Berufsjugendlicher nicht ganz freimachen vom Druck des Alters. Von Albert Einstein stammt der Satz: „Ein Mensch, der nicht vor seinem 30. Geburtstag seinen großen Beitrag zur Wissenschaft geleistet hat, wird es niemals tun.“ Mit anderen Worten: Wer nach drei Jahrzehnten noch nichts Entscheidendes erschaffen hat, sollte sich mit dem Gedanken anfreunden, für immer allenfalls Durchschnitt zu sein. Und dann reden die anderen in meinem Alter auch noch ständig über die Midlife-Crisis, die die Mittelklasse in die Sinnkrise treibe. Laut einer Studie kommt der Tiefpunkt der Lebenszufriedenheit mit 46 Jahren. Ich bin 43. Aber ich werde ja nicht mehr älter.

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