Sie sind mit dem Ergebnis zufrieden: Imker Oliver Hohmann und Braumeister Sascha Nicolai kosten einen Schluck vom Honigbier. Fotos: Zerhau

Bei Hütt in Baunatal

Wo Honig und Bier fließen: Imker und Brauer stellen Honigbier her

Ein Imker, der sein eigenes Bier braut. Davon hat der Fritzlarer Berufsimker Oliver Hohmann seit Jahren geträumt. Jetzt ist der Traum wahr geworden. Bei Hütt in Baunatal wurden 1000 Flaschen von Hohmanns „Craft Bee“ abgefüllt.

In diesem Bier steckt richtig viel Heimat. In das Honigbier von Imker Oliver Hohmann kommt der Fritzlarer Ederauen-Honig. „Die Bienen stehen in Fritzlar, der Honig ist aus Fritzlar. Das ist ein Fritzlarer Produkt“, sagt Hohmann. Auf dem Etikett am Flaschenhals prangt daher auch die Skyline der Dom- und Kaiserstadt. Der wahrscheinlich jüngste Berufsimker Deutschlands – er ist 23 Jahre jung – ist sichtlich stolz auf sein Honigbier.

Doch wie entsteht Honigbier? Man nehme ein beliebiges Bier, rühre Honig unter und fertig? „So einfach ist es nicht“, sagt Braumeister Sascha Nicolai von der Baunataler Hütt-Brauerei. Bier sei nicht gleich Bier. Nicht jedes komme dafür in Frage. Basis des Honigbieres ist ein eingebrautes Lagerbier. Es sei auf den Frühtracht-Honig abgestimmt.

Seit zwei Jahren werden bei Hütt Honigbiere gebraut. „Es ist ein ausgeklügeltes System und sehr aufwendig“, erklärt Nicolai. Dahinter stecke ein Jahr Entwicklung. Ziel sei es, ein Bier hinzubekommen, mit dem am Ende nicht nur der Konsument, sondern auch der Imker zufrieden ist. Nicolai spricht von einem Geschmackserlebnis, welches das „Gourmetbier“ bieten soll. Bis dahin ist es ein langer Weg. Wir stellen die einzelnen Schritte vor:

1.Das Sudhaus:Hier wird die Gerstenmalze geschrotet und mit dem Brauwasser zur Maische angerührt. Es dauert vier Stunden, bis die Stärke aus dem Korn zu Zucker umgewandelt wird.

Hier geht alles los: Im Sudhaus werden die Malze und das Brauwasser zur Maische verrührt.

2. Das Läutern:Der Feststoff (Treber) wird von der Flüssigfaser (Würze) getrennt. Die Treber verlässt die Brauerei und wird von Landwirten an Tiere verfüttert. Für die flüssige Faser geht es in der Brauerei weiter. Sie wird in der Sudpfanne zusammen mit dem Hopfen gekocht. Bei Hütt kommt ins Honigbier ausschließlich Aromahopfen aus Deutschland, wie Nicolai sagt. Er habe eine florale Note. Nicolai beschreibt sie als „kräuterig, blumig“. Die Mischung passe perfekt fürs Honigbier. Das Läutern dauert vier Stunden, anschließend wird der Pfanneninhalt etwa eine Stunde lang gekocht.

Blick in die Würzpfanne: Die flüssige Faser wird zusammen mit dem Aromahopfen gekocht.

3. Das Abkühlen:Aus der Hitze in die Kälte: Mit 87 Grad kommt die Würze aus der Pfanne. Das ist viel zu heiß für die Gärung. Im Plattenkühler wird sie auf 10 Grad abgekühlt.

Ab in den Kühlschrank: Das Bier wird auf zehn Grad runtergekühlt.

4. Die Gärung: Wenn das Bier abgekühlt ist, geht es in den Gärtank. Etwa eine Woche dauert die Hauptgärung, anschließend geht es für vier bis sechs Wochen bei null Grad in die Reifung und Lagerung. Während der Lagerphase kommt der Honig ins Spiel. „In einem Zwei-Tank-Verfahren wird der Honig gestopft“, wie der Braumeister es nennt. Das bedeutet: Der Honig wird in einem von Hütt patentierten Verfahren gelöst und eingerührt.

Große Tanks: Das Bier wird mehrere Wochen gelagert und immer wieder kontrolliert.

5. Die Abfüllung. Bis zur Abfüllung dauert es noch einmal bis zu zwei Wochen. Das kann von Honig zu Honig unterschiedlich sein. Dann rattern die Flaschen durch die Abfüllanlage. 24.000 Flaschen werden in der Stunde befüllt. Kronkorken drauf, Etikett ankleben, fertig ist das Honigbier von Hütt/Hohmann.

Die Abfüllung: Bier rein, Etikett und Kronkorken drauf: Fertig ist das Honigbier.

6. Die Verkostung: Und wie zufrieden ist der Imker mit dem Ergebnis? „Ich bin sehr zufrieden. Ich trinke das Honigbier sehr gern“, sagt der Fritzlarer Imker Oliver Hohmann.

Sie sind mit dem Ergebnis zufrieden: Imker Oliver Hohmann und Braumeister Sascha Nicolai kosten einen Schluck vom Honigbier. Fotos: Zerhau

Hier gibt es das Honigbier

Bei Imker Oliver Hohmann in Fritzlar gibt es weit mehr als nur Honig. Der 23-Jährige hat jetzt in der Hütt-Brauerei 1000 Flaschen von „Hohmanns Craft Bee“ produzieren lassen. Das Bier steht bei vielen Wiederverkäufern in der Region. Dazu zählen laut Hohmann verschiedene Edeka-Läden und der Lindenhof in Fritzlar. Das Bier gibt es nach Absprache auch direkt beim Imker an der Haustür, Rittergasse 12 in Fritzlar, oder in der Imkerei in Rothhelmshausen, Rothhelmshof 2. Eine Flasche kostet drei Euro. (akl)

• Informationen und einen Online-Shop gibt es auf www.hohmann-imkerei.de

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