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Wieder am Radiomikro: Thomas Gottschalk im Studio des BR.

Jeden ersten Sonntag im Monat auf Bayern 1

Nach dem Betthupferl wacht Gottschalk auf: TV-Legende zurück im Radio

Im Fernsehen hat Thomas Gottschalk schon länger kein Glück mehr gehabt. Nun feierte er seine Rückkehr im Radio, wo seine Karriere einst begann. Die erste Sendung war teils trüb und teils sonnig.

Eigentlich hat Thomas Gottschalk schon ein Fazit seiner eigenen Sendung gezogen, bevor sie überhaupt angefangen hatte. Der 66-Jährige musste bei seiner Rückkehr ins Radio natürlich auch die Verkehrsnachrichten und das Wetter verlesen – und als er so über die Aussichten der nächsten Tage sprach, teilte er mitunter diese Prognose mit: „Teils trüb, teils sonnig.“

Teils trüb, teil sonnig – ja, so lässt sich das beschreiben, was dieser Veteran der deutschen Unterhaltung da am Sonntag auf seiner alten Bühne so bot: Nach 28 Jahren Abwesenheit moderierte er mal wieder eine Radiosendung – im etwas gediegeneren „Bayern 1“ und nicht wie einst auf „Bayern 3“, das Gottschalk selbst mit all seinen Sprüchen, seiner Lockerheit und Spontaneität sehr jugendlich daherkommen ließ. Seine Stimme ist längst nicht mehr so stark, forsch und laut, sie ist brüchiger geworden, nachdenklicher, leiser.

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Was dieser Stimme aber geblieben ist, das ist ihre Vertrautheit. Wer Gottschalk in den 80ern Nachmittag für Nachmittag hörte, wer sich anschließend an ihm als Fernsehmoderator bei „Wetten, dass..?“ erfreute und ihn später irgendwie ertrug, der ist immer noch froh, diesen reifen Gottschalk zu hören. Er vermittelt einem das Gefühl, dass es doch noch Konstanten gibt im Leben, auch wenn selbst die Konstante ins Grübeln gekommen ist.

In der ersten der drei Stunden befasst sich Gottschalk fast ausschließlich mit der Vergangenheit, mit dem Altern. Er kommt daher als einer, der sich verteidigen muss, weil er Radio macht wie früher. Er will nicht klagen, klagt aber doch: über Facebook, über Twitter, über die vielen toten Stars im Jahr 2016. Er versinkt fast im Schwermut, als er sagt: „Ich bin einer der wenigen Prominenten, die 2016 überlebt haben. Aber für 2017 seh' ich schwarz.“ Er meint das als Scherz, aber es ist doch sehr – trüb. Es scheint, als sei er der Falschfahrer, vor dem er wenig später im Verkehrsfunk warnt.

Womöglich hat er dann das Betthupferl benötigt, um wach zu werden und der zu sein, der er immer war: der Gute-Laune-Bär, der ein wenig Optimismus und viel Sonnenschein verbreitet. Das Betthupferl ist die Gute-Nacht-Geschichte für Kinder, die auf „Bayern 1“ immer um kurz vor acht kommt und an der auch Gottschalk nicht rütteln kann.

Anschließend taut Gottschalk auf, was auch daran liegt, dass er mit den Begebenheiten spielt. Als er in den Verkehrsnachrichten vermelden muss, dass ein Reifen auf der Straße liegt, sagt er kurz darauf: „Achtung, bei Bayern 1 steht ein Reifer am Mikrofon.“ Er sagt dann auch mal Kacke, worüber sich heute wohl keiner mehr aufregt. Er macht sich über die „minutengenaue Stauzeitmessung“ lustig. Er erzählt Geschichten aus seinem Wohnort Malibu und von seiner Nachbarin Miley Cyrus. Es geht irgendwie um einen Bären als Dekostück – ziemlich belanglos, aber genau dafür stand Gottschalk ja immer: für das Belanglose, das bei ihm häufig extrem unterhaltend war.

Das funktioniert noch immer, wenn Gottschalk das Trübe weglässt, wenn er einfach Mails vorliest und beiläufig Rechtschreibfehler anmerkt, wenn er – wie in der letzten Stunde – munter und manchmal sogar tiefsinnig mit Schauspieler Axel Milberg über Musik und das Leben an sich spricht. Das ist ja allein deshalb schon witzig, da parallel der "Tatort" im Ersten läuft, und Gottschalk mit einem "Tatort"-Kommissar den "Tatort" einfach mal den "Tatort" sein lässt.

Gottschalk darf in dieser Sendung machen, was er will. Und er macht, was er will. Das betrifft auch die Musikauswahl. Das ist Rock und Pop aus früheren Zeiten: Ozzy Osbourne, Electric Light Orchestra, Leonard Cohen und – zu Beginn – Golden Earring mit Back Home.

Gottschalk ist zurück in seiner Heimat: im Radio, beim Bayerischen Rundfunk. Jeden ersten Sonntag im Monat macht er das jetzt. Er fliegt dann immer aus Malibu nach München, weil er sonst nicht das Gefühl für die Situation bekommt. Das Ganze kostet den Gebührenzahler nichts, es wird gesponsert von einem Möbelhaus. Auch das erzählt Gottschalk in seiner Sendung - wohl um einer gewissen Kritik vorzubeugen. So beschränkt sich das Fazit auf das Wesentliche: teils trüb, teils sonnig.

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