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Hygrometer messen die Luftfeuchtigkeit: Praktikantin Amelie May zeigt eine digitale (links) und eine analoge Version (rechts).

Ein Mediziner klärt über Ursachen und Folgen auf

Zu trockene Luft in Büros macht krank: Das kann man dagegen tun

Wer viel Zeit in geschlossenen Räumen verbringt, sollte immer die Luftfeuchtigkeit im Auge behalten. Denn zu trockene Luft macht krank. Über die Ursachen und Folgen sprachen wir mit dem Mediziner Dr. Manfred Michl aus Bad Hersfeld.

Technische Geräte wie Computer und Drucker erleichtern im Büro die Arbeit. Dennoch sind sie Quelle verbrauchter Luft und zusätzlicher Wärme. Damit es nicht zu Reizungen oder gar Entzündungen kommt, sollte die Luftfeuchtigkeit der Räume immer im Auge behalten werden.

Dr. Manfred Michl, warum ist Luftfeuchtigkeit in geschlossenen Räumen so wichtig?

Dr. Manfred Michl

Manfred Michl: Die Luftfeuchtigkeit ist wesentlicher Bestandteil des Raumklimas und trägt zum Wohlbefinden in geschlossenen Räumen bei. Eine höhere Luftfeuchtigkeit erleichtert das Atmen, weil sie das Austrocknen der Schleimhäute verhindert. Trockene Schleimhäute hingegen steigern die Anfälligkeit für Infekte. Tatsächlich kommt es durch eine dauerhaft niedrige Luftfeuchte zu symptomorientierten Beschwerden der oberen und unteren Luftwege, der Augen und der Haut. Es kommt zu Reizungen, Rötungen und Entzündungen.

Wie viel Luftfeuchtigkeit ist ideal?

Michl: Einen eng und eindeutig definierten Behaglichkeitsbereich kann man nur schwer angeben. Als Durchschnittswert sollte eine relative Luftfeuchte von 50 Prozent erreicht werden. Wesentlich höhere Werte werden als unangenehme Schwüle empfunden. Höhere Luftfeuchtigkeit beeinträchtigt dann die Fähigkeit des Menschen, durch Schwitzen Wärme abzugeben. Kreislaufbelastungen sind oftmals die Folge. Bei viel zu hoher Feuchtigkeit kann es in Verbindung mit Baumängeln zu Schimmelbildung an den Wänden führen. Dies ist wegen der daraus resultierenden gesundheitlichen Gefährdung dringend zu vermeiden.

Womit kann man Luftfeuchtigkeit messen? Reicht ein einfaches Hygrometer aus dem Drogeriemarkt oder muss ein Profi her? 

Michl: Ein einfaches Hygrometer, das es schon für wenige Euro im Einzelhandel gibt, kann die Luftfeuchtigkeit messen. In extremen Fällen ist die vollständige Bestandsaufnahme des Raumklimas nach den Vorgaben der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung und die damit einhergehende Beratung zu empfehlen.

Wie kommt es zu trockener Luft im Büro?

Michl: Sehr niedrige Luftfeuchten, die sogenannte trockene Luft, sind vor allem ein Problem der Wintermonate. Dabei kann ausgiebiges Lüften zu einer zusätzlichen Lufttrockenheit führen, wenn einströmende kalte Außenluft durch die Heizung im Raum erwärmt wird. Natürlich kann trockene Raumluft durch verschiedene technische Verfahren wie Luftbefeuchter kurzfristig befeuchtet werden. Wichtig ist dabei, dass Luftbefeuchter hygienisch einwandfrei betrieben werden.

Wie kann man eine optimale Luftfeuchtigkeit schaffen?

Michl: Auch wenn Zugluft prinzipiell zu vermeiden ist, sollte für die Optimierung der Luftfeuchte auf ausreichende Lüftung der Räume nicht verzichtet werden. In vielen Büros überwiegt dabei die freie Lüftung wie beispielsweise Spaltlüftung (gekipptes Fenster), Stoßlüftung (kurzzeitig ganz geöffnetes Fenster) und Querlüftung (öffnen der gegenüberliegenden Fenster und Türen). Quer- und Stoßlüftung sind dabei zu bevorzugen. 

Pro Stoßlüftung sollte man in den Wintermonaten etwa fünf Minuten, im Frühjahr und Herbst etwa zehn bis 15 Minuten und an warmen Sommertagen eine halbe Stunde lang frische Luft hereinlassen. Pflanzen tragen zu einem besseren Klima im Büro bei, allerdings eher im Bereich des subjektiv empfundenen Klimas und der Atmosphäre. In seltenen Fällen tragen Pflanzen zur Erhöhung der Luftfeuchte bei. Es sollten auch nur gesunde Pflanzen, zum Beispiel frei von Schimmelbefall, im Büro aufgestellt werden.

Wie kann man die Symptome einer zu niedrigen Luftfeuchtigkeit behandeln?

Michl: Mobile Luftbefeuchter eignen sich in Ausnahmefällen als Hilfsmittel, wenn es erforderlich erscheint, die relative Luftfeuchte auf einen Wert bis etwa 40 Prozent zu erhöhen. Die Gefahr von hygienischen Problemen kann bei regelmäßiger Reinigung und Wartung der Geräte reduziert werden. Das setzt jedoch die Beachtung der Betriebsanleitungen zur Handhabung und regelmäßigen Reinigung der Geräte voraus. 

Erhöhte Trinkmengen fordert nur der Hitzearbeitsplatz in der Industrie, der mit dauerhaft erhöhten Temperaturen einhergeht. Feuchtigkeitscremes gehören zur allgemeinen Körperpflege und helfen, die Funktionsfähigkeit unserer Haut zu stabilisieren.

Wenn alles nichts hilft, was sollte man dann tun? 

Michl: Natürlich ist das moderne Büro ohne den Einsatz leistungsfähiger technischer Geräte heute nicht mehr vorstellbar. Diese Geräte erleichtern jedoch nicht nur an vielen Stellen die Arbeit der Mitarbeiter. Sie sind zugleich Quelle zusätzlicher Wärme und verbrauchter Luft. Kopierer, Drucker, PC, Bildschirm und Scanner können, je nach Grad ihrer Nutzung, die Temperatur und die Luftqualität (Luftfeuchte) in Büroräumen erheblich beeinträchtigen. Eine ausreichende Lüftung der Räume, besser noch, eine externe Unterbringung der Rechner-und Druckertechnik, sollte angestrebt werden.

ZUR PERSON

Dr. MANFRED MICHL

Alter:

61, geboren und aufgewachsen in Gießen

Ausbildung:

Michl studierte Humanmedizin in Gießen, seine Promotionsarbeit schrieb er über Herzschrittmachersysteme. Im Kreiskrankenhaus Bad-Hersfeld absolvierte er die Facharzt-Ausbildung zum Internisten.

Karriere:

Er war viele Jahre auf der internistischen Intensivstation und im Rettungsdienst als Notarzt tätig. Seit 1990 ist Michl Leiter und Geschäftsführer der Arbeitsmedizinischen Untersuchungsstelle in Bad Hersfeld und Fulda.

Privates:

Der Mediziner lebt seit 1982 in Bad Hersfeld. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. In seiner Freizeit macht er Sport, geht auf die Jagd und segelt.

Autor

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