Interview mit Mentaltrainerin Tanja Gehrs

Abnehmen mit Hypnose: "Klassische Diäten funktionieren nicht"

Abnehmen - der wohl beliebteste gute Vorsatz für das neue Jahr. Eine ganz besondere Art, sich fürs Abspecken zu motivieren bietet Hypnose. Ein Interview mit Mentaltrainerin Tanja Gehrs.

Frau Gehrs, unter Hypnose abnehmen, klingt spannend. Muss man sich das so vorstellen, dass man zu Ihnen kommt, sich in Trance versetzen lässt und anschließend, wenn sie mit dem Finger geschnippt haben, keinen Appetit mehr auf leckere Dickmacher mehr hat? 
Tanja Gehrs (lacht): Nein, ganz so einfach ist es natürlich nicht. Die Hypnose bietet jedoch die Möglichkeit, die im Unterbewusstsein fest verankerten Essgewohnheiten zu verändern.

Sie bringt die Pfunde mit Hypnose zum Schmelzen: Tanja Gehrs (42) ist Diplomkauffrau und hat bis vor zwei Jahren in Hannover gelebt, wo sie bereits zwei Jahre lang nebenberuflich als Abnehm-Trainerin tätig war. Im Februar 2016 zog sie aus privaten Gründen in den Landkreis Northeim, wo sie die Beratung beim Abnehmen jetzt zu ihrem Hauptberuf gemacht hat. Sie hat eine achtjährige Tochter.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, ein Hypnosetraining zum Abnehmen anzubieten? 
Gehrs: In meinem Bekanntenkreis habe ich immer wieder gesehen, wie jemand vergeblich versucht hat, mit klassischen Diäten sein Gewicht zu reduzieren. Aber die funktionieren einfach nicht.

Warum funktionieren Diäten denn nicht?
Gehrs: Weil sie eigentlich nur Regeln, Vorschriften und Verbote enthalten.

Weshalb die guten Vorsätze in Sachen gesunde Ernährung ganz schnell wieder über Bord geschmissen werden...
Gehrs: Genau. Denn Verbote mochten wir schon als Kinder nicht. Aber es kommt noch schlimmer.

Lesen Sie auch:

Hypnose in der Medizin: Alles andere als Hokuspokus

Nämlich?
Gehrs: Alles, was verboten ist, wollen wir umso mehr. Darum haben wir während einer Diät genau auf das Appetit, was wir besser nicht essen sollten. Und das macht die Sache so anstrengend, weil unser Bauchgefühl mit dem Wunsch nach Leckereien keine Ruhe gibt. Wie schön wäre es doch, wenn man vor seiner Lieblingsnascherei sitzt und merkt: Ich brauche und möchte jetzt gar nicht zugreifen und ich fühle mich auch noch zufrieden und entspannt dabei. 

Und das können Sie letztlich mit Hypnose erreichen?
Gehrs: Nicht ich, sondern die Betroffenen selbst. Die Hypnose hilft dabei, ganz individuelle Gefühle - die bei einer Änderung der Ernährung im Wege stehen und die man willentlich nicht beeinflussen kann - ins Positive zu verändern.

Können Sie das mal näher erklären?
Gehrs: Unser Gehirn ist durch und durch ein Gewohnheitstier, das Veränderungen nicht ausstehen kann und daher alles probiert, um ein geändertes Essverhalten zu boykottieren und an Gewohnheiten festhalten zu können, die die eigentliche Ursache für Übergewicht sind.

Lexikonwissen:

Hypnose bei Wikipedia

Welche Gewohnheiten sind das? Nennen Sie uns doch mal ein paar Beispiele.
Gehrs: Wir haben uns zum Beispiel daran gewöhnt, weiter zu essen, obwohl wir eigentlich schon satt sind, weil wir so erzogen wurden, dass man seinen Teller leer isst. Wir naschen aus Frust oder langer Weile, bei Feierlichkeiten in Geselligkeit, vor dem Fernseher oder weil wir uns einfach mal etwas gönnen möchten. Und es ist so schön und einfach, alles wie gewohnt beizubehalten, obwohl wir eigentlich genau wissen, dass wir etwas ändern müssten.

Und wie bringen Sie Menschen dazu, diese eingefahrenen Pfade zu verlassen, auch wenn die so bequem sind?
Gehrs: Indem ich ihnen unter anderem auch mit Hilfe der Hypnose deutlich vor Augen führe, welche Zwänge ihnen das eigene Unterbewusstsein auferlegt. Und ich zeige ihnen Möglichkeiten auf, wie man die eigene Einstellung zum Thema Ernährung verändern und dies im Unterbewusstsein verankern kann. Mit der Folge, dass man den Wunsch, sich anders ernähren zu wollen, nicht mehr als Zwang empfindet.

Rubriklistenbild: © Grafik: pixabay.com/Backovic

Autor

Newsletter abonnieren

Newsletter abonnierenJedes Wochenende erhalten unsere Nutzer 15 besondere Geschichten aus der Region und der Welt: Exklusive Porträts, Interviews, Texte, Bilder und Videos, aber auch Gastbeiträge angesagter Blogger und Kolumnen unserer Redakteure.

Zu dieser besonderen Ausgabe verschicken wir einen Newsletter mit allen Themen. Hier abonnieren: HNA Sieben per Mail, einmal die Woche.
Hinweise zum Kommentieren:
Die Redaktion behält sich vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Mehr zur Netiquette.

Weitere Artikel aus dem Ressort

Dürfen Männer weinen? Ja, aber nicht immer.

Barack Obama wischt sich eine Träne weg, Joe Biden ebenfalls – dürfen Männer neuerdings öffentlich weinen? Kommt darauf an, sagt Männlichkeitsforscherin Sylka Scholz: Bei Obama wirke das positiv, bei Fußballer Ronaldo nicht.
Dürfen Männer weinen? Ja, aber nicht immer.

Komiker Eckart von Hirschhausen: "Sich ständig Sorgen um die Gesundheit zu machen, ist nicht gesund"

Komiker Eckart von Hirschhausen ist die lebende Glückspille. Im Interview erklärt der Bestsellerautor, woran unser Gesundheitssystem krankt und warum Kassel in seinem neuen Programm eine Rolle spielt.
Komiker Eckart von Hirschhausen: "Sich ständig Sorgen um die Gesundheit zu machen, ist nicht gesund"

Kick und Klick: Das Online-Quiz zum 17. Bundesliga-Spieltag

Eigentore, rote Karten und ein Doppelpack: Am ersten Spieltag der Fußball-Bundesliga nach der Winterpause gab es viele Aufreger. Hier könnt ihr euer Wissen testen.
Kick und Klick: Das Online-Quiz zum 17. Bundesliga-Spieltag