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Okay, der Vergleich zwischen einem iPhone und einem alten DDR-Telefon ist böse. Aber richtig ist: 2007 hat Apple mit dem iPhone ein Gerät vorgestellt, was seinen Konkurrenten meilenweit voraus war. 

Bis heute fasziniert das Gerät

Zehn Jahre iPhone: Das Smartphone, das alles veränderte

Vor zehn Jahren stellte Apple das erste iPhone vor. Bis heute fasziniert das Gerät, auch wenn Kritiker inzwischen Innovationen von Apple vermissen. Wir blicken zurück - und voraus.

Als Apple-Chef Steve Jobs im Januar 2007 auf die Bühne tritt, rechnen die Besucher bereits mit der Premiere eines Smartphones. Doch zwischenzeitlich sorgte Jobs für Verwirrung: "Heute stellen wir Ihnen drei revolutionäre Produkte vor: Das erste ist ein Breitbild-iPod mit Touchscreen. Das zweite ist ein umwälzendes Handy. Und das dritte ist ein neues Internet-Kommunikationsgerät, das einen echten Durchbruch bedeutet." Sollten hier tatsächlich drei neue Apple-Geräte angekündigt werden?

Apple-Mitbegründer Steve Jobs bei der Vorstellung des ersten iPhones. Er starb 2011 im Alter von 56 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

Jobs wiederholte diese Aufzählung so oft, bis dem letzten Besucher im Moscone Center in San Francisco dämmerte: "Das sind nicht drei separate Geräte, sondern nur ein einziges. Wir nennen es iPhone." Apple erfinde das Telefon neu, sagte Jobs. Doch wie sich herausstellte, erfand Apple viel mehr - einen Weg, wie man einen vollwertigen Computer bequem unterwegs nutzbar machen kann. Zwar klagten die ersten iPhone-Besitzer über verstopfte Netze. Kein Wunder, denn das erste Apple-Gerät unterstützte noch nicht einmal den Funkstandard UMTS (3G), sondern musste sich mit EDGE begnügen. Doch Konzept und Design überzeugten die Kundschaft außerordentlich. Zumal kein Konkurrent ein auch nur annähernd ähnliches Smartphone anbieten konnte. 

Pro & Contra

Ist das iPhone noch das beste Smartphone der Welt? 

Ein Jahr später legte Apple nach und spendierte dem iPhone eine schnellere Funkverbindung. Außerdem führte Jobs den App Store ein, der die Smartphone-Revolution noch einmal deutlich beschleunigen sollte. Apps bequem, sicher und für einen überschaubaren Preis zu beziehen, ist bis heute ein Markenzeichen von Apple.  

Erst mit dem iPhone 4 wagte das Unternehmen 2010 wieder einen größeren Schritt nach vorne. Das radikale Design überzeugte die Kunden vor allem wegen des hoch auflösenden Bildschirms, führte aber auch zum ersten größeren iPhone-Skandal, der in die Technikgeschichte als "Antennengate" eingegangen ist. 

Eine Auswahl kurioser Apple-Skandale

#Bendgate

Im September 2014 kursierte im Netz ein Video, in dem ein iPhone-Besitzer sein Smartphone mit bloßer Hand biegt. Millionenfach wurde es geklickt. Doch bei Apple meldeten sich lediglich neun Besitzer, die ein Problem mit dem gebogenen Telefon hatten. Mehr dazu hier.

Nach Update Totalausfall

Eigentlich sollte das erste Update für Apples mobiles Betriebssystem iOS 8 Fehler beheben. Doch die inzwischen wieder zurückgezogene Version 8.01 brachte den neuen Modellen iPhone 6 und iPhone 6 Plus nur noch mehr, teils gravierende Probleme bis hin zum Abbruch der Mobilfunkverbindung.

Mysteriöse Unfälle

In China starb 2013 eine 23-Jährige durch ihr iPhone. Sie telefonierte mit ihrem iPhone 5, das gerade aufgeladen wurde. Offenbar erlitt sie einen Stromschlag, als sie es mit einem gefälschten Apple-USB-Adapter auflud.

2014 berichtete ein US-Amerikaner, sein Smartphone habe in seiner Hosentasche zu brennen begonnen. Das Gerät knickte bei einem Sturz und beschädigte den Akku.

Antennengate

Durch die gläserne Smartphone-Rückwand entstanden erhebliche Antennenprobleme beim iPhone 4. (axl)

Leitet heute die Apple-Geschäfte: Tim Cook (56).

Das iPhone wurde zum Megaseller und sorgte dafür, dass Apple sich zum wertvollsten Unternehmen der Welt entwickelte. In der zehnjährigen Geschichte wurden über eine Milliarde iPhones verkauft. Dabei ist es dem Unternehmen auch gelungen, die Geräte mit einer ordentlichen Marge auf den Markt zu bringen. Das hatte auch damit zu tun, dass Steve Jobs die Machtverhältnisse in der Telekommunikationsbranche umgekehrt hatte. Früher mussten die Handy-Hersteller sich nach den Wünschen der Provider richten. Jobs ließ die Telekommunikationsunternehmen nach seiner Pfeife tanzen.

Limitiert wird der Einfluss des iPhones allein durch Google und sein Smartphone-Betriebssystem Android, mit dem die Smartphones von Samsung, LG, Motorola, Xiaomi und vielen anderen Herstellern laufen. Das Google-System läuft inzwischen auf deutlich über 80 Prozent aller Smartphones - in Deutschland nur 63 Prozent -, allerdings verdient in der Branche Apple den überwiegenden Anteil des Gewinns. 

10 Modelle: So hat sich das iPhone seit 2007 entwickelt

Der enorme ökonomische Erfolg des iPhone sorgte auch dafür, dass Umweltschützer und Menschenrechtsaktivisten Apple für Probleme der Branche insgesamt verantwortlich machten. Greenpeace legte sich schon 2007 mit Steve Jobs an und beklagte, dass im iPhone gefährliche Chemikalien verbaut werden. Auch für miese Arbeitsbedingungen beim chinesischen Auftragsfertiger Foxconn wurde vor allem Apple verantwortlich gemacht, nicht etwa andere Foxconn-Kunden wie Hewlett-Packard, Dell, Microsoft oder Sony. 

Apple-Mitbegründer Jobs erkannte nur zögerlich, dass nicht nur das Design und die Funktion des iPhones alleine den Erfolg begründen können. Erst sein Nachfolger Tim Cook setzte mit Nachdruck durch, dass Umweltschutz-Prinzipien eingehalten werden müssen und möglichst nur konfliktfreie Rohstoffe verwendet werden dürfen. Außerdem setzte er sich für bessere Verhältnisse in den chinesischen Fabriken ein. Inzwischen gilt Apple bei Greenpeace quasi als Vorzeige-Unternehmen. Und auch in den Werkhallen in China wird inzwischen stärker auf die Einhaltung von Arbeitszeit-Beschränkungen geachtet.

Blick nach vorne: Kameras waren beim iPhone schon immer im Fokus. Das iPhone 7 Plus bietet nun erstmals eine Funktion, mit der dank zwei Linsen Tiefenunschärfe möglich ist. 

Die Debatte um Apple wird inzwischen aber weniger von diesen politischen Themen bestimmt, sondern von der Frage, ob Apple nach dem Tod von Steve Jobs 2011 noch echte Innovationen wie iPod, iPhone und iPad vorlegen kann.

Pro & Contra

Ist das iPhone noch das beste Smartphone der Welt? 

Rein ökonomisch kann sich die Bilanz von Jobs-Nachfolger Cook sehen lassen. 2015 gelang es Apple in einem abgebremsten Smartphone-Markt aber nur noch, diese Zahlenmarke knapp zu übertreffen. Und im vergangenen Jahr sanken die iPhone-Verkäufe erstmals seit der Markteinführung. Und Kritiker bezweifelten, ob die eher wenigen Neuheiten beim iPhone 7 ausreichen werden, diesen Trend wieder umzukehren. Trotzdem steht das iPhone weiterhin im Blickpunkt des öffentlichen Interesses. Das zeigen auch die Statistiken des Apple-Konkurrenten Google. In der Top-10-Liste der "Suchbegriffe des Jahres" eroberte "iPhone 7" hinter "EM 2016" und "Pokémon Go" Platz drei. Andere Smartphones wie das "Pixel" von Google tauchen in der Liste nicht auf.

Hintergrund: Darum heißt das iPhone iPhone

Viele denken, das "i" bei Apple-Geräten stehe für das englische Wort "i", also ich. Das stimmt aber nicht. 

Bei der Präsentation des ersten iMacs verriet Steve Jobs im Jahr 1998, dass das "i" vor allem als Abkürzung für "internet" stehe - zu dieser Zeit war das Internet gerade erst im Aufkommen. Laut Jobs stehe das "i" aber auch für "individual" (deutsch: einzigartig), "instruct" (deutsch: anweisen), "inform" (deutsch: informieren) und "inspire" (deutsch: inspirieren). Nach dem Erfolg des iMacs wurden auch weitere Apple-Produkte mit "i" benannt - so auch 2007 das iPhone. iPhone = ein Telefon, das ins Internet kann. (jbg)

Von Christoph Dernbach

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